Chipkrise verschärft sich: GPU-Verfügbarkeit um 30% eingebrochen
12.06.2026 - 17:16:06 | boerse-global.de
Führende Hardware-Hersteller warnen vor anhaltenden Engpässen bei Grafikkarten und Speicherchips bis weit ins Jahr 2026 – und darüber hinaus. Grund ist der unstillbare Hunger der KI-Industrie nach Rechenleistung.
MSI: GPU-Verfügbarkeit um 30 Prozent eingebrochen
MSI-Chef Hsu Hsiang schlug heute Alarm: Die Engpässe bei Speicher und Grafikprozessoren werden mindestens bis Ende 2026 anhalten. Der PC-Markt erlebt einen paradoxen Einbruch. Die Nachfrage nach Consumer-Rechnern sinkt um 10 bis 20 Prozent im Jahresvergleich – besonders betroffen ist der Selbstbau-Sektor mit einem Minus von 20 Prozent. Doch trotz schwächelnder Nachfrage bleibt das Angebot der Flaschenhals.
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Die aktuellen Zahlen sind ernüchternd. Die GPU-Verfügbarkeit ist um 30 Prozent gesunken. Bei Nvidias RTX-50-Serie wurden die Auslieferungen sogar halbiert. Einzig bei den Prozessoren zeichnet sich Besserung ab: Intel und AMD wollen ab dem dritten Quartal 2026 wieder mehr CPUs für Endkunden produzieren.
Die Hersteller reagieren mit Preiserhöhungen. MSI hat bereits im Frühjahr die Preise angehoben und wird dies voraussichtlich bis zum dritten Quartal fortsetzen. Die höheren Komponentenkosten werden direkt an die Kunden weitergereicht.
Speicherkrise: ASUS befürchtet Engpässe bis 2030
Besonders düster ist der Ausblick für den Speichermarkt. ASUS-Co-CEO S.Y. Hsu prognostiziert, dass der KI-getriebene Speichermangel bis 2030 anhalten könnte. Der Grund: Cloud-Anbieter bestellen inzwischen die dreifache Menge im Vergleich zu 2025. Hersteller wie SK Hynix bauen zwar ihre Produktion aus, kommen aber gegen die Nachfrage aus der Unternehmenswelt nicht an.
Die Folgen sind drastisch. Der Speicherhersteller Biwin sicherte sich kürzlich in einem Milliarden-Deal über 1,86 Milliarden Euro NAND-SSDs – ein Versuch, sich gegen steigende Preise abzusichern. Auch die Server-Riesen Dell und HPE kämpfen mit der „Speicher-Krise“. Dell priorisiert Großkunden und passt die Preise täglich an. HPE setzt auf langfristige Verträge mit Speicherpartnern.
Branchenanalysten sehen die Ursache in einem strukturellen Wandel: Die Hersteller rüsten ihre Fertigungslinien auf High-Bandwidth-Memory (HBM) für KI-Anwendungen um – zulasten der konventionellen Server-Speicher.
TSMC: Nachfrage übersteigt Angebot um 30 Prozent
Die Produktionsengpässe bei den Chipauftragsfertigern verschärfen die Lage zusätzlich. TSMC-Chef C.C. Wei warnte bereits Anfang Juni, dass das globale Chipangebot der KI-Nachfrage noch Jahre hinterherhinken wird. Für 2026 wird die Nachfrage nach modernen Fertigungskapazitäten das Angebot um 25 bis 30 Prozent übersteigen. Eine Entspannung ist frühestens 2027 in Sicht.
Die 3-Nanometer-Fertigung von TSMC läuft im zweiten Quartal 2026 am Limit. Monatlich werden zwischen 160.000 und 175.000 Wafer produziert. Um den Druck zu managen, plant TSMC Preiserhöhungen von bis zu 15 Prozent für die zweite Jahreshälfte. Trotz der Lieferprobleme meldete das Unternehmen für Mai einen Umsatz von umgerechnet rund 13,9 Milliarden Euro – ein Plus von 30,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Rückkehr alter Hardware: RTX 3060 feiert Comeback
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Die Knappheit moderner Komponenten zwingt Hersteller zu ungewöhnlichen Schritten. Wegen der GDDR-Speicher-Krise bringen Unternehmen wie Manli alte Grafikkarten aus dem Jahr 2020 zurück – darunter die GeForce RTX 3060 und RTX 3050. Diese Modelle nutzen den besser verfügbaren GDDR6-Speicher und helfen den Herstellern, ihre Margen zu halten und die Einstiegssegmente zu bedienen.
Die Marktdaten für das erste Quartal 2026 zeigen das ganze Ausmaß der Krise. Desktop-CPU-Auslieferungen brachen um 24 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein – auf nur noch 15,7 Millionen Einheiten. Im Markt für diskrete Grafikkarten wurden 11,8 Millionen Einheiten ausgeliefert. Nvidia bleibt Marktführer, während AMD und Intel auf Anteile von 8 beziehungsweise 1 Prozent kommen.
Branchenexperten sehen in der aktuellen Krise eine beispiellose Überlagerung von normalen Ersatzkäufen und massiven KI-Investitionen. Ihre Prognose: Der Höhepunkt der Chipkrise wird möglicherweise erst 2028 erreicht.
