Chemotherapie-Nebenwirkungen, Pflanzenstoffe

Chemotherapie-Nebenwirkungen: Pflanzenstoffe schützen Organe vor Giftstoffen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien mit Protocatechusäure und Bellidifolin zeigen bei Tieren Schutzwirkungen gegen Cisplatin- und Doxorubicin-bedingte Organschäden.

Pflanzenstoffe schützen Organe vor Chemotherapie-Schäden
Nahaufnahme eines grünen Heilpflanzenblattes auf einem Laboruntergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die pharmakologische Forschung untersucht verstärkt das Potenzial natürlicher Verbindungen, um die teils schweren Nebenwirkungen konventioneller Chemotherapien zu begrenzen. Mehrere aktuelle Studien, die im September 2026 veröffentlicht wurden, liefern neue Belege dafür, wie spezifische pflanzliche Substanzen Organe vor den toxischen Effekten von Wirkstoffen wie Cisplatin oder Doxorubicin schützen könnten.

Protocatechusäure als Schutzfaktor gegen Cisplatin-induzierte Schäden

In einer im September 2026 in der Fachzeitschrift BMC Complementary Medicine and Therapies veröffentlichten Studie wurde die Wirkung von Protocatechusäure (PCA) auf Hodenschädigungen untersucht, die durch das Chemotherapeutikum Cisplatin hervorgerufen werden.

Im Rahmen der Untersuchung an 30 männlichen Ratten, die in fünf Gruppen unterteilt waren, erhielten die Tiere am zweiten Tag eine Cisplatin-Dosis von 7,5 mg/kg i.p. sowie täglich über sieben Tage hinweg orale Gaben von PCA in Konzentrationen von wahlweise 50 oder 100 mg/kg.

Die Ergebnisse zeigten, dass PCA den oxidativen Stress signifikant verbesserte. Dabei wurden Parameter wie Malondialdehyd, Myeloperoxidase und der Gesamt-Oxidant-Status gesenkt.

Zudem beobachteten die Forscher eine Reduktion von Entzündungsmarkern wie NF-?B/IL-6 sowie von ER-Stress-Markern und Apoptose. Gleichzeitig hob die Behandlung die Unterdrückung von SIRT1 und Nrf2 auf, was zu einer Verbesserung des Johnsen-Scores und des Inhibin-B-Spiegels führte.

In der Kontrollgruppe, die ausschließlich PCA in einer Dosierung von 100 mg/kg erhielt, traten keine Schäden auf. Es handelt sich hierbei um den ersten Nachweis dieses spezifischen Effekts; klinische Studien an Menschen liegen für diesen Wirkmechanismus noch nicht vor.

Bellidifolin zur Linderung von Hepatotoxizität

Ein weiterer Forschungsansatz befasst sich mit Bellidifolin, einem Xanthon aus der Pflanze Gentianella acuta. Laut einem Bericht vom 22. September 2026 in der Fachzeitschrift The Science of Nature konnte in einer präklinischen Studie an Mäusen nachgewiesen werden, dass Bellidifolin die durch Doxorubicin verursachte Lebertoxizität lindert.

Mithilfe von Netzwerkpharmakologie und molekularem Docking stellten die Wissenschaftler eine starke Bindung von Bellidifolin an Galectin-3 und NLRP3 fest. Der Wirkmechanismus basiere auf der Hemmung einer durch diese Proteine vermittelten Pyroptose.

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In den Tierversuchen senkte die Substanz die Leberwerte ALT und AST, reduzierte Kollagenablagerungen und verbesserte die allgemeine Leberarchitektur. Offene Fragen bestehen jedoch weiterhin bezüglich der optimalen Dosierung, der Pharmakokinetik und möglicher Wechselwirkungen mit Doxorubicin bei einer kombinierten Anwendung.

Mechanismen der Kardiotoxizität und klinische Entwicklungen

Ergänzend zu den pflanzlichen Wirkstoffen lieferten Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg wichtige Erkenntnisse zur Kardiotoxizität von Doxorubicin.

Wie aus einem Bericht vom 21. September 2026 hervorgeht, identifizierten sie die Fehlregulation des Proteins MEF2 durch die Topoisomerase II? als Ursache für Herzschäden, die bei rund einem Viertel der Patienten auftreten. In Versuchen mit dem Wirkstoff SAHA konnte diese Fehlregulation unterdrückt und Herzschäden bei Mäusen verringert werden.

Parallel zu dieser Grundlagenforschung gibt es Fortschritte in der klinischen Zulassung von Begleit- und Erhaltungstherapien für das Ovarialkarzinom. Der EMA-Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) empfahl im September 2026 die Zulassung von Relacorilant und Senaparib.

Relacorilant, entwickelt von Corcept Therapeutics, fungiert als selektiver Glucocorticoidrezeptor-Antagonist und wird in Kombination mit Nab-Paclitaxel eingesetzt. Senaparib von SFL Pharmaceuticals dient als PARP-1/2-Hemmer zur Monotherapie-Erhaltung nach einer platinbasierten Erstlinien-Chemotherapie.

Erweiterung des pflanzlichen Wirkstoffspektrums

Die Forschung im Bereich der Phytotherapie umfasst zudem weitere Substanzen, die in den vergangenen Monaten untersucht wurden:

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  • Schisandrin C: Laut einer Studie vom September 2026 hemmt dieser Wirkstoff aus dem chinesischen Spaltkörbchen die Vermehrung von Darmkrebszellen durch die Förderung der Ferroptose.
  • Hederagenin: Eine Untersuchung aus dem August 2026 deutet darauf hin, dass dieses Triterpenoid die Nierenalterung und Fibrose reduzieren kann, indem es das Klotho-Gen reaktiviert.
  • Pfefferextrakt: Piper nigrum zeigte im August 2026 in Zellversuchen eine signifikante Reduktion der Proliferation bei akuter myeloischer Leukämie.
  • Bittermelone: Eine Analyse vom Juli 2026 identifizierte 35 krebshemmende Verbindungen, wobei Kaempferol als besonders vielversprechend für weitere Validierungen eingestuft wurde.

Zudem belegen Daten aus dem Juli 2026, dass das von Makrophagen gebildete Itaconat das Wachstum von Lungenkrebs hemmen kann, indem es den Pentosephosphatweg über die G6PD-Hemmung bremst. Diese gesammelten Erkenntnisse unterstreichen den Trend zu einer integrativen Erforschung natürlicher und synthetischer Schutzfaktoren in der Onkologie.

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