Cannabis-Arzneimittel Exilby: Erste Zulassung in Deutschland ab September
11.06.2026 - 12:31:53 | boerse-global.de
Der kanadische Cannabis-Konzern Tilray setzt auf Eigenanbau: Die neue Marke ARX wird komplett in Deutschland entwickelt und kultiviert.
Auf der Fachmesse Mary Jane Berlin 2026 präsentierte Tilray Medical Germany in dieser Woche sein neues Premium-Sortiment. Es ist das erste Mal, dass der Konzern ein medizinisches Cannabis-Produkt von der Saat bis zur Ernte vollständig in Deutschland produziert. Damit will Tilray im größten europäischen Cannabis-Markt die Nase vorn haben – und vor allem im margenstarken Premium-Segment punkten.
Zwei Jahre Entwicklung in Neumünster
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Die neue Marke ARX entstand nach mehr als zwei Jahren Entwicklungsarbeit im Aphria-RX-Werk in Neumünster. Die verwendeten Genetiken stammen vom kanadischen Anbieter Broken Coast. Die Produktion erfolgt nach den strengen EU-GMP-Standards (Good Manufacturing Practice) – das garantiert pharmazeutische Qualität.
„Mit ARX stärken wir unsere Wettbewerbsposition im deutschen Markt", erklärte Rajnish Ohri, Tilrays Präsident für das internationale Geschäft. Der Vertrieb der neuen Premium-Linie läuft über die Partner CC Pharma und 14U Pharma.
Börse reagiert positiv
Anleger zeigten sich begeistert: Auf Finanzplattformen wurde die Stimmung als „sehr positiv" beschrieben. Der Aktienkurs von Tilray Brands legte in den vergangenen zwölf Monaten um 26 Prozent zu. Branchenbeobachter sehen in der heimischen Premium-Produktion einen strategischen Meilenstein für den Konzern im deutschen Medizinal-Cannabis-Markt.
Meilenstein für die Branche: Erstes zugelassenes Cannabis-Arzneimittel
Nur zwei Tage zuvor, am 9. Juni 2026, gab es eine weitere Sensation: Das Unternehmen Vertanical erhielt die europäische Marktzulassung für Exilby (VER-01) in Deutschland. Es handelt sich um einen standardisierten, THC-reichen Vollspektrum-Cannabis-Extrakt – und zwar als fertiges Arzneimittel, nicht als Rezeptur.
Exilby ist zugelassen zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen mit neuropathischen Komponenten. Die klinischen Daten aus Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten sind vielversprechend: Das Mittel zeigte eine signifikante Schmerzreduktion bei guter Verträglichkeit – und vor allem ohne Abhängigkeitspotenzial.
Cannabis schlägt Opioide
Die Studienergebnisse im Detail: Nach zwölf Wochen lag die Schmerzreduktion um 1,9 Punkte höher als unter Placebo. Über den gesamten Studienzeitraum betrug der Vorteil sogar 2,9 Punkte. Im direkten Vergleich mit Opioid-Therapien schnitt das Cannabis-Medikament besser ab: höhere Schmerzreduktion, deutlich geringeres Risiko für Nebenwirkungen wie Verstopfung.
„Das ist ein Paradigmenwechsel in der Schmerztherapie", kommentierte ein Branchenexperte. „Erstmals haben wir ein standardisiertes Cannabis-Präparat, das den strengen Zulassungsprozess durchlaufen hat."
Markteintritt im September geplant
Vertanical plant den Marktstart für September 2026. Die Produktion erfolgt in Dänemark – mit einer prognostizierten Kapazität von fünf Millionen Flaschen pro Jahr. Tilray setzt dagegen auf regionale Produktion in Neumünster.
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Wettlauf um den deutschen Markt
Die Entwicklungen zeigen: Der deutsche Pharmamarkt für medizinisches Cannabis wird zunehmend zum Schlachtfeld internationaler Konzerne. Der Trend geht weg von einfachem Bulk-Cannabis hin zu spezialisierten, klinisch validierten Fertigarzneimitteln und hochwertigen Premium-Produkten.
Während Tilray auf heimische Produktion und Markenstärke setzt, geht Vertanical den Weg der klassischen Arzneimittelzulassung. Beide Strategien könnten aufgehen – der deutsche Markt ist groß genug für mehrere Gewinner.
