CERN colibri: Open-Source-Bibliothek bringt über 100 VHDL-Bausteine
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 20:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das CERN hat mit colibri eine Open-Source-Bibliothek mit wiederverwendbaren, herstellerunabhängigen VHDL-Komponenten für FPGA-Entwickler veröffentlicht.
Wie opensourceforu.com berichtete, richtet sich das Projekt an Entwickler, die Hardwarebeschreibungen für Field Programmable Gate Arrays (FPGAs) erstellen, ohne sich an proprietäre Werkzeuge einzelner Hersteller zu binden. Auch adafruit.com berichtete über die Veröffentlichung der Bibliothek durch die EP-Abteilung des CERN für die FPGA-Community.
Über 100 Komponenten in reinem VHDL-2008
Colibri umfasst laut den Berichten mehr als 100 RTL-Komponenten, die in reinem VHDL-2008 geschrieben sind. Dazu zählen unter anderem FIFOs, RAM-Bausteine und Module zur Datenmanipulation.
Die Komponenten sollen sich unabhängig vom eingesetzten FPGA-Hersteller einsetzen lassen und werden mit selbstprüfenden Testbenches sowie formalen Verifikations-Harnesses ausgeliefert, was die Qualitätssicherung beim Einsatz in eigenen Projekten erleichtern soll.
Veröffentlicht wird die Bibliothek unter der CERN Open Hardware Licence – Weakly Reciprocal 2.0, einer Lizenz, die speziell für offene Hardware-Projekte entwickelt wurde und Weiterverwendung unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Wer wiederkehrende Design-Aufgaben nicht jedes Mal neu aufbauen will, findet in dieser offenen Bibliothek über 100 fertige VHDL-2008-Komponenten — von FIFOs über RAM-Bausteine bis zur Datenmanipulation, herstellerunabhängig und mit selbstprüfenden Testbenches. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie die Bausteine in Ihre bestehende Toolchain einbinden. Kostenlosen VHDL-Leitfaden anfordern
Vierjährige Entwicklungszeit
Die Arbeit an colibri begann den Angaben zufolge vor etwa vier Jahren. Unterstützt wurde die Entwicklung im Rahmen des CERN EP R&D Programms unter dem Arbeitspaket WP 9.3 mit dem Namen Gateware Portability Frameworks, wie adafruit.com berichtete. Ziel des Programms ist es demnach, Gateware – also die Konfigurationslogik für FPGAs – portabler und wiederverwendbarer zu machen, unabhängig von der jeweiligen Zielhardware.
Erste Anwendungen am LHCb-Experiment
Als erster Nutzer der Bibliothek wird das Datenerfassungsteam des LHCb-Experiments genannt, das colibri für ein bevorstehendes Upgrade einsetzt. Mittlerweile kommt die Bibliothek laut den Quellen in mehr als 10 Projekten zum Einsatz, teilweise auch außerhalb des CERN. Das deutet darauf hin, dass sich die Komponenten auch für Anwendungsfälle jenseits der Teilchenphysik eignen.
Proprietäre FPGA-Toolchains binden Ihr Design an einen einzigen Hersteller — und jeder Wechsel kostet Wochen. Eine offene, herstellerunabhängige Komponentenbibliothek mit formalen Verifikations-Harnesses kann diesen Aufwand senken. Der Leitfaden erklärt, worauf Sie bei Lizenz, Verifikation und Portierung achten müssen. Leitfaden zur Herstellerunabhängigkeit sichern
Für die FPGA-Entwicklergemeinschaft insgesamt könnte die Veröffentlichung Bedeutung haben, da herstellerunabhängige, formal verifizierte VHDL-Bausteine den Aufwand für wiederkehrende Design-Aufgaben reduzieren können. Durch die offene Lizenzierung steht die Bibliothek grundsätzlich auch kommerziellen und akademischen Projekten außerhalb des CERN-Umfelds zur Verfügung.
