ChatGPT verliert Vorherrschaft: Marktanteil fällt unter 50 Prozent
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
OpenAIs Vorherrschaft im Bereich generativer KI bröckelt. Erstmals fiel der Marktanteil von ChatGPT unter die 50-Prozent-Marke.
Der Wandel vollzog sich im März 2026 – und er ist dramatisch. Während ChatGPT lange Zeit als Synonym für KI-Assistenten galt, hat sich die Branche in eine Multi-Plattform-Landschaft verwandelt. Google Gemini, Anthropics Claude und eine Welle leistungsstarker Open-Weight-Modelle aus China drängen in den Markt.
Der Aufstieg von Gemini und Claude
In den USA nutzen zwar noch 58 Prozent der Anwender ChatGPT als primären Assistenten – doch die Konkurrenz holt massiv auf. Google Gemini erreicht bereits 25 Prozent der US-Nutzer. Der Grund: die tiefe Integration in das Google-Ökosystem mit Android, Workspace und Chrome. Hinzu kommt ein globaler Deal: Alphabet wird künftig das Standard-KI-Modell für Apple-Geräte stellen – mit Ausnahme des chinesischen Marktes.
Noch schneller wächst Anthropics Claude. Die Nutzerzahl explodierte binnen Jahresfrist um 452 Prozent. In den USA verdreifachte Claude seinen Marktanteil auf rund 14 Prozent. Besonders technische Anwender und Unternehmen setzen auf Claude für Programmieraufgaben und die Analyse langer Dokumente. Im März überholte Claude ChatGPT sogar kurzzeitig bei den täglichen Downloads – ein klares Signal für den Wandel hin zu spezialisierten KI-Tools.
Partnerschaft mit dem Pentagon kostet Nutzer
Ein strategischer Schritt von OpenAI sorgte für Unruhe: Die Ankündigung einer Partnerschaft mit dem US-Kriegsministerium ließ die Deinstallationen der ChatGPT-App um 200 Prozent in die Höhe schnellen. Marktbeobachter berichten, dass ein Teil dieser Nutzer zu Claude wechselte – Anthropic hatte einen ähnlichen Deal mit dem Pentagon offenbar abgelehnt.
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Trotz der Abwanderung bleibt die Nutzungsintensität hoch: Verbliebene Anwender verbringen durchschnittlich 215 Minuten pro Monat auf der Plattform. OpenAI reagierte mit der Einführung der GPT-5.6-Modellfamilie, bestehend aus dem Flaggschiff Sol, dem ausgewogenen Terra und dem kosteneffizienten Luna. Mit „ChatGPT Work" launchte das Unternehmen zudem eine No-Code-Umgebung, die es Nutzern erlaubt, komplexe Projekte zu automatisieren und verschiedene Tools per natürlicher Sprache zu steuern.
Milliardenbewertungen unter Druck
Der Wettbewerb zeigt auch finanzielle Wirkung. OpenAI bewertet der Sekundärmarkt mit rund 933 Milliarden Euro – ein Plus von 20 Prozent in den letzten Monaten. Doch Anthropic liegt mit etwa 1,2 Billionen Euro vorn. Die Investorennachfrage favorisiert Anthropic im Verhältnis fünf zu zwei.
Internationaler Druck kommt aus China. Am 17. Juli 2026 launchte Moonshot AI Kimi K3 – ein Open-Weight-Modell mit 2,8 Billionen Parametern. Benchmarks zufolge erreicht Kimi K3 die Leistung der Top-Proprietärmodelle wie GPT-5.6 Sol und Claude Fable 5 bei Programmier- und Agentenaufgaben. Die Folge: Die Preise für proprietäre KI-Dienste geraten unter Druck. Die kombinierten Bewertungen führender US-KI-Labore sanken um umgerechnet rund 290 Milliarden Euro.
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Infrastruktur-Wettrüsten und Effizienzsprünge
Die großen Player investieren massiv in eigene Hardware. Google entwickelt den KI-Chip „Frozen v2", der 2028 in den Einsatz gehen soll und Gemini-Modelle bis zu zehnmal effizienter betreiben könnte. Zudem zahlt Google Berichten zufolge rund 920 Millionen Euro pro Monat an SpaceX für Rechenleistung.
Unternehmen setzen zunehmend auf Multi-Lab-Strategien. Während OpenAI und Anthropic ihre Werbeausgaben um über 800 Prozent steigerten, testen viele Entwickler Open-Source-Alternativen, um Kosten zu senken. Fast 80 Prozent der Entwickler nutzen inzwischen offene Modelle für zumindest einen Teil ihrer Arbeitsabläufe.
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