China, Kadoorie

China Kadoorie Biobank: Teetrinker haben 11,2 Prozent weniger Gefäßrisiko

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitbeobachtung verknüpft regelmäßigen Teekonsum mit weniger Gefäßerkrankungen, belegt jedoch keinen ursächlichen Zusammenhang.
Lose Teeblätter auf einem rustikalen Holztisch neben einer leeren Keramikschale in sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Regelmäßiger Teegenuss wird seit Langem mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht. Eine groß angelegte Untersuchung im Rahmen der China Kadoorie Biobank, die am 21. Oktober 2026 im Fachblatt Journal of Internal Medicine (DOI: 10.1111/joim.70172) erschien, liefert nun detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen Teekonsum und Gefäßgesundheit.

Die Auswertung begleitete 485.934 vorerkrankungsfreie Erwachsene in China im Alter zwischen 30 und 79 Jahren über einen Median von 9,05 Jahren. In diesem Zeitraum traten 14.863 neue Fälle von Herz-Kreislauf-, Hirngefäß-, Lungenherz- sowie peripheren Arterienerkrankungen auf.

Geringeres Risiko für Herz- und Gefäßleiden

Rund 30,5 Prozent der Teilnehmenden wurden zu Beginn der Erhebung als gewohnheitsmäßige Teetrinker eingestuft, die das Heißgetränk an mindestens drei Tagen pro Woche konsumierten. Bei diesen Personen zeigte sich im Vergleich zu Nicht-Teetrinkern ein um 11 Prozent beziehungsweise 11,2 Prozent geringeres Risiko für Gefäßerkrankungen.

Differenziert nach einzelnen Krankheitsbildern fiel der Zusammenhang unterschiedlich stark aus:
* Das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall lag um etwa 36 Prozent (beziehungsweise 36,6 Prozent) niedriger.
* Bei akuten Herzinfarkten betrug der Rückgang 17 Prozent.
* Atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten um 13 Prozent seltener auf.
* Für andere zerebrovaskuläre Erkrankungen ergab sich eine Minderung um 19,1 Prozent beziehungsweise 52 Prozent.

Diese Ergebnisse reihen sich in frühere epidemiologische Erhebungen ein. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 hatte bereits ein um 20 Prozent reduziertes Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle bei regelmäßigem Konsum festgestellt. Eine weitere Analyse aus dem Jahr 2024 mit fast zwei Millionen Menschen ermittelte für Schwarztee-Trinker ein um 14 Prozent geringeres Risiko eines kardiovaskulär bedingten Todes.

Zubereitung, Stärke und Temperatur

Die Daten der China Kadoorie Biobank deuten auf eine nichtlineare Dosis-Risiko-Beziehung hin. Das niedrigste geschätzte Risiko ermittelten die Forschenden bei Personen, die mindestens einmal wöchentlich Tee tranken und dabei etwa sechs bis acht Tassen täglich konsumierten, während der Durchschnitt bei zwei bis drei Tassen lag. Eine allgemeine Tagesdosis sprachen die Autoren daraus jedoch nicht ab.

Ausschlaggebend erschienen zudem Sorte und Zubereitung. Schwarzer Tee wies eine konsistentere inverse Assoziation auf als grüner Tee. Als potenziell wirksame Inhaltsstoffe werden Theaflavine diskutiert, denen entzündungshemmende und lipidregulierende Eigenschaften zugeschrieben werden.

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Hinsichtlich der Stärke war mittelstarker Aufguss mit dem geringsten Risiko verbunden, während sehr starker Tee ungünstig abschnitt – Fachleute führen dies auf eine mögliche Gegenwirkung von zu viel Koffein auf schützende Polyphenole zurück.

Zudem zeigte die Temperaturmessung per Selbstauskunft deutliche Risikounterschiede: Das Trinken von als brennend heiß empfundenem Tee war statistisch mit einem um 16 Prozent höheren Risiko für Gefäßerkrankungen assoziiert, auch wenn keine konkreten Gradzahlen erfasst wurden.

Grundsätzlich stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Heißgetränke über 65 Grad Celsius wegen eines erhöhten Risikos für Speiseröhrenkrebs als bedenklich ein.

Zusammenspiel mit Lebensstil und methodische Grenzen

Am stärksten fiel die Risikominderung aus, wenn regelmäßiger Konsum mit anderen gesundheitsfördernden Faktoren zusammenkam. Die Kombination aus Teetrinken, Nichtrauchen und hoher körperlicher Aktivität ging mit einem um 45,2 Prozent geringeren Gefäßrisiko gegenüber Nicht-Teetrinkern einher. Zudem profitierten Personen mit Adipositas sowie Menschen mit genetischer Vorbelastung besonders stark.

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Bei der Interpretation der Daten ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, die keinen ursächlichen Nachweis erbringt.

Dell Stanford von der British Heart Foundation betonte in diesem Kontext, dass die beobachteten Unterschiede auch auf Begleitfaktoren der Ernährung und der Lebensweise beruhen könnten. Zudem wurde das Trinkverhalten per Fragebogen nur zu Studienbeginn erhoben, und die konkrete Tassengröße war nicht standardisiert.

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