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Chinesische GPU LX 7G100: Erste WHQL-zertifizierte Gaming-Grafikkarte aus China

25.05.2026 - 02:04:09 | boerse-global.de

Chinas erste WHQL-zertifizierte Gaming-GPU von Lisuan ist ausverkauft. Die Leistung bleibt jedoch hinter westlichen Modellen zurück.

Chinesische GPU LX 7G100: Erste WHQL-zertifizierte Gaming-Grafikkarte aus China - Foto: über boerse-global.de
Chinesische GPU LX 7G100: Erste WHQL-zertifizierte Gaming-Grafikkarte aus China - Foto: über boerse-global.de

Der chinesische Hersteller Lisuan Technology hat mit der LX 7G100 die erste Gaming-GPU mit Microsoft-WHQL-Zertifizierung auf den Markt gebracht. Die „Extreme Founders Edition" war nach nur wenigen Tagen ausverkauft – ein symbolträchtiger Erfolg für die heimische Chip-Industrie. Doch wie schlägt sich das 6-nm-Modell im Vergleich zu NVIDIA, AMD und Intel?

Technische Basis: Die „TrueGPU"-Architektur

Die LX 7G100 basiert auf Lisuans proprietärer „TrueGPU"-Architektur, die vor allem eines verspricht: breite Software-Kompatibilität. Genau hier scheiterten frühere chinesische GPUs regelmäßig. Mit 12 GB GDDR6-Speicher, einem 192-Bit-Interface und PCIe 4.0 x16 bewegt sich das Modell technisch auf dem Niveau aktueller Mainstream-Hardware.

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Die Leistungsaufnahme liegt bei 225 Watt (TDP) – ein einzelner 8-Pin- oder 12-Pin-Stromanschluss reicht aus. Anschlussseitig bietet die Karte vier DisplayPort-1.4a-Ausgänge, die 8K-Auflösung bei 60 Hz mit HDR und FreeSync unterstützen.

Der entscheidende Fortschritt: Die LX 7G100 unterstützt DirectX 12, Vulkan 1.3, OpenGL 4.6 und OpenCL 3.0 – und das out of the box. Die WHQL-Zertifizierung garantiert stabile Treiber im Windows-Ökosystem, ein Novum für einen nicht-westlichen GPU-Hersteller.

Synthetische Tests vs. echte Spieleleistung

In 3DMark-Benchmarks erreicht die LX 7G100 Werte auf dem Niveau einer NVIDIA GeForce RTX 3060 – einem fünf Jahre alten Modell. Das klingt nach einer soliden Mittelklasse-Option. Doch die Realität in aktuellen Spielen sieht anders aus:

Titel LX 7G100 (1080p) Vergleichswert
Cyberpunk 2077 (FSR 3 Quality, Frame Gen) 88 FPS RTX 4060: 232 FPS
Black Myth: Wukong 56 FPS RTX 4060: über 110 FPS
Forza Horizon 5 (niedrige Details) 48 FPS

Besonders auffällig: Während Elden Ring und Resident Evil 4 ohne Abstürze laufen – ein Fortschritt gegenüber früheren chinesischen GPUs wie der Moore Threads MTT S80 – bleibt die Treiberoptimierung das große Manko. Die Lücke zu etablierten Anbietern ist noch gewaltig.

Preis und Marktpositionierung: Ein schwieriger Spagat

Die Founders Edition kostet umgerechnet rund 480 bis 500 Euro – und liegt damit auf dem Niveau der NVIDIA GeForce RTX 5060 Ti 16GB (ab etwa 489 Euro). Der Vorverkaufspreis von 2.969 RMB (etwa 430 Euro) lockte zwar Käufer an, doch Analysten bezweifeln das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zum Vergleich: Die Intel Arc B580 oder ältere Radeon-Modelle wie die RX 6600 XT bieten mehr Leistung und bessere Features – inklusive Hardware-Raytracing – zu niedrigeren Preisen.

Die Beschränkung auf 1.000 Einheiten in der ersten Charge gilt als strategischer Schachzug. Lisuan testet den Markt, ohne sich zu übernehmen. Hinzu kommen gestiegene Kosten für GDDR6-Speicher: Die hohe Nachfrage nach KI-optimierten Servern trieb die Materialkosten um 25 bis 40 Euro pro Karte in die Höhe.

Der größere Kontext: Chinas Weg zur Chip-Autarkie

Die LX 7G100 ist kein Einzelfall. Chinas heimischer GPU-Marktanteil liegt Anfang 2026 bei über 60 Prozent – ein sprunghafter Anstieg, getrieben durch staatliche Beschaffungsvorgaben für Staatsunternehmen und Forschungseinrichtungen.

Während Huaweis Ascend-Serie mit 44 Prozent Marktanteil die KI-Beschleuniger-Sparte dominiert, kämpfen Firmen wie Lisuan und Moore Threads um Nischen im Gaming- und Prosumer-Segment. Der erfolgreiche Verkauf der ersten Charge zeigt: Es gibt einen „Early Adopter"-Markt in China, der bereit ist, heimische Hardware zu unterstützen.

Die internationale Halbleiterlandschaft spaltet sich zunehmend. Während NVIDIA auf Blackwell- und Rubin-Architekturen setzt, konzentrieren sich chinesische Firmen auf „originale Innovation", um Sanktionen zu umgehen. Unternehmen wie Iluvatar CoreX und Sunrise planen laut Roadmaps für 2027/2028 die Parität mit internationalen High-End-Chips.

Ausblick: Nische oder Durchbruch?

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Die LX 7G100 bleibt vorerst ein Nischenprodukt für den heimischen Innovationsmarkt („Xinchuang"). Die Treibersoftware ist noch rudimentär – Overclocking-Features und Kompatibilität mit Tools wie MSI Afterburner fehlen. Lisuan verspricht regelmäßige Updates, um die Framestabilität in neuen Titeln wie Assassin's Creed: Shadows zu verbessern.

Der eigentliche Test kommt mit der zweiten Generation, die für Ende 2026 oder 2027 erwartet wird. Dann muss Lisuan das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich verbessern, um auch außerhalb Chinas konkurrieren zu können.

Fürs Erste ist der Ausverkauf der LX 7G100 ein Proof of Concept: China kann komplexe, moderne Grafikkarten herstellen, zertifizieren und in einem standardisierten Ökosystem vermarkten – auch wenn die Spitzenleistung noch ein bis zwei Generationen hinter den globalen Marktführern liegt.

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