Chemobrain, Krebstherapie

Chemobrain nach Krebstherapie: Drei neue Studien untersuchen Ursachen und Hilfe

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 13:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Forschungsteam in Caen bereitet drei Studien vor; digitale Übungen und neuropsychologische Begleitung sollen Betroffene unterstützen.
Ein heller, minimalistischer Forschungsraum mit einem Schreibtisch, einer Glaskaraffe und einer kleinen Pflanze. Illustration mit AI erstellt.

Kognitive Beeinträchtigungen infolge onkologischer Behandlungen gewinnen in der medizinischen Forschung und der klinischen Nachsorge zunehmend an Bedeutung. Am Centre François-Baclesse im französischen Caen widmet sich ein Team um Professorin Florence Joly seit mehr als 15 Jahren der Erforschung dieses Phänomens.

Joly leitet zudem die nationale Plattform Cancer et Cognitions. Wie aus Fachberichten hervorgeht, bereitet die Forschungseinrichtung derzeit drei neue wissenschaftliche Studien vor, um die genauen Mechanismen und Interventionsmöglichkeiten bei therapiebedingten kognitiven Einschränkungen weiter zu analysieren.

Digitale Hilfen gegen Konzentrations- und Gedächtnisprobleme

Zu den typischen Symptomen, über die Betroffene während oder nach einer Krebstherapie berichten, zählen ausgeprägte Konzentrationsschwierigkeiten, ein spürbarer Rückgang der Gedächtnisleistung sowie Schlafstörungen. Um diesen Belastungen im Alltag gezielt zu begegnen, entwickelte das Team am Centre François-Baclesse gemeinsam mit der Neuropsychologin Marie Lange das digitale Programm CogBOOST.

Die Anwendung zielt darauf ab, Patientinnen und Patienten eine personalisierte Begleitung anzubieten und die kognitiven Nebenwirkungen der medizinischen Eingriffe zu reduzieren. Durch strukturierte Übungen und gezieltes kognitives Training soll das System dabei helfen, Defizite abzufedern und die geistige Leistungsfähigkeit systematisch zu stärken.

Ursachenkomplex über die Chemotherapie hinaus

Das Phänomen der kognitiven Beeinträchtigung im Krebskontext – in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit oft als Chemobrain oder im spanischen Sprachraum als „cerebro postquimio“ bezeichnet – umfasst Veränderungen von Aufmerksamkeit, Denken und Erinnerungsvermögen.

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Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass diese Störungen vor, während oder auch noch lange nach einer onkologischen Therapie auftreten können. Betroffene haben häufig Schwierigkeiten, Termine im Gedächtnis zu behalten, neue Informationen aufzunehmen oder komplexe Entscheidungen zu treffen.

Einschätzungen des Berufsverbands Colegio Colombiano de Psicólogos (Colpsic), der sich anlässlich des Internationalen Tags gegen Brustkrebs zu der Thematik äußerte, verdeutlichen, dass die Auslöser keineswegs allein auf zytostatische Substanzen beschränkt sind.

Neben der Chemotherapie wirken oft weitere Faktoren zusammen: Chronischer Schmerz, ausgeprägte Fatigue, bestehende Schlafprobleme, Ängste und Depressionen beeinflussen die Hirnleistung erheblich. Zudem werden neurobiologische Prozesse wie Entzündungsreaktionen des Nervensystems und Störungen in der Signalübertragung zwischen Hirnzellen als biologische Treiber dieser Einschränkungen diskutiert.

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Empfehlungen für Nachsorge und Alltagsorganisation

Experten fordern eine stärkere systematische Anerkennung der kognitiven und emotionalen Folgeerscheinungen von Krebsbehandlungen. Tatiana Manrique Zuluaga vom kolumbianischen Psychologenverband hob hervor, dass eine umfassende Krebsbehandlung die kognitive und emotionale Gesundheit während sowie nach der eigentlichen Therapiefase zwingend einschließen müsse.

Eine kontinuierliche Unterstützung sei sowohl während der medizinischen Behandlungsphase als auch bei der anschließenden Rückkehr in das Berufs- und Alltagsleben erforderlich.

Als wirksame Säulen der Intervention empfehlen Fachleute eine Kombination aus fundierter neuropsychologischer Diagnostik und begleitender Psychoonkologie. Darüber hinaus spielen verhaltenstherapeutische und organisatorische Hilfsmittel im Alltag eine zentrale Rolle.

So rät Colpsic Betroffenen unter anderem dazu, Gedächtnishilfen wie strukturierte Kalender konsequent einzusetzen, komplexe Anforderungen in bewältigbare Teilschritte zu zerlegen und kognitiv anspruchsvolle Aufgaben gezielt in jene Tageszeiten zu legen, in denen das persönliche Energieniveau am höchsten ist.

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