ChatGPT als VLOP: EU stuft Dienst als systemrelevant ein
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 19:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der KI-Entwickler OpenAI hat die Monetarisierung seines Chatbots ChatGPT durch die Einführung von Werbeanzeigen massiv ausgeweitet. Seit dem 24. August 2026 werden in Deutschland Werbeinhalte für Nutzer der kostenfreien Version sowie für Abonnenten des Go-Tarifs ausgespielt. Zeitgleich verschärft die Europäische Union die regulatorische Aufsicht über den Dienst und stuft ChatGPT als systemrelevante Plattform ein.
Werbefinanzierung für Gratis-Nutzer und Go-Abonnements
Die Einführung von Werbung markiert einen strategischen Wendepunkt für OpenAI. Betroffen von der Neuerung sind Nutzer des kostenlosen Zugangs sowie Kunden des Go-Abos, das monatlich mit rund 8 Euro berechnet wird. Nutzer der höherpreisigen Varianten wie Plus und Pro sowie Kunden aus den Bereichen Enterprise, Business und Education behalten hingegen weiterhin einen werbefreien Zugriff auf die Plattform.
Die Anzeigen werden laut Unternehmensangaben unterhalb der generierten Antworten platziert und sollen kontextuell relevant sein. Zum Start der Werbephase in Deutschland wurde berichtet, dass der in den Einstellungen vorhandene Schalter zur Personalisierung von Anzeigen zunächst keine technische Funktion aufwies.
Fachleute rieten dazu, diese Option vorerst deaktiviert zu lassen. Obwohl die Anzeigen zunächst ohne umfassende Personalisierung starten, ist vorgesehen, dass OpenAI von seinen Werbepartnern Informationen über Käufe erhalten kann, die im Anschluss an einen Klick auf eine Werbeanzeige getätigt werden.
Datenschutz und technisches Targeting
Im Zuge der Expansion hat OpenAI seine Datenschutzrichtlinien zum 30. August 2026 aktualisiert, um die rechtliche Basis für die Werbeaktivitäten zu schaffen. Das Unternehmen setzt dabei auf kontextuelles Targeting.
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Hierbei werden Anzeigen basierend auf dem aktuellen Thema des Chats, dem ungefähren Standort des Nutzers, der Uhrzeit sowie dem verwendeten Gerätetyp ausgewählt. OpenAI betont, dass der bisherige Chat-Verlauf oder gespeicherte Erinnerungen der Nutzer nicht für die Auswahl der Werbung herangezogen werden.
Für die Ausspielung generischer Anzeigen beruft sich das Unternehmen auf ein berechtigtes Interesse. Eine Personalisierung der Werbung erfordere hingegen eine ausdrückliche Einwilligung der Nutzer gemäß Artikel 6 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Werbetreibende erhalten nach Firmenangaben lediglich aggregierte Kennzahlen und haben keinen direkten Zugriff auf private Chats oder persönliche Informationen. Für Nutzer innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz fungiert die irische Tochtergesellschaft von OpenAI als verantwortliche Stelle für die Datenverarbeitung.
Globale Expansion und neue EU-Regulierung
Die Werbeoffensive erstreckt sich über insgesamt 31 europäische Märkte, darunter neben Deutschland auch Frankreich, Italien und Spanien. Parallel dazu wurde der Dienst in Indien für eine Nutzerbasis von rund 100 Millionen wöchentlichen Anwendern geöffnet. Dabei arbeitet OpenAI mit großen Werbeagenturen wie WPP und Omnicom zusammen.
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Um neue Vermarkter zu gewinnen, gewährt das Unternehmen ein Werbeguthaben von 500 US-Dollar, sofern zuvor Werbeausgaben in gleicher Höhe getätigt wurden.
Branchenanalysten von New Street Research rechnen damit, dass OpenAI in den kommenden zwei bis vier Monaten einen lokalen Anzeigenmanager einführen wird. In den USA ist die Werbedichte derzeit noch moderat; dort erscheinen Anzeigen bei weniger als 5 Prozent der Suchanfragen.
Flankiert wird diese wirtschaftliche Entwicklung durch eine Entscheidung der EU-Kommission vom 31. August 2026. Die Behörde hat ChatGPT offiziell als „sehr große Online-Plattform“ (Very Large Online Platform, VLOP) gemäß dem Digital Services Act (DSA) eingestuft. Mit mehr als 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der Europäischen Union erfüllt der Dienst die entsprechenden Kriterien. Zudem erfolgte eine Einstufung als Suchmaschine.
EU-Technologiekommissarin Henna Virkkunen erklärte dazu, dass für den Dienst nun höhere Prüfungsstandards gelten. OpenAI hat ab dem Zeitpunkt der Einstufung vier Monate Zeit, um die zusätzlichen Verpflichtungen des DSA umzusetzen. Diese beinhalten unter anderem strengere Anforderungen an die Risikobewertung, die Transparenz von Algorithmen und den Schutz der Nutzer.
