Chronische Entzündung: 43 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronische Entzündungsprozesse im Körper bleiben oft jahrelang unbemerkt, können das Herz-Kreislauf-System jedoch messbar schädigen. Eine wissenschaftliche Untersuchung des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London liefert neue Einblicke in die Zusammenhänge zwischen dauerhafter Belastung, molekularen Entzündungsmarkern und strukturellen Veränderungen am Herzen.
Die im Fachjournal European Journal of Preventive Cardiology publizierte Arbeit stützt sich auf einen umfangreichen Datensatz von rund 480.000 Menschen in Großbritannien.
Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Als Indikator für das Ausmaß einer chronischen Entzündung analysierten die Forschungsteams den Blutmarker Glykoprotein-Acetyl, kurz GlycA. Bei der Auswertung zeigte sich eine deutliche Korrelation mit schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen: Probanden mit den höchsten gemessenen Entzündungswerten – entsprechend den obersten 20 Prozent der Verteilung – wiesen ein um 43 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall auf als Personen mit den niedrigsten Werten.
Studienleiter Declan O'Regan wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass möglicherweise Millionen von Menschen mit einer solchen versteckten Entzündung leben, ohne von den damit verbundenen Gefahren zu wissen.
Sichtbare Veränderungen der Herzstruktur
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Neben den rein statistischen Risiken für akute Gefäßverschlüsse erfasste das Team des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London auch direkte morphologische Auswirkungen auf das Herzorgan.
Bei Personen mit anhaltend erhöhten Entzündungswerten ließen sich spezifische organische Veränderungen nachweisen. Dazu zählten verdickte Herzwände, eine Verkleinerung der Herzkammern sowie eine damit einhergehende geringere Füllung des Herzens während der Entspannungsphase.
Diese strukturellen Anpassungen spiegeln wider, wie tiefgreifend systemische Entzündungsreaktionen das Muskelgewebe und die biomechanische Funktionsfähigkeit des Herzens über längere Zeiträume hinweg beeinträchtigen können.
Faktoren für Belastung und biologische Reaktionen
Die Auswertungen verdeutlichen zudem, dass die gemessenen Entzündungswerte eng an alltägliche Stressfaktoren und Lebensumstände gekoppelt sind. Die Wissenschaftler stellten signifikante Verbindungen zu sozialen und psychischen Belastungen fest. Ebenso zeigten sich Verknüpfungen mit klassischen Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht, während zugleich genetische Komponenten die individuelle Anfälligkeit für Entzündungen beeinflussen.
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Dass psychischer Druck nicht bei jedem Menschen die gleichen körperlichen Schäden verursacht, ist auch Gegenstand grundlegender immunologischer Untersuchungen. Der Forscher Stefan Reber betont, dass die persönliche Belastbarkeit eng mit dem Immunsystem und dem Mikrobiom verknüpft sei.
Während chronischer Stress manche Individuen krank mache, blieben andere widerstandsfähiger. Die Erforschung dieser zugrundeliegenden biologischen Prozesse soll künftig noch präziser erklären, wie psychologische Belastungsmuster in physische Entzündungskaskaden übergehen.
