Cannabis-Medikament, Exilby

Cannabis-Medikament Exilby: Erste Zulassung gegen Rückenschmerzen

18.06.2026 - 06:19:28 | boerse-global.de

Bundesregierung plant Streichung der Kassen-Erstattung für Cannabisblüten, während erstes zugelassenes Medikament gegen Rückenschmerzen auf den Markt kommt.

Cannabisblüten-Streichung geplant: Neue Medikamentenzulassung für Rückenschmerzen
Cannabis-Medikament - Eine Hand hält eine getrocknete Cannabisblüte. Im Hintergrund verschwommene Finanzdiagramme, die die Kosten im Gesundheitssystem darstellen. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleichzeitig kommt das erste zugelassene cannabisbasierte Medikament gegen Rückenschmerzen auf den Markt. Das sind die Folgen für Patienten.

Streichung der Erstattung für Cannabisblüten geplant

Im Zentrum steht das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Der Bundestag beriet darüber am 12. Juni 2026 in erster Lesung. Der Entwurf sieht vor: Getrocknete Cannabisblüten sollen nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden. Erstattet werden künftig nur noch Extrakte, Fertigarzneimittel sowie die Wirkstoffe Dronabinol und Nabilon.

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Das Bundesgesundheitsministerium begründet den Schritt mit dem Suchtrisiko von Cannabisblüten. Die geplanten Einsparungen: 130 Millionen Euro im Jahr 2027. Bis 2030 könnten es jährlich 625 Millionen Euro sein.

Doch Fachverbände und Apotheker warnen vor einem Bumerang-Effekt. Denn Cannabisblüten sind mit 40 bis 90 Euro pro 1000 Milligramm THC die günstigste Therapieform. Extrakte oder Fertigarzneimittel wie Dronabinol kosten dagegen 380 bis 400 Euro für die gleiche Wirkstoffmenge. Eine Umstellung könnte die Kassen am Ende teurer kommen.

Erste Zulassung für cannabisbasiertes Medikament gegen Rückenschmerzen

Parallel zu den Sparplänen gibt es Fortschritte in der klinischen Anwendung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilte am 9. Juni 2026 die Zulassung für Exilby. Das Medikament des Münchner Herstellers Vertanical ist das erste cannabisbasierte Fertigarzneimittel in Europa für chronische Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente.

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Die Zulassung basiert auf einer Phase-3-Studie mit 820 Teilnehmern. Ergebnis: Eine Schmerzreduktion von 1,9 Punkten auf einer Bewertungsskala – die Placebo-Gruppe erreichte 1,4 Punkte. Ein Abhängigkeitspotenzial wurde nicht nachgewiesen. Allerdings brachen 17 Prozent der Probanden die Studie wegen Nebenwirkungen ab.

Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant. Der Hersteller prüft weitere Einsatzgebiete wie Polyneuropathie und Arthrose.

Streit in der Koalition über schärfere Regeln

Das Medizinalcannabisgesetz sorgt innerhalb der Regierung für Diskussionen. Ein Entwurf aus dem Gesundheitsministerium sieht unter anderem ein Verbot des Versands von Cannabisblüten vor. Auch eine persönliche Arzt-Patienten-Beziehung soll Pflicht werden.

Die SPD-Bundestagsfraktion lehnt diese Pläne ab. Fachpolitiker verweisen auf Bedenken hinsichtlich der Berufsfreiheit und möglicher Verstöße gegen EU-Recht. Ursprünglich sollte die Reform im zweiten Quartal 2026 in Kraft treten. Der genaue Zeitplan gilt wegen des internen Streits als offen.

Gleichzeitig geht es bei der Digitalisierung voran: Ab dem 1. Juli 2026 startet die assistierte Telemedizin in Apotheken. Die Vergütung beträgt zunächst 30 Euro und sinkt bis Juli 2029 schrittweise auf 21,50 Euro.

Sicherheitsbehörden verschärfen Kontrollen

Mitte Juni 2026 nahmen Beamte am Grenzübergang Altenberg einen Mann fest. Er versuchte, 7 Kilogramm medizinisches Cannabis aus Tschechien einzuführen. Trotz einer gültigen Einfuhrgenehmigung für eine Lieferung nach Erfurt bestand der Verdacht, die Ware illegal in Berlin weiterzuverkaufen.

Die finale Entscheidung über das Sparpaket und die Änderungen bei der Cannabis-Erstattung wird noch vor der Sommerpause im Juli 2026 erwartet. Eine öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss mit rund 90 Verbänden ist für den 22. Juni 2026 angesetzt.

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