China, Ethikprüfungen

China: Ethikprüfungen für KI ab sofort verpflichtend

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 20:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

China verlangt Ethikprüfungen vor dem KI-Training und führt neue Vorgaben für Risikokontrolle, Überwachung sowie autonome Systeme ein.

China verschärft KI-Regeln mit Ethikprüfungen und Standards
Ein modernes Serverzentrum mit schwarzen Serverschränken und dezenter blauer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat einen umfassenden Regulierungsrahmen für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) in Kraft gesetzt.

Mit Wirkung zum 27. August 2026 wurden verpflichtende Ethikprüfungen eingeführt, die bereits vor der Entwicklungsphase neuer KI-Systeme abgeschlossen sein müssen. Diese Neuerung ist Teil eines umfangreichen Pakets von rund 200 technischen Standards, die das Ministerium nun formalisiert hat.

Strenge Prüffristen und Risikomanagement

Die neuen Vorschriften sehen vor, dass Unternehmen eine Ethikprüfung durchlaufen müssen, bevor sie mit dem Pre-Training von KI-Modellen beginnen. Ein Vertreter des MIIT teilte dazu mit, dass China bisher etwa 200 zentrale KI-Standards formuliert habe. Der Prozess ist dabei an strikte Zeitvorgaben gebunden: Eine Entscheidung über die Zulässigkeit eines Vorhabens muss innerhalb von 30 Tagen ergehen.

Nach der Erstzulassung sieht der Rahmen eine kontinuierliche Überwachung vor. Folgeprüfungen müssen in Abständen von spätestens zwölf Monaten durchgeführt werden. Bei Systemen, die als besonders risikoreich eingestuft werden, verkürzt sich dieser Überprüfungszeitraum auf maximal sechs Monate. Erste Pilotprojekte auf Stadtebene werden bereits in mehreren chinesischen Metropolen umgesetzt, um die Praxistauglichkeit der Verfahren zu testen.

Ein besonderer Fokus der staatlichen Marktaufsichtsbehörde liegt auf der Sicherheit großer Sprachmodelle. Die veröffentlichten Richtlinien schreiben ein aktives Risikomonitoring für sogenannte Halluzinationen vor und decken den gesamten Lebenszyklus der Technologie ab – von der Entwicklung über den Dienst bis hin zur Nutzung.

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Zusammenarbeit von Industrie und Wissenschaft

An der Ausarbeitung der ethischen und sicherheitstechnischen Leitplanken waren führende Technologieunternehmen und akademische Einrichtungen beteiligt.

Zu den Verfassern des bereits im Frühjahr vorgelegten „Leitfaden 1.0 zur Ethik und Sicherheit von KI-Anwendungen“ zählen neben der Alibaba Group und Huawei Technologies auch die Beijing DeepSeek AI Foundation Technology Research. Von wissenschaftlicher Seite brachten sich unter anderem die Tsinghua-Universität sowie die Shanghai Jiao Tong Universität ein.

Die gemeinsame Initiative der Staatlichen Marktaufsichtsbehörde und der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission konzentriert sich insbesondere auf die Lösung technischer Schwachstellen.

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Im Mittelpunkt stehen dabei die mangelnde Erklärbarkeit von Entscheidungen sowie die Problematik von Algorithmen-Blackboxen. Ein neuer Leitfaden zum Aufbau von KI-Messsystemen soll zudem die Schaffung nationaler Forschungs- und Anwendungszentren unterstützen.

Standardisierung der Interkonnektivität

Parallel zu den ethischen Rahmenbedingungen wurden sieben nationale Standards unter dem Titel „Künstliche Intelligenz – Interkonnektivität intelligenter Agenten“ veröffentlicht. Diese definieren die Gesamtarchitektur, Identitätscodes und das Identitätsmanagement für autonome Systeme. Ziel ist die Etablierung eines einheitlichen Mechanismus zur Identitätsauthentifizierung und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Systeminteraktionen.

Das MIIT hat zudem einen Prozess für öffentliches Feedback zu weiteren 121 Industriestandards eingeleitet, zu denen auch ein Protokoll für den Kontext von KI-Modellen gehört. Diese Maßnahmen sind in einen größeren strategischen Plan für den Zeitraum 2026 bis 2030 eingebettet. Dieser sieht neben der technologischen Regulierung auch den Aufbau von 500 Null-Kohlenstoff-Fabriken und eine Beschleunigung der 6G-Entwicklung vor.

Die notwendige Infrastruktur für diese Ziele wurde in den vergangenen Monaten massiv ausgebaut. Ende Juni belief sich die gesamte Rechenkapazität Chinas auf 2.185 EFLOPS, verteilt auf über 70 spezialisierte Computing-Korridore. Durch die Kombination aus technischer Aufrüstung und strenger Standardisierung strebt die Volksrepublik eine kontrollierte, aber technologisch führende Rolle im globalen KI-Sektor an.

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