Cannabis-Arzneimittel Exilby: BfArM genehmigt ab 9. Juni
16.06.2026 - 20:44:01 | boerse-global.de
Neue Verfahren in der Neurochirurgie, KI-gestützte Diagnostik und Zelltherapie eröffnen völlig neue Wege, neuronale Fehlfunktionen zu korrigieren.
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Hirnschrittmacher mit künstlicher Intelligenz
Ein KI-gesteuerter Hirnschrittmacher könnte die Parkinson-Therapie revolutionieren. Forscher der EPFL und des CHUV Lausanne stellten heute in „Nature Medicine“ ein adaptives System vor, das die Tiefe Hirnstimulation in Echtzeit anpasst. Erkennt das System, ob der Patient sitzt oder geht, justiert es die Impulse im Nucleus subthalamicus automatisch. Bei 35 Patienten verbesserte sich die Mobilität deutlich.
Auch bei chronischen Knieschmerzen gibt es Fortschritte. Am Universitätsklinikum Dresden setzen Ärzte periphere Nervenstimulation (PNS) ein. Dabei platziert eine Elektrode direkt am betroffenen Nerv und unterbricht das Schmerzsignal. Ein Patient, der im Dezember 2023 versorgt wurde, berichtete von einer Schmerzreduktion um 80 Prozent. Angesichts von rund 150.000 Knieprothesen-Operationen jährlich in Deutschland bietet sich hier eine echte Alternative.
Cannabis statt Opioide
Neue Wirkstoffe erweitern das therapeutische Spektrum. Am 9. Juni erhielt das Cannabis-Fertigarzneimittel Exilby die Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Das Präparat richtet sich gegen chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente. Ziel ist die Ablösung von Opioiden als Standardtherapie. In einer Phase-3-Studie mit 820 Patienten zeigte der standardisierte Extrakt eine statistisch signifikante Schmerzreduktion – ohne Abhängigkeitspotenzial. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich startet im September.
Ein bemerkenswerter Fallbericht aus Brasilien sorgt derzeit in „Frontiers in Neuroscience“ für Aufsehen. Eine 80-jährige Alzheimer-Patientin im Spätstadium zeigte nach einer hohen Dosis Psilocybin vorübergehende Besserungen ihrer motorischen und kognitiven Fähigkeiten. Die Forscher betonen: Es handelt sich um einen Einzelfall, die Effekte klangen nach Wochen ab. Eine Heilung ist das nicht, aber ein Hinweis auf temporäre Reaktivierung von Gehirnfunktionen.
Während die Forschung nach neuen Wegen gegen Demenz sucht, können gezielte Alltagsübungen schon heute einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der mentalen Fitness leisten. Dieser kostenlose Leitfaden enthüllt 11 praktische Methoden, um das Gedächtnis nachhaltig zu stärken und geistig aktiv zu bleiben. Kostenlosen Ratgeber für Gehirntraining sichern
Zellen als Therapie
Die Wiederherstellung geschädigten Gewebes bleibt das große Ziel. Das EU-Projekt RESOLVE, gefördert mit 1,2 Millionen Euro, untersucht extrazelluläre Vesikel aus Stammzellen gegen neuropathische Schmerzen. Koordiniert wird die Forschung von der Universität Duisburg-Essen. Schätzungen zufolge leiden bis zu zehn Prozent der Bevölkerung an chronischen Nervenschmerzen.
Bei der Huntington-Krankheit startete Mitte Juni eine wegweisende Studie. Im Rahmen der REGEN4HD-Studie erhielt die erste Testperson die neuronale Stammzelltherapie hNSC-01 – Zellen, die direkt ins Striatum implantiert werden. Die Studie umfasst insgesamt 21 Teilnehmer, finale Daten werden für 2028 erwartet, der Abschluss für 2031.
Forscher der TU Dresden vermelden Fortschritte bei Nebennierenzellen-Transplantationen. In einem Bioreaktor verkapselte Zellen produzierten in Ratten-Versuchen Hormone – ohne Immunsuppression. Das Verfahren könnte künftig Therapien bei Nebenniereninsuffizienz ermöglichen.
KI erkennt Tumore in Minuten
Präzise Behandlung braucht präzise Diagnostik. Am UZ Leuven ging im Juni der NeuroExplorer PET-Scanner in den Routinebetrieb. Das Gerät liefert eine zwanzigmal höhere Detailgenauigkeit als herkömmliche PET-Scanner. Das ermöglicht die Früherkennung von Alzheimer, Parkinson oder ALS – Jahre vor den ersten Symptomen.
Ergänzt wird die Bildgebung durch KI in der Pathologie. Heidelberger Forscher stellten heute in „Nature Cancer“ das System „Hetairos“ vor. Die KI identifiziert anhand digitalisierter Gewebeschnitte über 100 molekulare Untergruppen von Tumoren des Zentralnervensystems. Die Diagnose dauert etwa zwölf Minuten – herkömmliche Verfahren brauchen oft mehrere Tage. In Tests lag die Trefferquote höher als bei menschlichen Fachärzten.
Grundlegende Erkenntnisse zur Gedächtnisfunktion lieferte eine Studie der Universität Bonn, die heute in PNAS erschien. Der Hippocampus erstellt bei vertrauten Routen keine neuen Karten, sondern legt neue Informationen als Annotationen über eine bestehende räumliche Grundkarte. Das erklärt die hohe Stabilität und gleichzeitige Flexibilität des menschlichen Gedächtnisses.
