CAR-T-Therapie, Novartis

CAR-T-Therapie: Novartis stoppt acht Studien nach drei Todesfällen

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Novartis und Bristol Myers Squibb pausieren Autoimmun-Studien, während Charité-Daten Wirkung zeigen und Eli Lilly Merida übernimmt.

CAR-T-Therapien: Sicherheitsstopps treffen Novartis und BMS
Ein steriles, hochmodernes biomedizinisches Forschungslabor mit Präzisionsinstrumenten und Laborgeräten auf einer Edelstahloberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die Anwendung von CAR-T-Zell-Therapien, die ursprünglich für die Onkologie entwickelt wurden, steht bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen vor einer kritischen Phase. Während technologische Fortschritte und klinische Erfolge das Potenzial dieser Behandlungsform unterstreichen, dämpfen aktuelle Sicherheitsbedenken bei führenden Pharmaunternehmen die Erwartungen an eine schnelle Markteinführung in diesem Bereich.

Sicherheitsbedingte Unterbrechungen bei Novartis und Bristol Myers Squibb

Der Pharmakonzern Novartis sah sich Ende August 2026 dazu veranlasst, acht klinische Studien im Bereich der CAR-T-Zell-Therapie (rap-cel, CD19-CAR-T) vorerst zu pausieren. Betroffen sind Untersuchungen zu Autoimmun- und neurologischen Erkrankungen, darunter Lupus, systemische Sklerose, Myositis sowie Multiple Sklerose.

Hintergrund für diese Entscheidung sind drei gemeldete Todesfälle, die mit einer schweren Immunreaktion, dem sogenannten Immune Effector Cell-Associated Histiocytosis-Lymphohistiocytosis-Like Syndrome (IEC-HS), assoziiert werden.

Nach Angaben des Unternehmens ruhen die rap-cel-Studien bereits seit dem 24. August 2026, während eine umfassende Überprüfung der Vorfälle eingeleitet wurde. Bemerkenswert ist dabei die Differenzierung innerhalb des Portfolios: Klinische Studien zu rap-cel im Bereich der Onkologie werden nach aktuellem Stand weitergeführt.

Parallel dazu hat auch Bristol Myers Squibb ähnliche Maßnahmen ergriffen. Das Unternehmen pausierte Studien zu seinem CAR-T-Kandidaten zola-cel. Als Grund wurden hier transiente und reversible Entzündungsereignisse angeführt, die eine genauere Untersuchung der Sicherheitsdaten erforderlich machen. Diese Entwicklungen verdeutlichen die Komplexität beim Transfer der Zelltherapien von der Krebsbehandlung auf chronische Entzündungskrankheiten.

Positive klinische Daten der Charité bei rheumatoider Arthritis

Trotz der Rückschläge bei großangelegten Industriestudien liefern akademische Forschungseinrichtungen weiterhin Belege für die Wirksamkeit von CD19-gerichteten Therapien. In einer im September 2026 vorgestellten Analyse der COMPARE-Studie (Phase 1) berichtete die Charité über vielversprechende Resultate bei der Behandlung der therapierefraktären rheumatoiden Arthritis.

In dieser Untersuchung mit sechs Patienten erreichten drei Teilnehmer eine medikamentenfreie Remission, die über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten anhielt. Die Datenlage zeigt eine deutliche biologische Wirkung: Die Autoantikörper sanken um mehr als 90 Prozent. Zudem verzeichneten die Forscher in Woche 24 eine Senkung des DAS28-CRP-Wertes um 49 Prozent.

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Drei Patienten erreichten zudem das ACR70-Kriterium, ein Maß für eine mindestens 70-prozentige Verbesserung der Krankheitssymptome. Die beobachteten Nebenwirkungen wurden in dieser kleinen Kohorte als mild eingestuft. Auf Basis dieser Ergebnisse ist eine Phase-2-Studie mit zehn Patienten geplant.

Neue Ansätze und Akquisitionen bei Multipler Sklerose

Auch im Bereich der Multiplen Sklerose (MS) und verwandter Erkrankungen wurden Anfang September 2026 neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht. Forscher der Universität Zürich untersuchten den Einsatz von Erythrozyten-gekoppelten Antigenen bei zehn MS-Patienten.

Ziel dieses Ansatzes ist es, eine gezielte Immuntoleranz aufzubauen, ohne die Patienten einer generellen Immunsuppression auszusetzen. Die Therapie erwies sich in dieser ersten Untersuchung als sicher und verträglich, was den Weg für Folgestudien ebnet.

Ergänzend dazu identifizierten Wissenschaftler der LMU MLC1 als ein neues Antigen bei MS-ähnlichen Erkrankungen. In einer Untersuchung von 300 Patienten konnten entsprechende Antikörper bei vier Personen nachgewiesen werden. Diese Entdeckung könnte künftig sowohl diagnostische als auch therapeutische Konsequenzen für spezifische Patientengruppen haben.

Strategische Marktbewegungen im Bereich Autoimmuntherapie

Trotz der aktuellen Sicherheitsdiskussionen bleibt das wirtschaftliche Interesse an innovativen Therapien gegen Autoimmunerkrankungen hoch. Eli Lilly gab Ende August 2026 die Übernahme von Merida Biosciences bekannt. Das Transaktionsvolumen beläuft sich auf bis zu 2,875 Milliarden US-Dollar, wobei der Abschluss für das vierte Quartal 2026 erwartet wird.

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Im Zentrum der Übernahme steht der Wirkstoffkandidat MER511, der sich derzeit in der Phase I der klinischen Prüfung zur Behandlung von Morbus Basedow und Schilddrüsen-Augen-Erkrankungen befindet.

Eli Lilly plant zudem, die technologische Plattform von Merida Biosciences künftig auch für die Entwicklung von Therapien gegen Allergien, Asthma und Urtikaria zu nutzen. Dies unterstreicht die strategische Bedeutung, die Pharmaunternehmen der Diversifizierung ihrer Portfolios im Bereich chronischer Entzündungsprozesse beimessen.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Pharmaindustrie: Novartis stoppt nach Todesfällen Studien zu Zelltherapie“

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