Chronisch, Kinder

Chronisch kranke Kinder: RKI meldet bis zu 17,8-fach höheres Risiko

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz rückläufiger Influenza-Fälle sinkt die Impfquote bei Älteren; Österreich aktualisiert zudem Empfehlungen und Impfplan.

Grippesaison 2026/27: Behörden rufen zu Impfungen für Risikogruppen auf
Ein heller, steriler Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit natürlichem Tageslicht und neutraler Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Mit Beginn der Grippesaison, die traditionell von der 40. Kalenderwoche bis zur 20. Kalenderwoche des Folgejahres läuft, rufen Gesundheitsbehörden in mehreren Regionen zur Schutzimpfung auf. Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) appellierte an Risikogruppen – über 60-Jährige, chronisch Kranke und Schwangere ab dem zweiten Trimester –, sich gegen Influenza, RSV, Pneumokokken und Corona impfen zu lassen.

Rückläufige Fallzahlen, aber sinkende Impfbereitschaft

In Brandenburg wurden in der Grippesaison 2025/26 insgesamt 12.802 bestätigte Influenza-Infektionen registriert, nach 18.719 in der Saison davor. Parallel zu diesem Rückgang ist jedoch die Impfquote bei über 60-Jährigen deutlich gesunken: von 65,1 Prozent in der Saison 2020/21 auf 48,6 Prozent in der Saison 2024/25. Diese Entwicklung dürfte mit ein Grund für den Aufruf des Ministeriums sein, gerade Risikogruppen frühzeitig zu impfen.

Ähnliche Zahlen liefert Baden-Württemberg: Das Landesgesundheitsamt registrierte in der vergangenen Saison knapp 26.000 Grippefälle, nach fast 34.000 im Jahr zuvor. Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) riet allen Bürgerinnen und Bürgern zur Impfung und verwies darauf, dass die Kosten von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden.

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg rechnet mit ausreichend Influenza-Impfstoff für die Saison 2026/2027; die Auslieferung an Großhandel und Apotheken hat bereits begonnen. Als idealer Impfzeitpunkt gilt Oktober bis Mitte Dezember, da der Schutzaufbau nach der Impfung 10 bis 14 Tage dauert. Geimpft werden kann sowohl in Arztpraxen als auch in Apotheken.

Österreich passt Impfplan an

Auch in Österreich wurde der Impfplan für 2026/27 aktualisiert. Das Nationale Impfgremium hält an der kostenfreien COVID-19-Impfung ab dem sechsten Lebensmonat fest und empfiehlt eine Auffrischung bevorzugt im Spätsommer oder Herbst – insbesondere ab 60 Jahren, für Pflegeheimbewohner, Gesundheitspersonal und weitere Risikogruppen.

Laut einem Bericht vom 26. September 2026 wird die COVID-19-Auffrischung ausdrücklich ab 12 Jahren empfohlen, mit Priorität für Risikogruppen, Personen ab 60 Jahren und medizinisches Personal, da die kommende Welle früher erwartet werde als in den Vorjahren.

Neu geregelt wurde zudem der Pertussis-Booster: Nach der Grundimmunisierung reicht bis zum 60. Lebensjahr künftig eine Auffrischung alle 10 Jahre, ab 60 Jahren bleibt es bei einem Intervall von 5 Jahren. Hintergrund dürfte der starke Rückgang der Keuchhusten-Fälle in Österreich sein: 2025 wurden 1.913 Fälle gemeldet, nach 15.470 im Jahr zuvor.

Ergänzend wurde der 21-valente Pneumokokken-Konjugatimpfstoff PCV21 für spezielle Indikationen ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr aufgenommen, das RSV-Kapitel überarbeitet und erstmals ein eigenes Kapitel zu nationalen Impfzielen eingeführt.

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Aktuelle Infektionslage und Risiken für chronisch Kranke

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind akute Atemwegserkrankungen seit dem Tiefstand im August mit Beginn des Schuljahres deutlich gestiegen – in der dritten Septemberwoche wurden rund 5,5 Millionen Neuerkrankungen gezählt, was jedoch im üblichen Bereich liege.

Influenzanachweise seien weiterhin sehr selten. Das Institut empfiehlt Betroffenen mit Symptomen einer akuten Atemwegsinfektion, drei bis fünf Tage und bis zur deutlichen Besserung zu Hause zu bleiben. Die STIKO empfiehlt die Corona-Auffrischung für gesunde Ältere erst ab 75 Jahren.

Besondere Aufmerksamkeit gilt chronisch kranken Kindern und Jugendlichen: Laut einem RKI-Bericht ist das Risiko für einen schweren Verlauf bei 2- bis 17-Jährigen mit mindestens einer chronischen Erkrankung bis zu 17,8-fach erhöht.

In Deutschland ist demnach etwa jede:r Fünfte im Alter von 0 bis 17 Jahren chronisch krank, am häufigsten von Neurodermitis (12,8 Prozent) und Asthma (6 Prozent) betroffen.

Insgesamt sterben in Deutschland laut Schätzungen jährlich 5.000 Menschen an einer Pneumokokken-Erkrankung – eine Zahl, die die Bedeutung der von der STIKO empfohlenen Impfung für Ältere, chronisch Kranke, Schwangere, Heimbewohner und medizinisches Personal unterstreicht.

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Die Veranstalter verwiesen darauf, dass Erwachsene im Schnitt zwei- bis viermal jährlich, Kindern sogar sechs- bis zehnmal jährlich an Erkältungen erkranken – ein Hinweis darauf, wie verbreitet saisonale Atemwegsinfektionen grundsätzlich sind.

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