ChatGPT-Gedächtnis: Dreaming V3 erstellt Profile ohne vollständigen Datenzugriff
18.06.2026 - 15:44:10 | boerse-global.de
Seit heute erstellt das System automatisch detaillierte Nutzerprofile aus den Gesprächsverläufen. Das Problem: Die Nutzer haben keinen vollständigen Einblick in die gespeicherten Daten.
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Automatische Profile durch „Dreaming V3“
Die aktualisierte Speicherfunktion basiert auf einem System namens Dreaming V3. Es erkennt Muster in den Interaktionen der Nutzer und baut daraus Persönlichkeitsprofile auf. Wer die KI auffordert, kann sich anzeigen lassen, welche persönlichen Details sie bereits abgeleitet hat – etwa geschätztes Einkommen, Alter oder Wohnort. Und das, obwohl diese Informationen nie explizit genannt wurden.
Die technische Leistungsfähigkeit hat sich dabei deutlich verbessert. Branchenkennzahlen zeigen: Die Faktentreue stieg von 41 auf 82 Prozent, die Langzeitgenauigkeit von neun auf 75 Prozent. Dennoch bleibt das System fehleranfällig. Es trifft weiterhin falsche Annahmen und hält an ihnen fest. OpenAI räumt ein, dass Nutzer keinen vollständigen Zugriff auf die Hintergrunddaten haben, die das Modell für seine Schlussfolgerungen verwendet.
Datenschutzrisiken und rechtliche Fallstricke
Der Wandel des KI-Gedächtnisses vom passiven Speicher zur dauerhaften Kontextschicht wirft erhebliche Sicherheitsfragen auf. Branchenexperten warnen vor mehreren Gefahren: der Ansammlung sensibler Daten und dem sogenannten Cross-Context-Leakage – dem ungewollten Datenfluss zwischen verschiedenen Gesprächen.
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Besonders brisant: Die MEXTRA-Angriffsmethode zum Auslesen von Erinnerungen und die Memory-Poisoning-Gefahr. Forscher identifizierten kürzlich über 50 Prompts von 31 verschiedenen Unternehmen als potenzielle Einfallstore für solche Manipulationen.
Die rechtliche Lage hat sich ebenfalls verschärft. Im Februar 2026 entschied ein Gericht im Fall United States v. Heppner, dass KI-Chats von Verbrauchern nicht unter das Zeugnisverweigerungsrecht fallen – weil die Nutzer durch die Datenschutzrichtlinien ihre Zustimmung gegeben haben. Zudem zeigt aktuelle Forschung: Während Modelle synthetische Testdaten fast hundertprozentig erkennen, identifizieren sie echten Datenverkehr nur in etwa 5,1 Prozent der Fälle. Das kann zu unerwarteten Verhaltensänderungen führen.
Neue Verwaltungstools für automatisierte Aufgaben
Parallel zum Gedächtnis-Update hat OpenAI heute eine eigene „Scheduled“-Seite gestartet. Sie bündelt die Verwaltung automatisierter Aufgaben an einem zentralen Ort in der Seitenleiste. Nutzer der Tarife Plus, Pro, Business und Enterprise können dort Aktionen pausieren, bearbeiten, fortsetzen oder löschen.
Das neue System ersetzt die bisherige Pulse-Funktion, die Anfang Juli abgeschaltet wird. Die aktualisierte Planungsfunktion erlaubt größere Zeitfenster – etwa „morgens“ oder „abends“ –, begrenzt automatisierte Aufgaben aber auf maximal einmal pro Stunde. OpenAI weist darauf hin, dass unbeaufsichtigte Aufgaben unter bestimmten Bedingungen automatisch pausieren können.
Unternehmenskontrollen und wissenschaftliche Anwendungen
Für Organisationen in den Bereichen Gesundheitswesen, Unternehmen und Bildung hat OpenAI spezielle Richtlinien zur Dateiaufbewahrung eingeführt. Workspace-Besitzer können nun direkt steuern, ob Bibliotheksdateien automatisch referenziert werden. Für Kunden aus dem Gesundheitssektor bleibt diese Einstellung standardmäßig deaktiviert. Compliance-Beauftragte können die Daten über eine API exportieren oder löschen.
Darüber hinaus deuten Leaks auf einen neuen Test hin: „ChatGPT for Science“. Dieses spezialisierte Angebot soll auf GPT-Rosalind basieren, einem Modell für die Lebenswissenschaften. Es nutzt eine eingeschränkte Zugriffsstruktur, um die Datenintegrität zu wahren. Der Schritt folgt auf den Start eines 150 Millionen Euro schweren Partner-Netzwerks Anfang des Monats. Ziel ist es, bis Ende 2026 rund 300.000 KI-Berater zu zertifizieren – in Zusammenarbeit mit Firmen wie Accenture, BCG und Bain.
