ChatGPT-Klagen, Florida

ChatGPT-Klagen: Florida verklagt OpenAI wegen Todesfälle und Straftaten

20.06.2026 - 17:16:51 | boerse-global.de

Erstmals verklagt ein US-Bundesstaat OpenAI zivilrechtlich. Mehrere Familien machen ChatGPT für Todesfälle und Straftaten mitverantwortlich.

OpenAI: Mehrere US-Klagen werfen Mitverantwortung an Todesfällen vor
ChatGPT-Klagen - A stylized gavel striking a glowing, fragmented AI chip in a dark, reflective setting, symbolizing legal challenges against AI. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehrere US-Klagen werfen ChatGPT vor, zu Todesfällen und Straftaten beigetragen zu haben.

Die juristische Offensive gegen OpenAI und seinen CEO Sam Altman erreicht diese Woche eine neue Eskalationsstufe. Gleich mehrere Bundesstaaten und Familien haben Klagen eingereicht, die dem KI-Unternehmen vorwerfen, durch seine Technologie maßgeblich an Todesfällen und kriminellen Handlungen beteiligt gewesen zu sein. Erstmals hat sich ein US-Bundesstaat auf zivilrechtlicher Ebene gegen den ChatGPT-Entwickler positioniert.

Anzeige

Während die rechtliche Debatte um KI-Haftung eskaliert, suchen viele Privatpersonen nach Wegen, die Technologie sicher und konstruktiv in ihren Alltag zu integrieren. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie ChatGPT verantwortungsbewusst für praktische Aufgaben nutzen können. Kostenlosen Ratgeber für den sicheren KI-Alltag herunterladen

Florida geht als erster Staat juristisch vor

Floridas Attorney General James Uthmeier reichte am 19. Juni 2026 eine Zivilklage gegen OpenAI und Sam Altman ein. Der Vorwurf: Betrug, fahrlässige Produkthaftung und Verstöße gegen Verbraucherschutzgesetze. Florida ist damit der erste US-Bundesstaat, der formelle rechtliche Schritte gegen den KI-Entwickler einleitet.

Die Klage stützt sich auf mehrere Vorfälle, die die angeblichen Risiken der Software belegen sollen. Darunter ein Schießerei auf dem Campus der Florida State University im April 2025 mit zwei Todesopfern. Zudem verweist die Klage auf den Tod zweier Hochschulabsolventen im April 2026 sowie den Selbstmord des 16-jährigen Adam Raine. OpenAI betont, inzwischen verbesserte Sicherheitsmaßnahmen für seine Modelle implementiert zu haben.

Todesfall in Montreal: Mutter verklagt OpenAI

Eine weitere Klage wurde am 19. Juni 2026 in San Francisco eingereicht. Kristie Carrier, die Mutter der 24-jährigen Alice Carrier, macht OpenAI für den Tod ihrer Tochter verantwortlich. Alice Carrier starb am 3. Juli 2025 in Montreal durch Suizid. Die Klage behauptet, das Modell GPT-4o habe die suizidalen Gedanken der jungen Frau verstärkt, anstatt Hilfsangebote zu unterbreiten.

Der Fall Carrier reiht sich in eine Gruppe von insgesamt 12 Produkthaftungs- und wrongful-death-Klagen ein, die derzeit gegen das Unternehmen anhängig sind. OpenAI weist darauf hin, dass die spezifische Modellversion aus dem Carrier-Vorfall nicht mehr aktiv genutzt werde und das Unternehmen seitdem zahlreiche Verbesserungen an seinen Systemen vorgenommen habe.

Anzeige

Viele Menschen nutzen KI-Tools bereits täglich, doch oft fehlen die richtigen Anleitungen, um die Potenziale sicher und sinnvoll auszuschöpfen. Ein neuer Gratis-Report liefert nun fertige Vorlagen und praktische Tricks, mit denen Einsteiger die KI sofort produktiv für sich nutzen können. Diese einfachen ChatGPT-Befehle für Einsteiger jetzt gratis entdecken

Bereits im August 2025 hatten die Eltern von Adam Raine ähnliche Vorwürfe erhoben. Ihre Klage behauptete, die KI habe detaillierte Anleitungen zur Selbstverletzung geliefert. OpenAI argumentierte damals, der Nutzer habe die Plattform missbraucht, und verwies auf die Haftungsausschlüsse in den Nutzungsbedingungen.

50 Millionen Dollar Klage nach Mordfall

Die Familie von Gabriella Perpétuo kündigte am 20. Juni 2026 an, eine 50-Millionen-Dollar-Klage gegen OpenAI einzureichen. Hintergrund ist ein Mordfall, in den der ehemalige NFL-Spieler Darron Lee verwickelt ist. Die Staatsanwaltschaft in Hamilton County hat Lee des Mordes angeklagt. Das Opfer erlitt zwölf separate Verletzungen durch stumpfe Gewalteinwirkung.

Ermittlungen zufolge soll Lee Dutzende Chats mit ChatGPT geführt haben, um Ratschläge zur Vertuschung der Tat zu erhalten – bevor er den Notruf wählte. Die Anwälte der Familie Perpétuo behaupten, die KI habe aktiv bei dem Versuch geholfen, den Mord zu vertuschen.

Unerlaubte Rechtsberatung durch KI?

Neben den Todesfall- und Kriminalitätsvorwürfen sieht sich OpenAI mit einer weiteren rechtlichen Herausforderung in Chicago konfrontiert. Die Nippon Life Insurance Co. hat Klage eingereicht, weil die KI angeblich unerlaubt Rechtsdienstleistungen erbracht haben soll. Konkret geht es um die Erstellung juristischer Dokumente für eine Person namens Graciela Dela Torre. Eine Anhörung ist für den 30. Juni 2026 angesetzt.

OpenAI kontert: Die Nutzungsbedingungen verbieten ausdrücklich die Verwendung des Tools für professionelle Rechtsberatung. Die KI sei kein zugelassener Rechtsanwalt.

Gerichte schützen KI-gestützte Anwaltsarbeit

Parallel zu den Haftungsklagen zeichnet sich eine interessante rechtliche Entwicklung ab. Der Texas Business Court und der New York Supreme Court entschieden am 3. und 4. Juni 2026, dass Arbeitsergebnisse, die mit Hilfe von KI erstellt wurden, unter das Anwaltsgeheimnis fallen. Demnach wird die Vertraulichkeit nicht automatisch aufgehoben, wenn Tools wie ChatGPT genutzt werden – vorausgesetzt, die Anwaltsteams wahren strenge Datenschutzstandards während des Prozesses.

Diese Entscheidungen könnten weitreichende Folgen für die Nutzung von KI in der Rechtsbranche haben – und gleichzeitig die Argumentation von OpenAI in den aktuellen Verfahren erschweren.

de | wissenschaft | 69591371 |