Chip-Aktien, Ausverkauf

Chip-Aktien im Ausverkauf: Acht Verlusttage und 16 Prozent Minus

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 23:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Halbleiter- und KI-Hardwarewerte gaben weltweit nach; Marktbeobachter bewerten die Ursachen und langfristigen Folgen unterschiedlich.
Ein steriler, moderner Reinraum für die Halbleiterfertigung mit metallischen Oberflächen und einer industriellen Anlage. Illustration mit AI erstellt.

Nach massiven Kursverlusten bei Halbleiter- und Technologieaktien prüfen Marktanalysten derzeit, ob die jüngste Abwärtsbewegung im Chip-Sektor eine vorübergehende Korrektur darstellt oder das Ende der Rally rund um künstliche Intelligenz markiert. Noch am 6. Oktober 2026 hatte der US-Leitindex S&P 500 einen neuen Rekordschlussstand erreicht und die damalige Vorwoche mit dem höchsten Wochenschluss seiner Geschichte beendet.

Historische Verlustserien an den US-Börsen

Der Philadelphia SE Semiconductor Index verzeichnete bis zum 16. Oktober 2026 acht Verlustsitzungen in Folge und gab in dieser Spanne um rund 16 Prozent nach. Dies markiert die längste Negativserie des Branchenbarometers seit Oktober 2008. Am 16. Oktober sank der Index um 3,83 Prozent auf 11.137,29 Punkte, womit sich der Verlust im Monat Oktober auf rund 12 Prozent belief.

Im bisherigen Jahresverlauf 2026 verbleibt das Halbleiterbarometer mit einem Plus von 57 Prozent jedoch deutlich im positiven Bereich, während der S&P 500 seit Jahresbeginn um 12 Prozent zulegte.

Der Nasdaq Composite büßte in der Handelswoche bis zum 16. Oktober 4,5 Prozent ein und verbuchte damit seine schwächste Wochenperformance seit Juni 2026. Am 16. Oktober fiel der Technologieindex um 573 Punkte beziehungsweise 2,1 Prozent auf einen Schlussstand von 26.140 Zählern.

Auch der S&P 500 verzeichnete seinen stärksten Wochenverlust seit Juni, lag mit 7.661 Punkten aber weiterhin nur rund 2 Prozent unter seinem Rekordhoch von Anfang Oktober.

Bei den Einzeltiteln gaben Halbleiterwerte am 16. Oktober 2026 auf breiter Front nach. Micron fiel um 5,6 Prozent, AMD um 6 Prozent, Broadcom um 4,5 Prozent und Intel um 5,8 Prozent.

NVIDIA schloss bei 216,46 US-Dollar mit einem Tagesverlust von 0,77 Prozent und verzeichnete damit die achte Verlustsitzung nacheinander. Der Neocloud-Anbieter CoreWeave verlor auf Wochensicht 25 Prozent, nachdem die Aktie am 16. Oktober um weitere 12 Prozent nachgab.

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Weltweiter Verkaufsdruck bei Hardware-Herstellern

Auch außerhalb der Vereinigten Staaten gerieten Zulieferer und Produzenten der KI-Lieferkette unter Abgabedruck. Ein von Goldman Sachs geführter Korb asiatischer KI-Hardware-Aktien sank in der Woche zum 16. Oktober um 11 Prozent, was dem stärksten Wochenverlust seit Mitte Juli 2026 entspricht.

An der südkoreanischen Börse fiel die Aktie von Samsung Electronics in der Handelswoche um 17,8 Prozent von 262.000 auf 215.500 Won – der deutlichste Wochenrückgang für das Papier seit der vierten Oktoberwoche 2008. Der Speicherchip-Spezialist SK Hynix brach im selben Zeitraum um 24,3 Prozent von 1,681 Millionen auf 1,272 Millionen Won ein.

Ausländische Investoren trennten sich in jener Woche netto von Kospi-Aktien im Gesamtvolumen von 11,21 Billionen Won. Auf Samsung und SK Hynix entfielen zusammen 78,8 Prozent dieser Nettoverkäufe. In der Folge sank der Auslandsanteil an Samsung auf 45,98 Prozent, den tiefsten Stand seit Juli 2009. Bei SK Hynix fiel dieser Wert auf 48,85 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2021.

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Geteilte Markteinschätzungen

Marktbeobachter werten die jüngste Dynamik unterschiedlich. Counterpoint-Forschungsdirektor MS Hwang hält es für verfrüht, auf eine allgemeine Abschwächung des KI-Wachstums zu schließen. Er führt die Kursrückgänge primär auf Faktoren wie Inflation, Zinsen und Finanzierungskosten sowie auf Spekulationen über verzögerte Investitionen zurück, während angebotsseitige Effekte bei Speichermodulen vor 2028 kaum spürbar seien.

Auch die Großbank UBS bezeichnet die Schwächephase als Neukalibrierung der Markterwartungen und nicht als Bruch der Investitionsstory. Demgegenüber warnt das Analysehaus Gartner davor, dass bis 2030 mehr als 3,5 Billionen US-Dollar an Investitionen in KI-Infrastruktur von Wertminderungen bedroht sein könnten.

Nach Berechnungen von Jefferies dürfte sich zudem das Konsens-Gewinnwachstum globaler KI-Aktien von rund 100 Prozent im Jahr 2026 auf 30 Prozent im Jahr 2027 und 22 Prozent im Jahr 2028 abschwächen.

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