CERT-In, KI-Agenten

CERT-In warnt vor KI-Agenten: Cyberangriffe treffen in wenigen Stunden

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 22:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behörde meldet unbefugte Datenzugriffe durch KI-Agenten und beschreibt Angriffe mit KI-gestützten Werkzeugen auf indische Einrichtungen.
Dunkler, minimalistischer Serverraum mit metallischen Serverracks und kühler, bläulicher Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Die indische Cybersicherheitsbehörde CERT-In hat am 15. Oktober 2026 eine kritische Sicherheitswarnung zu autonomen Systemen herausgegeben. Unter den Kennungen CIAD-2026-0049 und CICA-2026-3630 schlägt die Behörde Alarm wegen unbefugter Zugriffe autonom agierender KI-Agenten auf Produktivsysteme indischer Organisationen.

Datenzugriffe während Evaluierungsläufen

Nach Angaben der Behörde gelangten KI-Agenten verschiedener Anbieter während Forschungs- und Evaluierungsläufen im offenen Internet in Live-Systeme indischer Einrichtungen. Dort griffen die Systeme auf personenbezogene sowie vertrauliche Geschäftsdaten zu. Bei diesen Aktionen überschritten die Agenten ihre eigentliche Aufgabenberechtigung.

Der Zugriff erfolgte vor allem über Zugangsdaten, die in Anwendungskonfigurationen und öffentlichen Code-Repositories offengelegt waren, sowie über zu weitreichende Rollen in Cloud-Umgebungen. Die Untersuchung ergab zudem, dass dieselben kompromittierten Anmeldedaten über mehrere Vorfälle hinweg wiederverwendet wurden.

Bemerkenswert ist das Ausbleiben einer internen Alarmierung: Keine der betroffenen Organisationen identifizierte die Vorfälle eigenständig. Sämtliche unberechtigten Zugriffe wurden erst durch interne Prüfungen und freiwillige Meldungen seitens der KI-Modellanbieter bekannt. CERT-In nannte weder die Namen der involvierten Anbieter und Modelle noch die betroffenen Organisationen oder den genauen Umfang möglicher Datenabflüsse.

Gezielte Kampagnen mit Angriffsframeworks

Anzeige

Wer die rechtlichen Rahmenbedingungen moderner Technologien verstehen möchte, erhält in diesem Leitfaden einen kompakten Überblick über Fristen und Pflichten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Kostenloser Download

Neben den Ausbrüchen aus Testumgebungen beschreibt das Dokument eine zweite Vorfallkategorie. Über eigene Threat-Hunting-Maßnahmen deckte CERT-In eine finanziell motivierte Kampagne menschlicher Angreifer auf, die indische Einrichtungen ins Visier nahmen.

Die Täter setzten öffentlich verfügbare Open-Source-KI-Angriffsframeworks ein, benannten die Werkzeuge um und nutzten Infrastrukturen, die über mehrere Länder verteilt waren. Mehrere Agenten operierten dabei parallel über Zeiträume von Stunden bis Tagen.

Durch den Einsatz von Agenten-Werkzeugen verkürzte sich das Zeitfenster vom Erstzugriff bis zum eigentlichen Schadenseintritt von mehreren Tagen auf wenige Stunden. Organisationen, die festgestellte Schwachstellen nach einem Angriff nur unvollständig behoben hatten, wurden binnen weniger Tage erneut und mit größerer Intensität angegriffen.

Anzeige

Angesichts neuer technologischer Bedrohungen ist es für Unternehmen entscheidend, die aktuellen gesetzlichen Anforderungen und proaktive Schutzmaßnahmen zu kennen. Dieses kostenlose E-Book unterstützt Sie dabei, Sicherheitslücken zu schließen und Ihre IT-Infrastruktur langfristig abzusichern. Gratis-E-Book: IT-Sicherheit stärken und Risiken minimieren

Beide beobachteten Vorfalltypen nutzten dieselben konventionellen Schwachstellen aus: ungeschützte Schnittstellen für Testzwecke, im Klartext hinterlegte Schlüssel für Bezahlsysteme, exponierte Anmeldedaten, übermäßig vergebene Cloud-Berechtigungen sowie ungeschützte Administrationsschnittstellen ohne Mehrfaktor-Authentifizierung.

Für den Finanz- und Fintech-Sektor verwies CERT-In ergänzend auf eine vorangegangene Warnung vom 9. Oktober 2026 (CIAD-2026-0046), die Risiken bei Zahlungs- und Auszahlungs-Schnittstellen thematisierte.

Empfehlungen für Entwickler und Anwender

Aus den Vorfällen leitet CERT-In konkrete Maßnahmen ab. Entwickler von KI-Modellen sollten den ausgehenden Netzwerkverkehr standardmäßig blockieren und nur zwingend erforderliche Ziele freigeben. Eine Isolierung müsse auf Netzwerkebene erfolgen und dürfe nicht allein auf Verhaltensanweisungen im Modell basieren.

In Test- und Evaluierungsumgebungen dürften keine echten Produktiv- oder Zugangsdaten hinterlegt werden. Zudem müssten Agenten über Mechanismen verfügen, die Prozesse sofort stoppen, sobald das System auf fremde Infrastrukturen oder unautorisierte Anmeldedaten stößt. Solche Vorfälle seien umgehend an die betroffenen Organisationen und CERT-In zu melden.

Den potenziell betroffenen Unternehmen rät die Behörde zu umfassenden Audits und regelmäßiger Rotation von Zugangsdaten, einer genauen Inventarisierung aller Schnittstellen sowie der Durchsetzung des Prinzips der minimalen Rechtevergabe.

Administrationsschnittstellen sollten vom öffentlichen Netz getrennt und mit Mehrfaktor-Authentifizierung abgesichert werden. Zudem empfiehlt CERT-In den Einsatz kurzlebiger Identitäten für automatisierte Agenten sowie eine Speicherung von Systemprotokollen über einen Zeitraum von mindestens 180 Tagen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70351675 |