Chemotherapie, Psilocybin

Chemotherapie: Psilocybin schützt Nerven über acht Monate

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie des MD Anderson Cancer Center zeigt bei Mäusen einen Schutz vor Chemotherapie-Nervenschäden; eine Phase-II-Prüfung ist für November 2026 geplant.

Psilocybin schützt im Mausmodell vor Chemotherapie-Nervenschäden
Nahaufnahme einer komplexen neuronalen Netzwerkstruktur in einem Laborumfeld zur Visualisierung der Nervenforschung. Illustration mit AI erstellt.

In der onkologischen Forschung deutet sich ein bedeutender Fortschritt bei der Behandlung von Nebenwirkungen der Chemotherapie an. Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Untersuchung des MD Anderson Cancer Center belegt, dass der Wirkstoff Psilocybin das Potenzial besitzt, Nervenschäden zu verhindern, die häufig infolge einer Krebsbehandlung auftreten. Diese als Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) bekannte Komplikation betrifft schätzungsweise bis zu 60 Prozent aller Krebspatienten und schränkt deren Lebensqualität sowie den Erfolg der Therapie oft massiv ein.

Neuroprotektive Wirkung im Tiermodell nachgewiesen

Die Forscher des MD Anderson Cancer Center konnten in Versuchen mit Mäusen zeigen, dass Psilocybin eine schützende Wirkung auf das Nervensystem ausübt.

In der Studie wurde den Probanden eine Dosierung von 1 mg/kg des Wirkstoffs vor der Verabreichung von Chemotherapeutika wie Cisplatin, Paclitaxel oder Docetaxel verabreicht. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass bereits zwei Dosen Psilocybin ausreichten, um Nervenschäden über einen Zeitraum von bis zu acht Monaten und über insgesamt sechs Behandlungszyklen hinweg zu verhindern.

Dies gilt als der erste wissenschaftliche Nachweis von Psilocybin als Neuroprotektivum. Die Analyse der biologischen Mechanismen ergab, dass dieser Schutzeffekt über den Serotoninrezeptor 5-HT2A vermittelt wird.

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Ein wesentlicher Faktor ist dabei der Erhalt des mitochondrialen Transports innerhalb der Nervenzellen, der durch die Chemotherapie üblicherweise gestört wird und so zu den typischen Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Missempfindungen führt.

Klinische Erprobung und Ausblick auf die Humanmedizin

Auf Basis dieser Ergebnisse wird die Forschung nun in den klinischen Bereich ausgeweitet. Für November 2026 ist der Start einer klinischen Phase-II-Studie mit dem Namen NeuroGuard (NCT07227909) am MD Anderson Cancer Center geplant.

An dieser Untersuchung sollen 80 Patienten teilnehmen, die an Brust-, Darm-, Kopf-Hals- oder kolorektalem Krebs erkrankt sind. Ziel der Studie ist es, die im Labor beobachteten präventiven Effekte am Menschen zu validieren. Mit ersten Ergebnissen dieser klinischen Prüfung wird Anfang 2029 gerechnet.

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Ein Experte des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg bewertete die vorliegenden Studienergebnisse als einen erheblichen Gewinn für die Onkologie. Sollten sich die Erkenntnisse in der Humanmedizin bestätigen, könnte dies die therapeutischen Möglichkeiten grundlegend erweitern, da CIPN bislang oft ein Grund für Dosisreduktionen oder den Abbruch lebensnotwendiger Behandlungen ist.

Bedeutung für die Patientenversorgung

Die Prävention von peripherer Neuropathie stellt eine der größten Herausforderungen in der begleitenden Krebstherapie dar. Da Psilocybin hier nicht zur Behandlung bestehender Schäden, sondern präventiv zur Aufrechterhaltung der Zellfunktion eingesetzt wird, eröffnet dies einen neuen Ansatzweg.

Die Forschung konzentriert sich dabei spezifisch auf die neuroprotektiven Eigenschaften, die unabhängig von den bekannten psychoaktiven Effekten der Substanz zur Stabilisierung des mitochondrialen Apparats beitragen. Mit der geplanten Auswertung der Patientendaten im Jahr 2029 wird sich zeigen, ob dieser pharmakologische Ansatz Einzug in den klinischen Alltag halten kann.

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