Cannabis und Gewicht: Studien widerlegen das Klischee vom Fresser
03.06.2026 - 18:18:35 | boerse-global.deDas belegen mehrere Langzeitstudien – und widerspricht dem Klischee vom fressenden Kiffer.
Was die Daten sagen
Bereits 2011 zeigte eine Analyse im American Journal of Epidemiology: Die Adipositas-Rate bei häufigen Konsumenten liegt niedriger als bei Abstinenzlern. Eine prospektive Studie aus dem Jahr 2019 bestätigte den Trend: Bei Kiffern stieg der Body-Mass-Index (BMI) über die Zeit langsamer an.
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Zusätzlich wiesen Konsumenten 2013 einen geringeren Taillenumfang und niedrigere Nüchterninsulin-Werte auf. Beides sind wichtige Marker für die Stoffwechselgesundheit.
Wie wirkt Cannabis auf den Stoffwechsel?
Eine aktuelle Studie im Journal of Physiology (Mai 2026) untersuchte THC und Cannabisextrakte an Tiermodellen. Ergebnis: Beide Varianten senkten Körpergewicht und Körperfettanteil – und das, obwohl die Tiere nicht weniger fraßen.
Die Forscher vermuten, dass die Extrakte die sogenannte adipoinsuläre Dysfunktion verbessern. Cannabis greift also direkt in den Stoffwechsel ein, nicht nur in die Appetitsteuerung.
Allerdings bleibt die Datenlage komplex. Während eine Meta-Analyse ein geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes bei Cannabisexposition fand, präsentierte eine Analyse auf der EASD-Jahrestagung 2025 gegenteilige Ergebnisse.
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Medizinisches Cannabis in Deutschland
Seit der Teillegalisierung im Frühjahr 2024 boome der Markt für medizinisches Cannabis. Das Bundesgesundheitsministerium kündigte für 2025 Anpassungen am Medizinal-Cannabisgesetz an – die Importe waren im ersten Halbjahr 2025 um über 400 Prozent gestiegen, vor allem durch telemedizinische Angebote.
Aktuelle Branchendaten vom Mai 2026 beziffern den europäischen Markt auf über 1,5 Milliarden Euro. Allein Deutschland importierte im ersten Quartal 2026 50,5 Tonnen.
Doch klinische Beobachtungen zeigen: Bei Patienten unter medizinischer Cannabistherapie waren in den ersten drei Monaten keine signifikanten Stoffwechselveränderungen messbar. Mögliche Gewichtseffekte treten wohl erst bei langfristigem Konsum oder bestimmten Dosierungen auf.
Der Unterschied zu Abnehmspritzen
Während Cannabis indirekt über den Stoffwechsel wirkt, greifen GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Ozempic oder Wegovy direkt in die hormonelle Steuerung von Hunger und Sättigung ein.
Wissenschaftler des NIH identifizierten Ende Mai 2026 einen Mechanismus in der Area postrema des Gehirns: Die Dauer der Signalübertragung in den Nervenzellen entscheidet über den Therapieerfolg. Unterschiede in dieser Signaldauer könnten erklären, warum die Wirkung bei manchen Patienten nachlässt.
Cannabis dagegen scheint nicht den Hunger zu unterdrücken, sondern die Energieverwertung des Körpers zu verändern.
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