Cholesterin und Ernährung: Warum eine Ernährungsumstellung LDL nur begrenzt senkt
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 03:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erhöhte Cholesterinwerte gehören zu den zentralen Risikofaktoren für Herzinfarkte und Schlaganfälle, wobei dem LDL-Cholesterin die entscheidende Rolle zukommt. Zugleich halten sich im Alltag hartnäckige Annahmen darüber, wie stark die tägliche Kost die eigenen Blutwerte beeinflussen kann.
Kardiologin Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung und dem Marien-Hospital Wesel ordnet gängige Mythen über den Zusammenhang zwischen Ernährung, Cholesterinspiegel und kardiovaskulären Risiken ein.
Grenzen der Ernährung und genetische Ursachen
Entgegen weitverbreiteter Vermutungen liegt ein hoher Cholesterinwert selten ausschließlich an der Nahrungsaufnahme. Der Cholesterinspiegel ist im Wesentlichen genetisch determiniert.
Durch eine Umstellung der Ernährung lässt sich der LDL-Wert maximal um etwa 10 Prozent senken; andere Daten weisen auf Reduktionen um etwa 5 bis 15 Prozent hin, kombiniert teilweise etwas stärker. Ein messbarer Effekt tritt zumeist nach vier bis sechs Wochen ein, wobei Kontrollen nach rund drei Monaten erfolgen.
Sehr hohe Werte von mehr als 190 mg/dl deuten mitunter auf eine vererbbare Fettstoffwechselstörung hin. Eine solche familiäre Hypercholesterinämie betrifft etwa einen von 250 bis 300 Menschen.
Auch die früher verbreitete strikte Warnung vor Hühnereiern gilt als überholt: Ein Ei schadet in der Regel nicht, und ein bis zwei Eier am Tag stellen für die meisten Personen kein Problem dar. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt hingegen orientierend höchstens ein Ei sowie ein Mini-Steak pro Woche.
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Relevanz der LDL-Zielwerte und Rolle des HDL
Gemäß den Leitlinien der ESC und EAS gilt: Je niedriger das LDL ausfällt und je länger es niedrig bleibt, desto geringer ist das Herz-Kreislauf-Risiko. Die anzustrebenden Grenzwerte richten sich nach dem individuellen Risikoprofil. Bei gesunden Menschen ohne zusätzliche Risikofaktoren liegen Zielwerte bei 120 bis 130 mg/dl, während Leitlinien bei geringem Risiko auch Werte unter 116 mg/dl anführen.
Liegen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen vor, wird ein Wert von circa 70 mg/dl empfohlen. Bei sehr hohem Risiko, etwa nach einem Herzinfarkt, liegt der Zielwert bei 55 mg/dl beziehungsweise unter 55 mg/dl. Frühere Annahmen, wonach ein hohes HDL-Cholesterin ein erhöhtes LDL neutralisieren könne, treffen nicht zu; der entsprechende Quotient wird medizinisch nicht mehr berücksichtigt.
Medikamentöse Therapien und Einfluss von Genussmitteln
Reicht eine Anpassung des Lebensstils nicht aus, kommen Medikamente zum Einsatz. Die Deutsche Herzstiftung verweist hierbei auf Statine, die das LDL um 30 bis 50 Prozent oder mehr senken können. Sie gelten als sehr effektiv, und der Mythos über therapiebedingte Muskelschmerzen wurde im Placebovergleich widerlegt.
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Pflanzensterine können den LDL-Wert zwar um etwa 10 Prozent verringern, ein konkreter Nutzen bezüglich des Herzinfarktrisikos ist jedoch nicht belegt.
Als weitere Option stehen PCSK9-Hemmer zur Verfügung, die monatlich oder zweimal jährlich injiziert werden. Bei Therapiekosten von etwa 1000 Euro pro Monat werden sie erst nach dem Einsatz günstigerer Präparate verordnet.
Einfluss auf die Blutwerte haben auch alltägliche Zubereitungsarten von Heißgetränken. Ungefilterter Kaffee aus der Stempelkanne kann das LDL leicht steigern, da der Inhaltsstoff Cafestol die LDL-Rezeptoren der Leber blockiert. Drei Tassen täglich aus der French Press können den Cholesterinspiegel messbar um mehrere Prozent erhöhen.
Eine norwegische Langzeitstudie im European Journal of Preventive Cardiology über zwanzig Jahre mit mehr als einer halben Million Erwachsenen zeigte dagegen, dass ein Konsum von einer bis vier Tassen Filterkaffee täglich mit einem um 15 Prozent geringeren Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern einherging. Grüner Tee wiederum kann laut Daten aus 55 klinischen Studien das LDL im Schnitt um etwa 5,8 mg/dl und das Gesamtcholesterin um 7,6 mg/dl verringern.
