CED bei Kindern: Vier-Protein-Test ersetzt Darmspiegelung
24.06.2026 - 05:53:12 | boerse-global.de
Eine Protein-Signatur im Blut soll künftig schonend und präzise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) bei Kindern nachweisen. Forscher des Beth Israel Deaconess Medical Center und des Mass General Brigham stellten die Methode am 23. Juni im Fachjournal eBioMedicine vor.
Vier Proteine verraten die Krankheit
Das Team analysierte 1.300 Proteine im Blut erkrankter Kinder. 95 davon waren erhöht, 70 erlaubten die Unterscheidung zwischen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Mittels maschinellem Lernen reduzierten die Forscher die Signatur auf acht, dann auf vier Proteine. In Validierungsgruppen mit 295 und 105 Kindern identifizierte der Vier-Protein-Test CED mit 80 bis 90 Prozent Genauigkeit. Die Differenzierung zwischen den beiden Krankheitsbildern gelang sogar mit über 90 Prozent.
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Der große Vorteil: Der Test ist nicht-invasiv. Junge Patienten müssten sich nicht mehr zwingend einer Darmspiegelung unterziehen.
Genetische Ursachen entdeckt
Parallel dazu veröffentlichten Forscher von SickKids Toronto am 23. Juni in Gastroenterology neue Erkenntnisse zur genetischen Ursache von Morbus Crohn. Bei 14 Patienten aus 10 Familien identifizierten sie Varianten im BIRC3-Gen. Diese stören den RIPK1-Signalweg im TNF-Pfad und erhöhen den Zelltod im Darmepithel.
Die Entdeckung hat direkte Folgen für die Therapie: Da RIPK1-Inhibitoren bereits in klinischen Studien getestet werden, könnten die Ergebnisse personalisierte Anti-TNF-Therapien vorantreiben. Die Forscher vermuten, dass monogene Formen von CED häufiger sind als bislang angenommen.
Eine weitere Studie aus Oxford vom selben Tag zeigte: Etwa 3,5 Prozent der CED-Patienten entwickeln Autoantikörper gegen das Protein IL-10. Die Analyse von über 4.900 Patienten und 1.000 Kontrollpersonen belegt den Mechanismus, der schwere Entzündungsreaktionen auslöst.
Erfolg in der Pharmakotherapie
Auch bei der Behandlung gibt es Neuigkeiten. Merck meldete am 22. Juni positive Ergebnisse der Phase-3-Studie ATLAS-UC. Der Anti-TL1A-Antikörper Tulisokibart erreichte bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa nach zwölf Wochen den primären Endpunkt der klinischen Remission. Es ist der erste Erfolg eines Anti-TL1A-Antikörpers in einer Phase-3-Studie für diese Indikation. Der Wirkstoff wird derzeit in sieben Indikationen geprüft, darunter Morbus Crohn.
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Entzündungsgedächtnis und Mikrobiom
Das Wellcome Sanger Institute veröffentlichte im Juni die Zellkarte „IBDverse“. Die Analyse von 2,2 Millionen Einzelzellen von über 400 Personen zeigt: Darmstammzellen besitzen ein Entzündungsgedächtnis. Merkmale einer Entzündung bleiben noch mehr als 100 Tage nach einem akuten Schub in den Zellen nachweisbar.
Die Universität Wien und die MedUni Wien analysierten über 6.000 Genome von Darmbakterien. Sie identifizierten spezifische Gemeinschaften auf Subart-Ebene, die mit Morbus Crohn, Reizdarmsyndrom und Diabetes korrelieren. Diese mikrobiologischen Profile könnten künftig als Frühwarnsystem für chronische Erkrankungen dienen.
