CagriSema überzeugt: 21 Prozent Gewichtsabnahme in Phase-3
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMehrere Pharmaunternehmen haben binnen weniger Tage neue Studienstarts und Studienergebnisse zu Behandlungsansätzen gegen chronische Leiden bekanntgegeben. Von Adipositas über Autoimmunerkrankungen bis hin zu chronischen Atemwegs- und Hauterkrankungen zeichnet sich eine Reihe klinischer Fortschritte ab, wie Berichte vom 20. bis 22. September 2026 zeigen.
Zealand Pharma startet großangelegtes Adipositas-Programm
Zealand Pharma hat laut einem Bericht vom 22. September 2026 das globale, registrierende Phase-3a-Programm ZUPREME gestartet. Getestet wird das einmal wöchentlich verabreichte Petrelintide gegen Placebo bei Übergewicht und Adipositas, in drei Teilstudien mit insgesamt rund 7.000 Teilnehmern.
ZUPREME-3 richtet sich an rund 3.900 Teilnehmer mit Übergewicht (BMI 27 bis unter 30) oder Adipositas (BMI ab 30) mit mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung, jedoch ohne Typ-2-Diabetes. ZUPREME-4 umfasst rund 600 Teilnehmer mit Übergewicht/Adipositas und Typ-2-Diabetes.
ZUPREME-5 schließt rund 2.500 Teilnehmer mit etablierter kardiovaskulärer Erkrankung ein und läuft bis zu drei Jahre. Primärer Endpunkt ist jeweils die prozentuale Körpergewichtsänderung von Studienbeginn bis Woche 64. Partner des Programms ist Roche.
Frühere Phase-2-Daten hatten laut Zealand Pharma eine zweistellige Gewichtsabnahme bei weitgehend placebovergleichbarer Verträglichkeit gezeigt; eine Kombinationsstudie mit Enicepatide ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Roche meldet eigene Fortschritte bei Enicepatide
Roche selbst berichtete von positiven Phase-II-Ergebnissen für den dualen GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten Enicepatide. Bei der höchsten getesteten Dosis von 24 mg senkte der Wirkstoff den HbA1c-Wert nach 48 Wochen im Mittel um 2,65 Prozentpunkte, Patienten verloren im Schnitt 15,5 Prozent ihres Körpergewichts. Die Nebenwirkungen waren überwiegend leicht bis mittelschwer gastrointestinal, die Abbruchrate blieb gering.
Eine Zulassung steht noch aus; eine neue Phase-III-Studie zur Blutzuckerkontrolle sowie für 2027 geplante Studien zu Herz-Kreislauf-Effekten sollen folgen, zwei Phase-III-Studien zur Gewichtsreduktion sind laut Unternehmen bereits fortgeschritten. Roche verfolgt damit das Ziel, sich als dritter Anbieter im Markt für Gewichtshemmer neben Lilly und Novo Nordisk zu positionieren.
Amgen erzielt positive Daten bei Sjögren-Syndrom
Amgen meldete laut einer Mitteilung vom 22. September 2026 positive Topline-Ergebnisse der Phase-3-Studie OASIZ 301 mit Dazodalibep bei rund 621 Erwachsenen mit Sjögren-Syndrom und moderater bis schwerer systemischer Krankheitsaktivität.
Der primäre Endpunkt, eine Verbesserung im ESSDAI-Score nach 48 Wochen, wurde statistisch signifikant und klinisch bedeutsam erreicht, mit Verbesserungen bereits ab Woche 4. Häufigste unerwünschte Ereignisse waren Nasopharyngitis, Harnwegsinfektionen, Bluthochdruck und infusionsbedingte Reaktionen, überwiegend mild bis moderat.
Eine Ungleichverteilung thromboembolischer Ereignisse oder opportunistischer Infektionen wurde nicht beobachtet. Die weitere Phase-3-Studie OASIZ 303 soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Für das Sjögren-Syndrom gibt es bislang keine von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassenen Medikamente; Dazodalibep gilt als potenziell erstes CD40L-Antagonist-Fusionsprotein seiner Klasse.
Novo Nordisk präsentiert CagriSema-Daten
Novo Nordisk stellte laut einem Bericht vom 21. September 2026 auf einer Investorenveranstaltung in London Topline-Ergebnisse der Phase-3-Studien REIMAGINE 5 und REDEFINE 9 zu CagriSema (Cagrilintid plus Semaglutid) vor.
In REIMAGINE 5, einer Studie bei Typ-2-Diabetikern, zeigte sich CagriSema (1,0 mg/1,0 mg) dem Vergleichspräparat Tirzepatid (5 mg) beim Gewichtsverlust überlegen: 12,4 Prozent gegenüber 9,1 Prozent nach 60 Wochen, bei nicht unterlegener HbA1c-Senkung (1,71 gegenüber 1,67 Prozentpunkten).
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In REDEFINE 9 bei Übergewicht und Adipositas erreichte CagriSema eine Gewichtsreduktion von 21,0 Prozent gegenüber 2,0 Prozent unter Placebo bis Woche 68 und erfüllte damit den primären Überlegenheitsendpunkt. Zudem zeigten sich stärkere Verbesserungen bei systolischem Blutdruck, Taille-Körpergröße-Verhältnis und Nüchtern-Lipidprofil.
Celldex meldet Erfolge bei chronischer Nesselsucht
Celldex berichtete von positiven Ergebnissen zweier Phase-3-Studien, EMBARQ-CSU1 und EMBARQ-CSU2, mit dem Antikörper Barzolvolimab bei chronischer spontaner Urtikaria, die durch Antihistaminika nicht ausreichend kontrolliert wird. Insgesamt wurden 1.939 Patienten randomisiert.
Beide Studien erreichten den primären Endpunkt, die Veränderung des wöchentlichen Urtikaria-Aktivitätsscores nach zwölf Wochen: Unter Placebo lag die Veränderung bei ?10,7 beziehungsweise ?11,4 Punkten, unter der 150-mg-Dosis bei ?20,2 in beiden Studien, unter der 300-mg-Dosis bei ?20,5 beziehungsweise ?19,7 Punkten.
Eine vollständige Remission in Woche 12 erreichten unter Placebo 9,3 beziehungsweise 12,6 Prozent der Patienten, unter Verum je nach Dosis zwischen 42 und 46 Prozent.
Auch bei Patienten, die auf Omalizumab nicht ansprachen, sowie bei begleitendem Angioödem zeigten sich deutliche Verbesserungen. Das Präparat war laut Celldex bis Woche 24 gut verträglich; eine Zulassungseinreichung bei der FDA ist für 2027 geplant.
Weitere Entwicklungen bei chronischen Atemwegs- und Angstsymptomen
Bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) senkte der Interleukin-33-Antikörper Tozorakimab in zwei replizierten Phase-3-Studien die Rate moderater und schwerer Exazerbationen bei aktuell und früher rauchenden Patienten, die trotz stabiler inhalativer Standardtherapie weiterhin Krankheitsschübe erlebten. Die Ergebnisse wurden auf dem ERS-Kongress in Barcelona vorgestellt und im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Vistagen wiederum meldete vorläufige positive Daten aus der offenen Verlängerungsphase der Studie PALISADE-4 zu Fasedienol-Nasenspray bei sozialer Angststörung. In der Sicherheitspopulation von 322 Teilnehmern erwies sich die wiederholte Anwendung über bis zu zwölf Monate als gut verträglich, mit einer Abbruchrate wegen unerwünschter Ereignisse von 1,6 Prozent.
Auf standardisierten Angstskalen zeigten sich über den Beobachtungszeitraum kontinuierliche Verbesserungen, mit Daten bis zu einem Cutoff am 24. Juli 2026.
Fortschritte in Onkologie und Infektiologie
In China dosierte Antengene laut einer Mitteilung vom 20. September 2026 den ersten Patienten in der pivotalen Phase-III-Studie CLINCH-3 mit dem Antikörper-Wirkstoffkonjugat ATG-022 gegen CLDN18.2-positive fortgeschrittene Magen- und gastroösophageale Tumoren.
Der Wirkstoff hatte zuvor von der chinesischen Zulassungsbehörde den Status einer Durchbruchtherapie erhalten; Phase-I/II-Daten mit Stand Juni 2026 zeigten bei mittlerer bis hoher CLDN18.2-Expression eine Gesamtansprechrate von 46,7 Prozent.
Abseits der klassischen Arzneimittelentwicklung veröffentlichte eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie im Fachmagazin Nature Medicine eine Leitlinie zur personalisierten Phagentherapie mit mehr als 60 praxisorientierten Empfehlungen.
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An der Leitlinie waren 20 Fachgesellschaften, 18 internationale Experten und zwei Patientenvertretungen beteiligt; sie gilt laut Bericht vom 21. September 2026 von Januar 2026 bis Juni 2030 und soll jährlich überprüft werden.
Zusammengenommen verdeutlichen die aktuellen Meldungen, dass sich die pharmazeutische Forschung an chronischen Erkrankungen aus sehr unterschiedlichen Richtungen nähert – von Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen über Hauterkrankungen bis zu psychischen Belastungen und Infektionen mit therapieresistenten Erregern.
