Chronisch, Kranke

Chronisch Kranke in Gefahr: 19-Milliarden-Loch bedroht Versorgung

25.06.2026 - 20:34:58 | boerse-global.de

Krankenkassen sehen 2027 ein Defizit von knapp 19 Milliarden Euro. Patienten und Pflegebedürftige könnten die Hauptlast tragen.

GKV-Spitzenverband: 19-Milliarden-Loch bedroht Gesundheitskasse
Chronisch - Eine Hand hält einen Stapel Euromünzen, im unscharfen Hintergrund sind medizinische Dokumente und ein Taschenrechner zu sehen. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Ausgaben steigen rasant, die Einnahmen halten nicht Schritt. Besonders chronisch Kranke und Pflegebedürftige könnten die Zeche zahlen.

Milliarden-Defizit – und kein Plan

Die Zahlen sind deutlich. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Leistungsausgaben der Krankenkassen um acht Prozent. Der Krankenhaussektor legte um 9,4 Prozent zu, ärztliche Praxen um 7,3 Prozent, Arzneimittel um 6,4 Prozent. Das geplante GKV-Stabilisierungsgesetz deckt nach Angaben des Spitzenverbands jedoch nur 16,3 der benötigten 18,8 Milliarden Euro ab.

Die Kassenvertreter fordern deshalb ein größeres Sparpaket. Gleichzeitig lehnen sie Mehrbelastungen für Beitragszahler und Patienten ab. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) stellt sich zudem gegen Ausnahmen für die Pharmaindustrie.

Patientenorganisationen schlagen Alarm

Das Haus der Krebs-Selbsthilfe (HKSH-BV) übt scharfe Kritik an den geplanten Maßnahmen. Im Fokus: höhere Zuzahlungen, Festbeträge bei Hilfsmitteln und eine Absenkung des Festzuschusses beim Zahnersatz. Auch die beitragsfreie Mitversorgung von Familienangehörigen steht zur Disposition.

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Positiv bewerten die Verbände den Erhalt der Chroniker-Regelung und die Rücknahme geplanter Krankengeldkürzungen. Ihre zentrale Forderung: Versicherungsfremde Aufgaben müssen aus Steuermitteln finanziert werden.

Zusätzlichen Zündstoff liefert ein geplanter pauschaler Abschlag von drei Prozent bei den Vergütungen für Hilfsmittel. Experten für Teilhabe und Selbstbestimmung warnen vor einer Gefährdung der bedarfsgerechten Versorgung. Eine für September 2026 angekündigte Studie soll Daten von rund 1.500 Betroffenen liefern.

Auch die Lebenshilfe protestiert. Hintergrund sind Überlegungen, bei der Eingliederungshilfe zu sparen. Bundesvorsitzende Ulla Schmidt warnt vor Verstößen gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Die Fachverbände fordern stattdessen weniger Bürokratie.

Neue Regeln für Hausärzte

Ab dem 1. Juli 2026 gilt eine neue Vergütungsstruktur für die Betreuung chronisch Kranker. Die Versorgungspauschale GOP 03100 richtet sich an Patienten zwischen 19 und 75 Jahren mit Diagnosen wie Bluthochdruck oder Schilddrüsenerkrankungen. Die Vergütung ist altersgestaffelt: 45,36 Euro für Jüngere, 51,34 Euro für Ältere – jeweils für sechs Monate.

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Kritiker bezeichnen das Modell als komplex. Sie befürchten, dass strenge Abrechnungsprüfungen eine breite Anwendung verhindern. Ein Zuschlag für intensiven Betreuungsbedarf ist zudem auf maximal acht Prozent der Praxisfälle begrenzt.

Krankenhäuser in der Krise

Die wirtschaftliche Lage der Kliniken verschärft sich. Aktuell arbeiten 22 Prozent der Krankenhäuser mit Verlust. Durch die geplanten Erlöskürzungen könnte dieser Anteil bis 2027 auf 60 Prozent steigen – bis 2030 sogar auf 70 Prozent. Eine empfohlene Gegenmaßnahme: Personalkosten außerhalb der Pflege um bis zu neun Prozent senken.

In der Pflege sorgt die mögliche Rückführung des Pflegebudgets in das Fallpauschalensystem für Unruhe. Berichte über eine geplante Abschaffung der Pflegepersonalregelung PPR 2.0 und die Streichung von Personaluntergrenzen führen zu Protesten. Ein entsprechendes Gesetz soll bis zum 10. Juli 2026 verabschiedet werden.

Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) kritisiert zudem die Begrenzung von Vergütungssteigerungen auf die Grundlohnrate. Dies gefährde die Refinanzierung von Tarifsteigerungen in der häuslichen Krankenpflege.

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