Cannabis-Arzneimittel Exilby: BfArM genehmigt Schmerzmittel
17.06.2026 - 18:30:58 | boerse-global.de
Aktuelle Zulassungen und Studien belegen das Potenzial: Von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über chronische Schmerzen bis zu psychischen Leiden reicht das Spektrum.
Pfefferminzöl senkt Blutdruck
Eine Studie der University of Lancashire untersuchte die Wirkung von Pfefferminzöl auf 40 Erwachsene mit leicht erhöhtem Blutdruck. Die tägliche Einnahme von 100 Mikrolitern senkte nach 20 Tagen den systolischen Wert von 130 auf etwa 122 mmHg. Auch der diastolische Blutdruck und die Ruheherzfrequenz sanken. Verantwortlich ist vermutlich das enthaltene Menthol, das die Gefäße erweitert.
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Parallel gewinnt die Phytotherapie in der Frauengesundheit an Bedeutung. Die WHO prognosticiert steigende Zahlen postmenopausaler Frauen – die Forschung sucht pflanzliche Alternativen zur Hormonersatztherapie. Im Fokus: Phytoöstrogene aus Soja oder Rotklee sowie Stilbene aus dem Sibirischen Rhabarber. Diese Stoffe binden selektiv an Beta-Östrogenrezeptoren und werden auf Schlafqualität, Knochengesundheit und Stoffwechsel geprüft.
Cannabis-Präparat erhält Zulassung
Ein Meilenstein in der Schmerztherapie: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ließ am 9. Juni 2026 Exilby zu – ein cannabisbasiertes Arzneimittel gegen chronische Rückenschmerzen. Der THC-reiche Vollspektrumextrakt stammt vom Münchner Hersteller Vertanical. In einer Phase-3-Studie mit über 1.200 Patienten sanken die Schmerzen um 1,9 Punkte auf der Bewertungsskala (Placebo: 1,4). Die Markteinführung in Deutschland und Österreich startet im September 2026.
Doch die Erstattung von Medizinalcannabis steht auf der Kippe. Der Bundestag debattiert im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes über einen Ausschluss von Cannabisblüten aus der Kassenleistung. Extrakte und Fertigarzneimittel sollen weiter erstattet werden. Das Bundesgesundheitsministerium begründet den Schritt mit möglichen Einsparungen und Suchtrisiken.
Pflanzenstoffe gegen Nervenleiden
Bei der Behandlung von ALS wird die Wirkung pflanzlicher Supplements erforscht. Studien zu Rutin und Pterostilben zeigten in Tiermodellen: Eine Kombination könnte den Krankheitsverlauf um 10 bis 20 Prozent verlangsamen.
Die Psilocybin-Forschung liefert ebenfalls neue Daten. Eine Langzeitnachbeobachtung der EPIsoDE-Studie (beteiligt: ZI Mannheim und Charité) zeigt stabile antidepressive Effekte über zwölf Monate. Teilnehmer erhielten eine Einmaldosis von 25 mg Psilocybin in Kombination mit Psychotherapie. Die Symptomreduktionen blieben bestehen – auch wenn später klassische Antidepressiva eingesetzt wurden.
Ein Fallbericht dokumentiert zudem den kurzzeitigen Einsatz von Psilocybin bei einer Alzheimer-Patientin im Spätstadium. Nach der Gabe von Psilocybin-Pilzen besserten sich kognitive und motorische Fähigkeiten vorübergehend. Die Forscher betonten: Eine Heilung oder Verlangsamung der Grunderkrankung sei das nicht.
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Traditionelle Anwendung und ihre Grenzen
Neben hochspezialisierten Präparaten bleibt die traditionelle Pflanzenheilkunde relevant. Mädesüß wird wegen seines Gehalts an Salicylaten und Flavonoiden bei Kopfschmerzen und Erkältungen eingesetzt. Experten warnen jedoch vor Kontraindikationen: Dampfinhalation mit Minze oder Zitronengras ist bei Fieber, schwerem Bluthochdruck oder für Kleinkinder ungeeignet.
Im Bereich Lebensmittelqualität gab es Anfang 2026 Streit zwischen Gewürzindustrie und Verbraucherschützern. Der Fachverband der Gewürzindustrie kritisierte ein Gutachten zu Pestizidrückständen in Kräuterprodukten. Er fordert eine wissenschaftlich fundierte Bewertung, die sich strikt an den EU-Rückstandshöchstmengen orientiert.
Vögel senken den Stresspegel
Nicht nur direkte Wirkstoffe, auch indirekte Naturfaktoren rücken in den Fokus. Eine Studie der Universität Tübingen vom Mai 2026 belegt: Bereits kurze Spaziergänge in Umgebungen mit Vogelgezwitscher senken Cortisolspiegel und Blutdruck signifikant. Ein Beleg für den Stellenwert der Umweltpsychologie in der Prävention.
