Cholesterin: Darmbakterium Bacteroides uniformis produziert einen Hemmstoff
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 18:24 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Regulierung des Cholesterinspiegels steht im Zentrum der kardiovaskulären Prävention. Neue wissenschaftliche Arbeiten geben Aufschluss darüber, wie sowohl das Mikrobiom des Darms als auch pflanzliche Stoffe Stoffwechselpfade beeinflussen können. Im Mittelpunkt aktueller Untersuchungen steht das Darmbakterium Bacteroides uniformis, dessen Stoffwechselprodukte ähnliche Mechanismen wie gängige Lipidsenker anstoßen können.
Mikrobieller Hemmstoff: Bacteroides uniformis und Pentadecansäure
Ein Forschungsteam um Zhao Wenjing, Mou Xiangyu und Tang Xiaoyu vom SMART-Forschungszentrum identifizierte in einer in der Fachzeitschrift Nature publizierten Studie einen zentralen Signalweg: Das weit verbreitete Darmbakterium Bacteroides uniformis produziert die ungeradkettige Fettsäure Pentadecansäure (PA, C15:0).
Diese Fettsäure hemmt die 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A-Reduktase (HMGCR) – dasselbe Zielenzym, an dem auch Statine ansetzen – und fördert zugleich die hepatische Cholesterin-Clearance.
Wie Begleitberichte darlegen, verlangsamt das Bakterium auf diese Weise die Synthese von Cholesterin in der Leber. Auch die Pharmazeutische Zeitung griff den Befund auf, dass Darmbakterien einen Inhibitor der Cholesterolsynthese bilden, nannte jedoch keine spezifischen Details zum Stamm oder zu weiteren Versuchsdaten.
Die Biosynthese von Pentadecansäure scheint in der bakteriellen Phylogenie verankert zu sein: Eine Analyse von 100 Darmbakterienstämmen zeigte, dass mehrere Stämme der Abteilung Bacteroidota PA produzieren und entsprechende Biosynthesegene konserviert sind. Bei Personen mit einer Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) wurden zudem erniedrigte PA-Spiegel im Blut festgestellt.
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Erkenntnisse aus Versuchsreihen und molekulare Grenzen
In Tierversuchen zeigten sich deutliche Effekte auf Gefäßveränderungen. Bei Apoe-/--Mäusen, die eine fettreiche Diät erhielten, reduzierte eine Gabe von Pentadecansäure über einen Zeitraum von acht Wochen (dreimal wöchentlich) die atherosklerotischen Plaques um rund 50 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Dieser Schutzmechanismus wird über die HMGCR-Hemmung vermittelt; ein Knockdown des LDL-Rezeptors hob den Effekt vollständig auf. Tiere, die für Gefäßerkrankungen anfällig sind, wiesen unter der Behandlung etwa halb so viele Fettplaques auf wie unbehandelte Kontrollen.
Ergänzend führte die Gabe lebender Bacteroides uniformis über zwölf Wochen bei genetisch für Atherosklerose anfälligen männlichen Mäusen zu einer Verringerung der Aorten-Plaques um rund ein Drittel, senkte das Gesamt- sowie das LDL-Cholesterin und reduzierte Entzündungszellen im Gewebe. Hitzeabgetötete Bakterien erzielten diesen Effekt hingegen nicht.
Trotz dieser Daten betonen Fachleute, dass Tierversuche nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar sind. Zwar wies eine kleinere Untersuchung aus dem Jahr 2024 auf eine zusätzliche Cholesterinsenkung hin, wenn Pentadecansäure mit einer mediterranen Ernährung kombiniert wurde.
Eine Analyse zweier Langzeitstudien aus dem Jahr 2026 konnte jedoch keinen Zusammenhang zwischen den individuellen PA-Spiegeln und dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse nachweisen.
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Pflanzliche Wirkstoffe im Fokus: Die Datenlage zu Ingwer
Parallel zur Erforschung des Mikrobioms untersuchen Wissenschaftler auch klassische Ernährungskomponenten und bioaktive Pflanzenstoffe. Ernährungsexperten verweisen dabei insbesondere auf Ingwer, der als cholesterinsenkendes Gewürz diskutiert wird. Ein Review aus dem Jahr 2026, das Daten von mehr als 43.000 Teilnehmenden auswertete, assoziiert den regelmäßigen Verzehr mit geringeren Konzentrationen an Gesamt- und LDL-Cholesterin.
Eine Auswertung von 26 klinischen Studien ergab eine durchschnittliche Senkung des LDL-Cholesterins um etwa 5 mg/dL sowie des Gesamtcholesterins um rund 7 mg/dL. In Interventionsstudien kamen dabei Dosierungen von 1,5 bis 2 Gramm pro Tag zum Einsatz; in Ernährungsempfehlungen wird häufig rund ein Teelöffel gemahlener Ingwer täglich genannt.
Als wirksame Bestandteile gelten die antioxidativ und entzündungshemmend wirkenden Gingerole und Shogaole. Eine Kombination aus Ingwer und Zitrone zeigte zudem in Tierversuchen eine Verringerung der LDL-Werte.
Allerdings variieren die Effekte in Studien und Meta-Analysen abhängig von Dosis, Studiendauer und Probandengruppe teils erheblich. Fachleute weisen ausdrücklich darauf hin, dass es keine klinischen Belege dafür gibt, dass Ingwer Gefäße reinigen oder bestehende Plaques auflösen kann.
Das Gewürz stellt keinen Ersatz für etablierte Herz-Kreislauf-Medikamente dar. Zudem ist bei der Einnahme von Gerinnungshemmern Vorsicht geboten, und übermäßige Dosen können Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.
