Cholesterin-Richtlinien: PTL setzt LDL-Zielwerte bis unter 40 mg/ dl fest
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Polnische Lipidologische Gesellschaft (PTL) hat ein neues Regelwerk zur Diagnostik und Behandlung von Fettstoffwechselstörungen vorgelegt. Das 446 Seiten umfassende Dokument, das als vorläufige Fassung publiziert wurde, entstand über einen Zeitraum von zwei Jahren in Zusammenarbeit mit 15 wissenschaftlichen Organisationen. Das Werk bündelt aktuelle therapeutische Standards sowie detaillierte Empfehlungen für den Umgang mit kardiovaskulären Risikofaktoren.
Gestaffelte Zielwerte und neue Therapiestandards
In den Empfehlungen der Fachgesellschaft werden drei gleichrangige Therapieziele definiert: das LDL-Cholesterin (LDL-C), das Nicht-HDL-Cholesterin sowie Apolipoprotein B. Bei den Zielwerten für LDL-C differenziert die PTL nach individuellen Risikogruppen.
Für Patienten mit einem extremen Risiko gilt ein Schwellenwert von unter 40 mg/dl, während bei sehr hohem Risiko weniger als 55 mg/dl angestrebt werden. Bei hohem Risiko liegt der Zielwert unter 70 mg/dl, bei mittlerem Risiko unter 100 mg/dl und bei Personen mit niedrigem Risiko unter 115 mg/dl.
Als therapeutischen Standard für Patienten der Kategorie mit sehr hohem Risiko sieht der Verband eine Kombination aus einem Statin und Ezetimib vor. Dieses Regime gelte sowohl für die Primär- als auch für die Sekundärprävention als Goldstandard.
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Zudem rät die PTL dazu, das Lipoprotein(a), kurz Lp(a), mindestens einmal im Leben zu bestimmen. Werte in einem Bereich von 75 bis 125 nmol/l gelten dabei als Grauzone, bei der eine Wiederholungsmessung empfohlen wird. Ein Befund von mehr als 125 nmol/l wird als risikosteigernd eingestuft.
Hohe Verbreitung und bestehende Defizite in der Therapie
Nach Angaben der PTL sind Fettstoffwechselstörungen in der Bevölkerung weit verbreitet. Der Verband beziffert den Anteil der betroffenen Erwachsenen auf 60 bis 70 Prozent. Gleichzeitig erreichen lediglich 30 bis 40 Prozent der behandelten Patienten die definierten Zielwerte für LDL-C. In Polen werden einem erhöhten LDL-Cholesterinspiegel laut der Gesellschaft jährlich zwischen 25.000 und 30.000 Todesfälle zugeschrieben.
Kardiovaskuläre Krankheitslast und Diagnostik
Ergänzende Einschätzungen zur Relevanz der Blutwerte lieferte der Kardiologe und Lipidologe Prof. Maciej Banach in einem Medienbericht vom 2. November 2026. Er verwies darauf, dass LDL-Cholesterin Gefäße unbemerkt schädige und spürbare Symptome in der Regel erst auftreten, wenn das Gefäß bereits um 30 bis 40 Prozent verengt ist. Herz-Kreislauf-Erkrankungen fordern in Polen jährlich rund 160.000 Menschenleben.
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Unter Verweis auf Daten der Global Burden of Disease betonte Banach, dass ein erhöhtes LDL weltweit für 3,6 Millionen Todesfälle verantwortlich sei, was 18,5 Prozent sämtlicher kardiovaskulärer Todesfälle ausmache. Bei einer korrekten Einstellung der LDL-Werte könnten in Polen rund 30.000 Menschen weniger sterben.
Hinsichtlich der Vorsorge bestehe nach wie vor ein erhebliches Wissensdefizit: Nur jeder zehnte Pole kenne seinen Cholesterinwert aus den vergangenen zwei Jahren. Für die Einschätzung der individuellen Gefährdung wird Banach zufolge der SCORE2-Rechner genutzt, ab dem 70. Lebensjahr die Variante SCORE2-OP.
Bei einem niedrigen bis mittleren Risiko solle der LDL-Wert unter 115 beziehungsweise 100 mg/dl gehalten werden, während für das Nicht-HDL-Cholesterin eine Grenze von unter 130 mg/dl anzusetzen sei.
