Chips Act 2.0: EU plant 120 Milliarden für 3-Nanometer-Fertigung
06.06.2026 - 06:02:17 | boerse-global.de
Juni ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgestellt, das Europas Abhängigkeit von externen Technologieanbietern drastisch reduzieren soll. Derzeit importiert die Europäische Union mehr als 80 Prozent ihrer digitalen Produkte und produziert gerade einmal zehn Prozent der weltweiten Halbleiter. Das neue „Europäische Technologie-Souveränitätspaket" soll diese Schieflage korrigieren.
Cloud und KI: Milliarden für digitale Infrastruktur
Das Herzstück des Pakets ist der Cloud and AI Development Act (CADA). Er sieht vor, die Rechenzentrumskapazitäten der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Die geschätzten Investitionen belaufen sich auf rund 200 Milliarden Euro – genug, um den prognostizierten Bedarf bis 2035 zu decken.
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Besonders brisant: Ein neues vierstufiges Sicherheitssystem für öffentliche Ausschreibungen. Auf den höchsten Stufen müssen Anbieter nachweisen, dass sie in EU-Besitz sind, europäisches Personal beschäftigen und unabhängig von Rechtsordnungen außerhalb der EU agieren. Das ist eine klare Ansage an US-Konzerne, deren Dienste bislang oft unter den US Cloud Act fallen – und damit sensible Daten aus Gesundheit, Finanzen oder Justiz potenziell US-Behörden zugänglich machen.
Die Mitgliedstaaten müssen innerhalb eines Jahres nationale Cloud- und KI-Strategien vorlegen. Zudem ist jeder Staat verpflichtet, mindestens eine Data Center Acceleration Zone auszuweisen, um den Bau neuer Rechenzentren zu beschleunigen.
Chips Act 2.0: Der Kampf um die 3-Nanometer-Fertigung
Mit dem Chips Act 2.0 will Brüssel die Halbleiterproduktion auf ein neues Niveau heben. Das Ziel: bis 2035 insgesamt 120 Milliarden Euro an Investitionen mobilisieren. Im Fokus steht die 3-Nanometer-Technologie – derzeit das Maß der Dinge für Hochleistungschips. Einem Bericht zufolge ist eine Investition von 30 Milliarden Euro für eine entsprechende Fabrik geplant.
Um die Produktion zu beschleunigen, führt das Gesetz ein Fast-Track-Verfahren ein: Neue Chipfabriken sollen in maximal zwölf Monaten genehmigt werden. Ein neues Monitoring- und Krisenreaktionssystem soll Lieferketten absichern – Unternehmen, die bei Lieferengpässen keine Auskunft geben, drohen Strafen von bis zu 300.000 Euro.
Der Zeitdruck ist enorm: KI-Chips werden Prognosen zufolge bis 2030 mehr als 70 Prozent des globalen Halbleitermarktes ausmachen. Die bisherigen Bemühungen waren durchwachsen – die geplante Intel-Fabrik in Magdeburg wurde bekanntlich gestrichen. Der neue Ansatz setzt daher auf ein Ökosystem-Modell und Exzellenz-Label für Halbleiterregionen.
Open Source als strategisches Gut
Die neue EU-Open-Source-Strategie verfolgt das Prinzip „Öffentliches Geld für öffentlichen Code". Mit über drei Millionen Open-Source-Entwicklern in Europa sieht die Kommission darin ein strategisches Infrastruktur-Asset. Künftig soll bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugt auf quelloffene Lösungen gesetzt werden.
Im Energiesektor führt die Strategische Roadmap für Digitalisierung und KI ein Nachhaltigkeits-Rating für Rechenzentren ein. Ab 2026 wird bewertet, ab 2027 gelten Mindesteffizienzstandards.
Reaktionen: Zwischen Zustimmung und Skepsis
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, die EU könne es sich nicht leisten, bei Technologien, die kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser betreiben, von anderen abhängig zu sein. EU-Kommissarin Henna Virkkunen stellte klar, dass das Paket die Fähigkeit großer US-Cloud-Anbieter einschränken werde, Aufträge für sensible öffentliche Ausschreibungen zu gewinnen. Man müsse „Kill Switches" vermeiden und sicherstellen, dass Daten in europäischer Jurisdiktion blieben.
Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, lobte das Paket als Schritt in die richtige Richtung, mahnte aber zur Eile bei der Umsetzung. Die CCIA Europe, Lobbyverband der Technologiebranche, warnte hingegen vor Marktfragmentierung und Protektionismus.
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Achim Weiß, CEO von Ionos, brachte es auf den Punkt: „Souveränität darf nicht mit totaler Autarkie verwechselt werden." Europäische Unternehmen würden weiterhin auf internationale Hardware für hochwertige Grafikprozessoren angewiesen sein.
Ausblick: AI Gigafactories und parlamentarisches Verfahren
Bereits im Juli 2026 startet die EU-Kommission einen Aufruf für „AI Gigafactories" – Großrechenzentren speziell für Künstliche Intelligenz. Das gesamte Gesetzespaket geht nun in die Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament und Rat. Die endgültige Verabschiedung wird für 2027 erwartet.
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