ChatGPT: EU stuft KI-Chatbot als große Plattform ein – 159 Millionen Nutzer
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 22:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat die regulatorischen Anforderungen für führende Technologieplattformen und Anbieter künstlicher Intelligenz (KI) massiv verschärft.
Mit der Einstufung von ChatGPT als sehr große Online-Suchmaschine (Very Large Online Search Engine, VLOSE) sowie von Reddit und Roblox als sehr große Online-Plattformen (Very Large Online Platforms, VLOP) unterliegen diese Dienste künftig den strengsten Auflagen des Digital Services Act (DSA).
Die Entscheidung der Kommission basiert auf den Nutzerzahlen der Dienste innerhalb der Europäischen Union. Gemäß den Richtlinien des DSA greift die Einstufung als VLOP oder VLOSE ab einer Schwelle von mindestens 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU.
Den offiziellen Daten zufolge übertrifft ChatGPT diese Marke mit 159,1 Millionen monatlichen Nutzern deutlich. Reddit wird mit 57,2 Millionen und die Spieleplattform Roblox mit 46,6 Millionen monatlichen Nutzern geführt. ChatGPT ist damit der erste KI-basierte Chatbot, der diesen weitreichenden EU-Regeln unterworfen wird.
Verschärfte Aufsicht und drohende Sanktionen
Mit der Neueinstufung wächst die Anzahl der als VLOP oder VLOSE klassifizierten Dienste auf insgesamt 28 an. Die betroffenen Unternehmen sind nun verpflichtet, innerhalb einer Frist von vier Monaten – bis Januar 2027 – zusätzliche DSA-Vorgaben umzusetzen. Diese beinhalten unter anderem systematische Risikobewertungen im Hinblick auf die Verbreitung illegaler Inhalte sowie umfassende Maßnahmen zum Schutz minderjähriger Nutzer.
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Die EU-Kommission erhält durch diesen Schritt weitreichende Untersuchungsbefugnisse. Dazu gehört insbesondere der Zugriff auf interne Daten und die zugrunde liegenden Algorithmen von ChatGPT. Digital-Kommissarin Henna Virkkunen betonte in diesem Zusammenhang, dass für die designierten Plattformen künftig ein deutlich höherer Prüfstandard gelte.
Bei Verstößen oder Nichteinhaltung der Vorschriften sieht der DSA empfindliche Sanktionen vor: Den Unternehmen drohen Geldstrafen von bis zu 6 % ihres weltweiten Jahresumsatzes. Bei der Durchsetzung der Regeln arbeitet die Kommission eng mit den zuständigen Koordinatoren in Irland und den Niederlanden zusammen.
Breite Informationsersuchen unter dem AI Act
Parallel zur Designation unter dem DSA hat die Brüsseler Behörde eine großangelegte Untersuchung im Rahmen des neuen KI-Gesetzes (AI Act) eingeleitet. In einer ersten Durchsetzungsmaßnahme unter diesem Regelwerk wurden Informationsersuchen an über 30 KI-Unternehmen versendet. Ziel dieser Anfragen sei es, laut Kommissarin Virkkunen, eine sichere und transparente Entwicklung von KI-Technologien zu gewährleisten.
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Der Fokus dieser Vorab-Prüfungen liegt insbesondere auf Sicherheitsaspekten und Fragen des Urheberrechts. Die Kommission bestätigte, dass sie bereits in direktem Kontakt mit Branchenvertretern wie OpenAI und Anthropic stehe, nachdem es zuvor zu bestimmten Vorfällen gekommen war. Sprecher Thomas Regnier erklärte hierzu, dass die Behörde Cyberrisiken sehr ernst nehme.
Die aktuellen Informationsersuchen gelten als vorbereitender Schritt, bevor formelle Untersuchungen eingeleitet werden können. Namen aller betroffenen Unternehmen wurden seitens der Kommission zunächst nicht öffentlich genannt. Mit diesen Maßnahmen weitet die EU ihre Aufsicht nun konsequent auf den Bereich der generativen KI aus.
