Chinesische Robotik: Exporte springen um 19% auf 141 Länder
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die chinesische Robotik-Branche boomt: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Exporte humanoider Roboter um fast 19 Prozent – und erreichten 141 Länder. Gleichzeitig hat sich die heimische Produktion mehr als verdoppelt.
Wurden 2025 noch rund 20.000 Einheiten gefertigt, waren es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits über 40.000. Branchenexperten rechnen bis Jahresende mit einer Gesamtproduktion von mehr als 100.000 Robotern. Ein Großteil dieser Maschinen verlässt inzwischen die Forschungslabore und zieht in die Fabrikhallen ein.
Vom Labor aufs Fabrikgelände
In Cixi ist ein Trainingszentrum entstanden, in dem 40 Roboter täglich über 90 Stunden lang industrielle Anwendungen testen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Aitu-Roboter erreichten bei der Stofftrennung eine Erfolgsquote von 97 Prozent, bei Näharbeiten sogar 98 Prozent. Für Textilhersteller bedeutet das eine Amortisationszeit von nur 18 Monaten.
Noch beeindruckender sind die Zahlen aus der Automobilbranche. Der PIABOT G2 absolvierte in einer Acht-Stunden-Schicht 2.283 Aufgaben fehlerfrei. Die Zykluszeit für Gewindebohrungen sank von 18 auf 12,9 Sekunden. Auch Xiaomi meldet eine Erfolgsquote von 98 Prozent bei der Mutter-Montage.
Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie hat ein klares Ziel ausgegeben: Bis Ende 2026 sollen 10.000 humanoide Roboter in der Industrie im Einsatz sein. Der Autobauer XPeng will noch in diesem Jahr die Massenproduktion seines Modells IRON starten – mit einer Stückzahl von über 1.000 pro Monat. BYD wiederum plant intern, 20.000 Roboter in den eigenen Werken zu integrieren.
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Preiskampf eröffnet neue Märkte
Die internationale Nachfrage explodiert nicht zuletzt wegen sinkender Preise. Unitree Robotics – 2025 mit über 5.500 ausgelieferten Einheiten und einem Weltmarktanteil von mehr als 25 Prozent der Branchenprimus – hat die Preise massiv gesenkt. Das Modell G1 kostete vor 18 Monaten noch 16.000 Dollar, heute sind es umgerechnet rund 12.000 Euro. Der R1 ist international bereits für etwa 3.900 Euro zu haben.
Unitree expandiert zudem in neue Regionen. Erst vor wenigen Wochen startete das Unternehmen Vorverkäufe für seinen H1 in Indien – zu Preisen zwischen 90.000 und 96.000 Dollar. Eine Partnerschaft mit einer Logistikfirma in Chennai soll den Vertrieb sichern, eine Trainingsakademie in Bangalore ist geplant.
Für den High-End-Sektor präsentierte Unitree den GD01, einen 2,7 Meter großen und 500 Kilogramm schweren zweibeinigen Mecha – Preis: rund 580.000 Euro. Chery bringt mit dem Morine M1 dagegen ein Modell für den Servicebereich auf den Markt, das etwa 37.500 Euro kostet.
Milliardenmarkt mit Risiken
Die Analysten sind optimistisch: PwC und Morgan Stanley erwarten, dass der Markt für verkörperte Intelligenz bis 2030 ein Volumen von umgerechnet 13,5 Milliarden Euro erreicht, mit jährlich 446.000 ausgelieferten Einheiten. Goldman Sachs schätzt das Potenzial bis 2035 sogar auf 34 Milliarden Euro. Einige Prognosen gehen noch weiter: Bis 2050 könnte die weltweite Population humanoider Roboter eine Milliarde Einheiten erreichen.
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Unitree-CEO Wang Xingxing spricht von einem bevorstehenden „ChatGPT-Moment" für die Robotik – dem Zeitpunkt, an dem Roboter 80 Prozent der Aufgaben in unbekannten Umgebungen allein per Sprach- oder Texteingabe erledigen können. Das, so Wang, könne in zwei bis zehn Jahren der Fall sein.
Doch der Erfolg weckt auch Widerstand. In den USA soll der GUARD Act den Einsatz chinesischer Roboter einschränken – aus Sorge vor staatlichen Subventionen und Cybersicherheitslücken. Auslöser war ein Sicherheitsleck bei älteren Robot-Dog-Modellen, das Hersteller dazu zwang, bestimmte Cloud-Dienste abzuschalten. Trotz aller Bedenken: Rund 74 Prozent der Unitree-Verkäufe gehen derzeit an Universitäten und Forschungseinrichtungen – ein klares Zeichen für das internationale Vertrauen in die Technologie.
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