Cholesterin, Ernährung

Cholesterin: Warum gesunde Ernährung hohe LDL-Werte nicht immer senkt

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 00:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Genetik, Erkrankungen und Hormone beeinflussen Blutfette; Haferflocken können den Cholesterinspiegel um etwa fünf bis sieben Prozent senken.
Leere medizinische Reagenzgläser und eine Zentrifuge auf einer sterilen Laboroberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Eine ausgewogene Ernährung gilt gemeinhin als Basis für stabile Blutfettwerte. Dennoch stellen Kardiologen in der Praxis regelmäßig fest, dass die Werte für das Low-Density-Lipoprotein (LDL) selbst bei strenger Lebensmittelauswahl erhöht bleiben können.

Die Kardiologin Juliane Willecke vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen weist darauf hin, dass der menschliche Körper etwa 80 bis 90 Prozent des Cholesterins selbst in der Leber herstellt.

Aus diesem Grund lasse sich das Cholesterin über die reine Nahrungsaufnahme nur begrenzt beeinflussen. Eine ähnliche Einschätzung teilt die Deutsche Herzstiftung, nach deren Angaben der Körper Cholesterin zu 80 Prozent eigenständig produziert und lediglich 20 Prozent über die Nahrung aufgenommen werden.

Individuelle Risikobewertung statt starrer Grenzwerte

Ein dauerhaft erhöhter Cholesterinspiegel verläuft über lange Zeit ohne spürbare Beschwerden. Kardiologin Juliane Willecke betont, dass ein LDL-Wert von über 190 mg/dl mit einem deutlich erhöhten Risiko für atherosklerotische Erkrankungen einhergehe.

Bei gesunden Personen würden in der Praxis häufig Werte von unter 116 mg/dl angestrebt. Liegen bereits Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen vor, gelte oft ein Zielwert von unter 55 mg/dl.

Einen universellen Grenzwert gebe es nach Angaben von Willecke jedoch nicht. Die medizinische Risikoeinschätzung erfolge stets individuell und berücksichtige Faktoren wie das Alter, bestehende Vorerkrankungen, das Vorliegen von Bluthochdruck, den Raucherstatus sowie familiäre Belastungen.

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Um Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen, haben gesetzlich Versicherte in Deutschland ab einem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung mit Bestimmung der Blutfettwerte. Zudem sollte der Wert für Lipoprotein(a) nach Ansicht der Medizinerin mindestens einmal im Leben labordiagnostisch ermittelt werden.

Genetische und hormonelle Ursachen für erhöhte Werte

Dass erhöhte Blutfette trotz gesunder Kost auftreten, liegt an verschiedenen metabolischen und genetischen Mechanismen. Der Kardiologe Dr. Raphael Boesche Guimarães führt als Hauptursache die Genetik an, insbesondere die familiäre Hypercholesterinämie, bei der der Abbau von LDL-Partikeln gestört ist. Darüber hinaus erschwere eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) die Beseitigung von LDL aus dem Blutkreislauf.

Auch hormonelle Umstellungen spielen eine wesentliche Rolle. Nach Einschätzung von Guimarães verändert der Rückgang von Östrogen in der Menopause den Fettstoffwechsel und beeinflusst das LDL-Cholesterin. Zudem führen eine Insulinresistenz und ein Typ-2-Diabetes zu erhöhten Triglyceriden, einem abgesenkten HDL-Spiegel und veränderten LDL-Partikeln.

Bestimmte Arzneimittel wie Kortikoide, Immunsuppressiva sowie Retinoide können die Fettwerte ebenfalls ansteigen lassen. Da eine Ernährungsumstellung in diesen Fällen nicht immer ausreiche, müsse sich die therapeutische Vorgehensweise individuell am kardiovaskulären Gesamtrisiko ausrichten.

Ernährungsmythen und gezielte Anpassungen

Im Ernährungsalltag stehen bestimmte Lebensmittel immer wieder in der Diskussion. Dr. Birgit Terjung von den GFO Kliniken Bonn und der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten stellt klar, dass Hühnereier den Cholesterinspiegel nicht unmittelbar in die Höhe treiben.

Aus rein gesundheitlicher Sicht sei der Verzehr von einem Ei pro Tag unbedenklich; empfohlen werden von ihr bis zu drei Eier pro Woche. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, maximal ein Ei pro Woche zu konsumieren, begründet sich nicht auf gesundheitlichen oder cholesterinbezogenen Gründen, sondern beruht auf dem Nährstoffbedarf, der Umweltbelastung sowie dem durchschnittlichen Verzehr in der Bevölkerung.

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Terjung erläutert weiter, dass das Cholesterin vor allem in Kombination mit Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes sowie abweichenden Harnsäure- und Schilddrüsenwerten die Entstehung von Gefäßablagerungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen begünstige.

Einen nachweisbaren diätetischen Hebel stellen unterdessen Ballaststoffe dar: Laut Willecke vermag der regelmäßige Verzehr von Haferflocken den Cholesterinspiegel dank des enthaltenen Beta-Glucans um etwa fünf bis sieben Prozent zu senken.

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