Cannabis-Legalisierung, Klinikaufnahmen

Cannabis-Legalisierung: Klinikaufnahmen wegen Psychosen sprunghaft gestiegen

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 07:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seit der Teillegalisierung steigen Cannabis-Intoxikationen in Kliniken und Unfälle unter Einfluss. Apotheken verzeichnen einen Boom bei legalen Verkäufen.

Cannabis-Legalisierung: Mehr Klinikfälle und Unfälle in Deutschland
Ein steriler Flur in einer Notaufnahme eines Krankenhauses mit gedimmter, professioneller Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit der Teillegalisierung im April 2024 hat sich das Lagebild deutlich verändert. Mediziner, Verkehrsexperten und Marktforscher ziehen Bilanz – mit gemischten Ergebnissen.

Klinikaufnahmen steigen sprunghaft

Deutsche Krankenhäuser verzeichnen seit der Gesetzesänderung einen deutlichen Anstieg von Behandlungen durch Cannabis-Intoxikationen und cannabisinduzierte Psychosen. Die Entwicklung folgt einem Muster, das bereits aus anderen Ländern mit liberalisierter Gesetzgebung bekannt ist.

Ein Blick nach New York zeigt, wohin die Reise gehen könnte: Zwischen 2016 und 2024 verdoppelten sich dort die cannabisbedingten Notaufnahmen nahezu. Besonders alarmierend: Bei Kleinkindern bis vier Jahre stiegen die Fälle um über 3.700 Prozent, bei Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 14 Jahren um rund 1.300 Prozent.

Mehr Unfälle unter Cannabiseinfluss

Auch auf den Straßen wird die Legalisierung sichtbar. Baden-Württemberg dient als Beispiel: Im ersten Jahr nach der Neuregelung (April 2024 bis März 2025) nahmen folgenlose Cannabisfahrten um elf Prozent zu. Im Folgejahr stieg die Zahl auf rund 7.000 Fälle – ein weiteres Plus von 1,2 Prozent.

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Noch besorgniserregender: Die Unfälle unter Cannabiseinfluss legten von 450 auf 488 Fälle zu – ein Plus von 8,4 Prozent. Trotz dieses Anstiegs bleibt Alkohol das größere Problem. Bundesweit registrierte die Polizei 2025 rund 102.500 Alkoholverstöße, aber nur etwa 22.000 Cannabisverstöße. Seit April 2024 gilt ein THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml im Blut. Verstöße werden mit Bußgeldern, Punkten und Fahrverboten geahndet.

Legale Quellen dominieren – Apotheken boomen

Die Marktstruktur hat sich rasant verändert. Eine Umfrage des Instituts für Suchtforschung (ISFF) unter 11.500 Konsumenten zeigt: Rund 88 Prozent beziehen ihr Cannabis inzwischen aus legalen Quellen. Der Eigenanbau spielt mit 62,3 Prozent die größte Rolle.

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Überraschend ist der Boom der Apotheken: 44 Prozent der Cannabiskäufe laufen über diesen Kanal. Allerdings erfolgen 94 Prozent dieser Käufe ohne klassisches Kassenrezept. Deutschland zählt aktuell 271 Spezialapotheken – doch fast die Hälfte der Patienten wohnt mehr als zehn Kilometer von der nächsten entfernt.

Der Preisverfall bei medizinischem Cannabis macht den Zugang einfacher: Im zweiten Quartal 2026 kostete ein Gramm medizinische Cannabis-Blüten durchschnittlich nur noch vier Euro. Bundesweit stiegen die Drogenverstöße (ohne Alkohol) 2025 auf rund 50.000 Fälle, nachdem sie in den Vorjahren stabil bei etwa 48.000 gelegen hatten.

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