Cholesterin: Mediterrane Kost senkt LDL um bis zu 15%
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 13:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gezielte Anpassungen der täglichen Ernährung können Gefäßablagerungen entgegenwirken und den Cholesterinspiegel regulieren, ohne dass unmittelbar Medikamente zum Einsatz kommen müssen. Darauf weisen kardiologische Experten hin.
Da rund 60 % der Erwachsenen ein Gesamtcholesterin von über 190 mg/dL aufweisen und ein Anstieg um 20 mg/dL das kardiovaskuläre Sterberisiko um rund 12 % erhöht, kommt präventiven Maßnahmen im Alltag eine zentrale Rolle zu.
Leitlinien und Zielwerte für das Lipidprofil
Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) sehen für Erwachsene ohne hohes Herz-Kreislauf-Risiko einen Wert für das LDL-Cholesterin von unter 116 mg/dl vor. Beim HDL-Cholesterin gelten Werte von über 45 mg/dl bei Frauen sowie über 40 mg/dl bei Männern als ideal.
Ein zu hoher Wert birgt jedoch ebenfalls Gefahren: Wie der Kardiologe Dr. Jens von Beckerath vom Cardiologicum Hamburg erläutert, ist ein HDL-Wert von über 80 mg/dl mit einer zusätzlichen Risikoerhöhung verbunden.
Bei gesunden Personen gilt ein LDL-Wert von über 190 mg/dL als Interventionsgrenze. Für Personen mit Diabetes oder Hypertonie gelten strengere Zielvorgaben von unter 70 oder unter 55 mg/dL. Eine Senkung des LDL-Werts um 1 mmol/L verringert das Risiko für schwere Herzereignisse um 22-23 %.
Zur Zielerreichung betont Prof. Winhofer-Stöckl, dass das LDL-Cholesterin grundsätzlich nicht zu stark gesenkt werden könne. So führen PCSK9-Hemmer zu einer starken Absenkung, und Familien mit einer Loss-of-Function-Mutation des PCSK9-Gens weisen dauerhaft niedrige Werte bei einem gleichzeitig geringen kardiovaskulären Risiko auf.
Zudem zeigen auch Neugeborene niedrige LDL-Werte, und es liegen keine Hinweise auf einen daraus resultierenden Steroidhormon- oder Vitamin-E-Mangel vor. Bei niedrigen Messwerten kann allerdings die Friedewald-Formel falsch niedrige Ergebnisse ausgeben.
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Herzfreundliche Ernährung und Bewegung
Ernährungswissenschaftliche Vorgaben bieten klare Orientierungspunkte für den Speiseplan. Eine mediterrane Kost kann das LDL-Cholesterin um bis zu 15 % senken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich fünf Portionen Gemüse und Obst, ein- bis zweimal wöchentlich Fisch, maximal 300 g Fleisch pro Woche sowie mindestens 1,5 L Wasser am Tag.
Ein herzfreundlicher Speiseplan stützt sich überwiegend auf pflanzliche Kost, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte mindestens einmal pro Woche und eine kleine Handvoll Nüsse pro Tag.
Studien belegen zudem den Nutzen von Mandeln: Rund 40 g täglich können das Gesamt- sowie das LDL-Cholesterin deutlich reduzieren. Bereits eine Handvoll von 28 g liefert 3 g Ballaststoffe – was etwa 11 % der empfohlenen Tagesdosis entspricht –, weist 88 % ungesättigte Fettsäuren sowie nur 1 g gesättigte Fettsäuren auf und deckt bis zu 47 % des täglichen Vitamin-E-Bedarfs ab.
Ergänzend empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation mindestens 150 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche sowie Krafttraining an mindestens zwei Tagen. Ausreichend Schlaf, Stressmanagement, der Verzicht auf das Rauchen und ein moderater Alkoholkonsum mindern kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht weiter.
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Medikamentöse Therapie und Studienlage
Trotz des Nutzens eines veränderten Lebensstils warnen Fachleute davor, verordnete Blutdruck- oder Cholesterinmedikamente eigenständig abzusetzen. Eine französische Studie des Universitätsklinikums Bordeaux untersuchte 1180 Teilnehmer ab 75 Jahren ohne vorherige Gefäßerkrankung bei einem mittleren Alter von 80 Jahren über einen Zeitraum von 36 Monaten.
Bei der Sterblichkeit (7,9 % mit Statin gegenüber 7,2 % ohne) und schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen (4,4 % gegenüber 5,0 %) zeigten sich ähnliche Resultate, ebenso bei Lebensqualität und unerwünschten Ereignissen (73,1 % gegenüber 74,0 %).
Die Autoren schränkten die Aussagekraft jedoch ein, da statt der geplanten 2430 lediglich 1180 Probanden teilnahmen. Die Deutsche Herzstiftung hebt hervor, dass das Absetzen von Statinen bei bestehender koronarer Herzkrankheit oder Arteriosklerose gefährlich ist.
