Celle, Verwaltungsdigitalisierung

Celle startet Verwaltungsdigitalisierung: Online-Verlustmeldung ab 18. Sept

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Celle ergänzt ihr Bürgerportal um digitale Meldungen und Anträge. Zugleich zeigen hohe Abbruchquoten den Nachholbedarf bei BundID und EUDI-Wallet.

Celle baut digitale Verwaltung mit neuen Online-Diensten aus
Moderne Fassade eines deutschen Verwaltungsgebäudes bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Modernisierung der kommunalen Verwaltung schreitet in Deutschland schrittweise voran. Ab dem 18. September 2026 erweitert die Stadt Celle ihr Portfolio an digitalen Verwaltungsleistungen. Über das Bürgerportal portal.celle.de können Einwohner künftig eine Online-Verlustmeldung abgeben, die zeitgleich an die Stadt und an die Polizei übermittelt wird.

Zudem werden Anträge auf Befreiung von der Ausweispflicht sowie die elektronische Wohnsitzanmeldung bereitgestellt. Diese Services stehen ohne vorherige Terminvereinbarung und außerhalb regulärer Öffnungszeiten zur Verfügung.

Hohe Abbruchquoten bremsen die Verwaltungsdigitalisierung

Der Ausbau in Kommunen erfolgt vor dem Hintergrund deutlicher Herausforderungen bei der Akzeptanz digitaler Behördengänge. Eine Untersuchung des Netzwerks NExT verweist auf Hürden bei Identifikationsverfahren: Demnach liegen die Abbruchquoten bei Online-Anträgen mit Identifikationspflicht in Deutschland zwischen 70 und 90 Prozent.

Bei der Online-Kfz-Zulassung brachen rund 85 Prozent der Nutzer ab, sobald sie die BundID-Stufe erreichten. Bei digitalen Klageverfahren richteten in Tests lediglich zwei von sechs Teilnehmenden ein BundID-Konto innerhalb einer Stunde ein.

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Auch ein internationaler Vergleich des Branchenverbands Bitkom verdeutlicht den Handlungsbedarf. Im Ranking über 27 EU-Länder belegt Deutschland bei der digitalen Verwaltung den 22. Platz. Bei der digitalen Infrastruktur sowie bei den Digitalkompetenzen rangiert das Land jeweils auf Platz 11, wobei im Kompetenzbereich ein Zuwachs von vier Plätzen im Vergleich von 2025 verzeichnet wurde.

Technische Lösungen und länderspezifische Ansätze

Um Verwaltungsprozesse rechtssicher und anwenderfreundlich zu gestalten, kommen neue Softwarelösungen zum Einsatz. Am 1. Oktober 2026 veranstalten Governikus und sproof ein Webinar zur Integrationslösung AusweisIDent für Kommunen. Die Anwendung zielt auf einen DSGVO-konformen und automatisierten Abgleich mit dem Melderegister ab.

Auf Länderebene wurden bereits ähnliche Vorhaben umgesetzt. Am 25. November 2025 führte Sachsen die elektronische Meldebescheinigung ein. Das sächsische Innenministerium, die Staatskanzlei und der IT-Dienstleister SAKD ermöglichten Bürgern damit, Bescheinigungen digital zu beantragen und elektronisch zu empfangen.

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Parallel bindet die AKDB über 2.100 Online-Dienste an die BundID an, während das Digitale Identitätengesetz vorsieht, dass Personalausweise für Bürger ab 70 Jahren unbegrenzt nutzbar bleiben und Adressänderungen im Reisepass entfallen.

Vorbereitungen auf die europäische Wallet

Auf Bundesebene wird der Rahmen für künftige Nachweise neu strukturiert. Für den 2. Januar 2027 plant die Bundesregierung den Start der europäischen Identitäts-App „d-you“, die auf freiwilliger Basis Ausweise und Führerscheine auf dem Smartphone bündeln soll. Die Daten verbleiben verschlüsselt auf den Endgeräten. Rund 40 Partner sind angebunden, darunter Versorger, Verkehrsunternehmen, Rentenversicherungsträger und Banken.

Am 9. September 2026 fand in Berlin ein erster Roundtable für Launch-Partner der EUDI-Wallet statt. Unter anderem beteiligt sich die Lindner Group über ihre Bauplattform inGo, die über 850 Nachunternehmer und mehr als 1.200 Projekte umfasst.

Bereits im Juni 2026 hatte der IT-Planungsrat per Beschluss festgelegt, dass die behördliche Identifizierung verpflichtend ist, während Banken die EUDI-Wallet bis Ende 2027 akzeptieren müssen. Die Vernetzung auf kommunaler Ebene bildet dabei das Fundament für die anstehenden europäischen Standards.

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