Candida albicans: Immunzell-Vesikel begünstigen Pilzüberleben
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 18:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pilzinfektionen und ihre Wechselwirkung mit dem Immunsystem rücken zunehmend in den Fokus der Forschung. Mehrere aktuelle Studien beleuchten, wie Immunzellen auf Pilzerreger reagieren, wie ein Darmpilz Prostatakrebs therapieresistent machen kann und welche neuen Impfstoffansätze entwickelt werden, um Pilzinfektionen künftig besser zu bekämpfen.
Wie Immunzell-Vesikel die Abwehr gegen Candida albicans beeinflussen
Eine Studie der Universitäten Würzburg und Jena sowie des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) hat untersucht, wie extrazelluläre Vesikel neutrophiler Granulozyten mit dem Hefepilz Candida albicans interagieren.
Die Vesikel lagern sich demnach an den Pilz an, hemmen dessen Wachstum jedoch nicht – senken aber gleichzeitig die Aufnahme des Pilzes durch die Granulozyten selbst. Dieser Effekt zeigte sich den Forschenden zufolge auch bei bereits abgetöteten Pilzen, bot allerdings keinen vollständigen Schutz vor der Infektion. Die Ergebnisse wurden im Journal of Extracellular Vesicles veröffentlicht.
Darmpilz als Treiber von Therapieresistenz bei Prostatakrebs
Besonders weitreichende Konsequenzen könnten Erkenntnisse zum Darmpilz Nakaseomyces glabratus haben. Forschende des IOR (Institute of Oncology Research) und der USI (Università della Svizzera italiana) fanden heraus, dass dieser Pilz nach einer Androgenentzugstherapie bei Prostatakrebs vom Darm in den Tumor wandert.
Dort aktiviert er immunsuppressive Zellen und löst dadurch Therapieresistenz aus. In Mausversuchen gelang es dem Team, diese Wanderung durch orale Gabe eines Hydrogels zu blockieren, was das Tumorwachstum verlangsamte. Die Studie erschien in Nature Cancer.
Eine ergänzende, in Nature Cancer veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass N. glabratus in Stuhl-, Blut- und Tumorproben von Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs angereichert ist und mit einem schlechteren Gesamtüberleben korreliert.
Bei kastrierten Mäusen beschleunigte die orale Gabe des Pilzes die Krankheitsprogression über eine Infiltration mit PMN-MDSC-Zellen (polymorphkernigen myeloischen Suppressorzellen).
Die Androgendeprivation selbst erhöhe demnach die Durchlässigkeit des Darms, begünstige das Übertreten des Pilzes zum Tumor und verstärke die Aktivierung der PMN-MDSC-Zellen über den Rezeptor Dectin-2. Ein negativ geladenes intestinales Hydrogel konnte laut der Studie die Translokation des Pilzes blockieren.
Pilzinfektionen verdoppeln laut Forschung das Sterberisiko im Krankenhaus — und gleichzeitig arbeiten mehrere Teams an Impfstoffen, die gegen die drei häufigsten Pilzpathogene schützen sollen. Wer die eigenen Risikofaktoren kennt, kann heute schon vorbeugen. Kostenlosen Report zu Pilzimpfstoffen anfordern
Neue Impfstoffansätze gegen Pilzpathogene
Parallel zu diesen Erkenntnissen über Krankheitsmechanismen arbeiten mehrere Forschungsgruppen an präventiven Ansätzen. An der University of Georgia wurde das Pan-Fungal-Vakzin NXT-2 entwickelt, das in präklinischen Tiermodellen eine protektive Immunität erzeugte, ohne die Darmpilz- und Bakterienpopulationen signifikant zu verändern.
Das Vakzin zeigte sich in vier Tiermodellen sowie in einer Studie an nichtmenschlichen Primaten wirksam gegen die drei häufigsten Pilzpathogene, die für mehr als 80 Prozent tödlicher Pilzinfektionen verantwortlich sind, sowie gegen Candida auris.
Die Ergebnisse wurden in Microbiology Spectrum veröffentlicht. Die Forschenden verweisen zudem darauf, dass Pilzinfektionen Krankenhauskosten, Aufenthaltsdauer und Sterberisiko verdoppeln können.
Einen anderen Weg verfolgt ein Team der Nankai University: Es entwickelte genetisch modifizierte E.-coli-Bakterien mit einem künstlichen Glucan-Bindungsprotein, das ?-Glucan zu einem Nanofilm rekrutiert und mit dem Candida-Antigen Candidalysin kombiniert.
Der daraus entstandene Impfstoff EcS-CanL-Gluc aktiviert den Rezeptor Dectin-1, fördert die Reifung von Makrophagen und dendritischen Zellen sowie die Bildung von CD4+- und CD8+-T-Zellen. In Mausmodellen mit systemischer Candida-albicans-Infektion verbesserte der Impfstoff das Überleben und reduzierte die Pilzlast, wie die Nano Research zeigt.
Mikrobiom als Schlüsselfaktor auch jenseits von Pilzen
Die wachsende Bedeutung des Mikrobioms für Immunantworten zeigt sich auch in einem verwandten Forschungsfeld: Eine in Cell Host & Microbe veröffentlichte Arbeit beschreibt, dass Adipositas in epidemiologischen Studien konsistent mit besseren Ansprechraten auf Checkpoint-Inhibitoren einhergeht.
Ein Darmpilz kann nach einer Androgentherapie vom Darm in den Tumor wandern und die Behandlung resistent machen — ein Zeichen dafür, wie stark das Mikrobiom unsere Abwehr bestimmt. Dieser Report zeigt, welche Schutzstrategien für ein starkes Immunsystem heute diskutiert werden. Mikrobiom-Schutzstrategien jetzt ansehen
Nach Analysen von Desharnais und Kollegen werde dieses Paradoxon in Mausmodellen jedoch nicht durch die Adipositas selbst getrieben, sondern durch diätabhängige Interaktionen mit dem Darmmikrobiom.
Insgesamt verdeutlichen die verschiedenen Arbeiten, dass die Wechselwirkungen zwischen Immunsystem, Mikrobiom und Pilzerregern komplexer sind als bislang angenommen – und dass sie sowohl für die Behandlung von Infektionen als auch von Krebserkrankungen relevant werden könnten.
