CED-Früherkennung, Antikörpermuster

CED-Früherkennung: Antikörpermuster zeigen Risiken bis zu zehn Jahre vorher

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Blutanalysen fanden frühe Immunmuster bei später Erkrankten; das Verfahren ist noch nicht für individuelle Vorhersagen im Klinikalltag validiert.
Laborausrüstung mit Reagenzgläsern in einem klinischen Forschungsumfeld Illustration mit AI erstellt.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa entwickeln sich oft über Jahre hinweg im Verborgenen, bevor eindeutige Beschwerden auftreten.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Arno Bourgonje vom Universitätsklinikum Groningen und der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York berichtete am 19. Oktober 2026 auf der UEG Week in Barcelona gemeinsam mit Forschenden der Medizinischen Universität Wien über neue Erkenntnisse zur Krankheitsentstehung.

Demnach lassen sich charakteristische Antikörpermuster im Blut bereits bis zu zehn Jahre vor der klinischen Diagnose nachweisen. Die Arbeit erschien im Fachmagazin „Gut“.

Signifikante Unterschiede im Antikörperprofil Jahre vor der Diagnose

Für die Untersuchung analysierte das Bourgonje-Team rund 2.000 Blutserumproben von 500 Angehörigen des US-Militärs. Darunter befanden sich 200 Personen mit später diagnostiziertem Morbus Crohn, 200 Personen mit späterer Colitis ulcerosa sowie 100 gesunde, nach Alter und Geschlecht gematchte Kontrollpersonen. Die Proben stammten aus Zeiträumen von etwa zehn, vier und zwei Jahren vor sowie direkt zum Zeitpunkt der Diagnose.

Das Team überprüfte die Proben auf Immunreaktionen gegen rund 357.000 Antigene aus Bakterien, Viren, Nahrungsmitteln sowie körpereigenem Gewebe und identifizierte dabei 123.980 verschiedene Antikörper. Bei Personen, die später erkrankten, zeigte sich bereits bis zu ein Jahrzehnt vor dem Ausbruch eine signifikant geringere Vielfalt an Antikörpern als bei gesunden Kontrollen.

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Zudem traten spezifische Verschiebungen auf:
- Bei späterem Morbus Crohn fanden sich vermehrt Antikörper gegen Herpesviren wie das Epstein-Barr-Virus und gegen bakterielles Flagellin, was sich insbesondere bei komplizierten Krankheitsverläufen sowie einem Befall des Ileums zeigte.

Antikörper gegen bekapselte Bakterien gingen hingegen zum Diagnosezeitpunkt zurück.
- Bei späterer Colitis ulcerosa waren Antikörper gegen Herpesviren sowie gegen körpereigene Autoantigene erhöht, während die Immunantwort gegen bekapselte Krankheitserreger geschwächt war.

Mittels Machine Learning gelang es, zukünftige Morbus-Crohn-Fälle mit einem AUC-Wert von 0,90 und künftige Colitis-ulcerosa-Fälle mit 0,84 von gesunden Personen abzugrenzen. Die Unterscheidung zwischen komplizierten und weniger schweren Verläufen von Morbus Crohn erreichte einen Wert von 0,85.

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Bourgonje unterstrich, dass das Verfahren noch nicht für den klinischen Alltag geeignet sei. Es handle sich noch nicht um ein Testverfahren zur individuellen Vorhersage von Erkrankungen, weshalb eine Validierung in unabhängigen und diverseren Kohorten erforderlich bleibe. Weltweit leben mindestens vier Millionen Menschen mit CED; für Deutschland liegen Schätzungen bei bis zu 600.000 Betroffenen und rund 10.000 Neudiagnosen pro Jahr.

Herausforderungen beim Monitoring und die Rolle des Darmultraschalls

Die Notwendigkeit einer präzisen Erfassung entzündlicher Prozesse betrifft nicht nur die Frühphase, sondern auch die Verlaufskontrolle bestehender Erkrankungen.

Wie das B?ch-Mai-Krankenhaus in Vietnam im Rahmen eines internationalen Seminars mitteilte, wiesen Forschungsdaten zufolge bis zu 54 Prozent der betrachteten Patienten trotz stabiler klinischer Symptome und Laborwerte fortschreitende Entzündungsläsionen auf. Nach Angaben des globalen Projekts GIVES-21 steigt die Inzidenz in Vietnam und weiteren asiatischen Ländern an.

Als ein zentrales Instrument zur engmaschigen Verlaufskontrolle gilt der Darmultraschall (IUS). Das Verfahren ermöglicht eine unmittelbare Beurteilung der Darmwandaktivität in der Praxis innerhalb von 5 bis 30 Minuten, ohne Sedierung, Nüchternheit, Darmvorbereitung, Strahlenbelastung oder Kontrastmittel.

Während die Methode in Europa, Kanada, Australien und Japan seit Jahren als klinischer Standard etabliert ist, gewinnt sie in den USA erst seit wenigen Jahren an Verbreitung.

In Studien zu Morbus Crohn erkannte der Darmultraschall die Krankheitsaktivität im terminalen Ileum zu 94 Prozent, während die Magnetresonanz-Enterographie (MRE) eine Erkennungsrate von 97 Prozent erreichte.

Bei der Beurteilung von Entzündungen, Wandverdickungen, Stenosen und Aszites zeigte das Ultraschallverfahren Vorteile. Es dient als Ergänzung zu Schnittbildverfahren wie MRE oder CT, ersetzt jedoch nicht die Koloskopie zur Krebsvorsorge und stößt bei der Beurteilung des gesamten Dünndarms sowie im Rektal- und Analbereich an technische Grenzen.

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