CGM, Typ-2-Diabetes

CGM bei Typ-2-Diabetes: 283 Erwachsene verbringen fünf Stunden mehr im Zielbereich

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen belegen bessere Glukosewerte durch Sensoren und eine digitale Anwendung; Erstattung und Zugang bleiben zentrale Versorgungsfragen.
Ein minimalistischer Behandlungsraum in einer Klinik mit einer Untersuchungsliege und Blick in einen ruhigen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Moderne medizinische Systeme und kontinuierliche Glukosemessungen (CGM) gewinnen in der Behandlung von Diabetes mellitus zunehmend an Bedeutung. Eine Fachdebatte des Portals mZdrowie.pl verdeutlichte, dass neue Technologien die Gesamteffizienz der Versorgung spürbar steigern können.

Wie Prof. My?liwiec aus Danzig in diesem Kontext darlegte, definiert der Einsatz kontinuierlicher Glukosemessungen zugleich einen neuen Therapiezielwert für Betroffene. Neben den rein technischen Parametern hob Prof. Jankowski während der Diskussion hervor, wie entscheidend die Kooperation zwischen Ärzten und Patienten für den Behandlungserfolg bleibe.

Klinische Evidenz bei Typ-2-Diabetes verdichtet sich

Dass CGM-Systeme auch abseits traditioneller Anwendungsfelder klinische Effekte erzielen, untermauern aktuelle Untersuchungen. Eine am 14. Oktober 2026 im New England Journal of Medicine veröffentlichte randomisierte Studie der University of Colorado Anschutz untersuchte 283 Erwachsene mit nicht-insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes in 22 Hausarztpraxen über 26 Wochen.

Die Auswertung ergab, dass die CGM-Gruppe täglich rund fünf Stunden mehr im Glukose-Zielbereich verbrachte als die Kontrollgruppe, bei einer HbA1c-Differenz von 0,9 Prozentpunkten. Die Untersuchung wies allerdings weder eine Heilung noch eine Verringerung von Folgeerkrankungen nach, womit auch Fragen der Wirtschaftlichkeit offenbleiben.

Parallel dazu zeigte eine im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Diabetologia erschienene, herstellerfinanzierte Studie des Unternehmens Perfood den Nutzen digitaler Anwendungen. An 24 Zentren in Deutschland nahmen 327 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes (HbA1c zwischen 7 und 11 Prozent, BMI mindestens 25, keine Insulintherapie) über sechs Monate teil.

Bei intermittierendem Sensoreinsatz in beiden Gruppen sank der HbA1c-Wert in der Interventionsgruppe mit der App glucura um 0,80 Punkte gegenüber 0,30 Punkten in der Kontrollgruppe, was einer statistisch signifikanten adjustierten Differenz von 0,46 Punkten entspricht.

Einen HbA1c-Wert unter 7 Prozent erreichten 55 Prozent im Vergleich zu 31 Prozent, während der Gewichtsverlust bei 4,1 Prozent gegenüber 1,8 Prozent lag.

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Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt die Anwendung in Deutschland seit Anfang 2026 dauerhaft als digitale Gesundheitsanwendung, bei Kosten von rund 500 Euro pro 90-Tage-Verordnung inklusive Sensor.

Automatisierte Systeme und regulatorische Schritte

Auch bei automatisierten Systemen erweitert sich das Einsatzspektrum. Die US-Gesundheitsbehörde FDA genehmigte das Insulin-AID-System twiist von Sequel Med Tech für Erwachsene ab 18 Jahren mit insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes, nachdem das System bereits 2024 für Typ-1-Diabetes ab sechs Jahren zugelassen worden war.

In einer 13-wöchigen Pivotalstudie mit 307 Erwachsenen sank der mittlere HbA1c-Wert von 8,1 Prozent auf 7,4 Prozent, während die Zeit im Zielbereich von 57 Prozent auf 73 Prozent stieg (jeweils P<.001) – ohne das Auftreten schwerer Hypoglykämien.

Das System ist mit den Sensoren FreeStyle Libre 3 Plus von Abbott sowie Eversense 365 von Senseonics kompatibel, unterstützt jedoch keine Geräte von Dexcom.

Erstattungspolitik und strukturelle Versorgungsfragen

Die breite Implementierung der Technologien hängt stark von regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Dr. Gierczy?ski verwies in der polnischen Fachdebatte auf Daten des Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ), die finanzielle Einsparungen durch den Einsatz von CGM- und Insulintechnologien belegen.

In Polen werden CGM-Systeme seit einigen Jahren für Typ-1- und in Teilen auch für Typ-2-Diabetes erstattet. Demgegenüber wies Monika Kaczmarek von der Polnischen Diabetikervereinigung auf bestehende Systemprobleme hin, darunter lange Warteschlangen, Personalmangel und Hürden beim Technologiezugang.

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Auf internationaler Ebene erhofft sich der Hersteller Dexcom von der Publikation der CONNECT-Studie zu CGM bei nicht-insulinpflichtigen Patienten eine Ausweitung weltweiter Erstattungsansprüche.

In Südkorea beschloss das zuständige Gesundheitsversicherungs-Komitee am 8. September 2026, die Unterstützung für CGM und Insulinpumpen ab Dezember 2026 von Typ-1-Diabetes auf ausgewählte schwere Typ-2-Fälle mit Pankreasstörung oder Inselzellversagen auszuweiten.

Auf der Fachtagung ICDM 2026 in Seoul bauten Unternehmen wie Daewoong, Dong-A ST und Handok ihre Plattformen aus, wobei Versorgungslücken bei Mehrfachinjektionen und Patch-Pumpen sowie Fragen zur Kostenerstattung diskutiert wurden.

In Italien schloss die Agentur Agenas unterdessen gemeinsam mit ALTEMS Arbeiten an drei Referenzmodellen für Diabetes mellitus, schweres Asthma und COPD ab. Unter Einbindung von neun Regionen zielt das Projekt im Einklang mit nationalen Reformvorgaben auf standardisierte Indikatoren, Prävention, Telemedizin und künstliche Intelligenz ab.

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