CagriSema: 21% Gewichtsverlust in Phase-3-Studie erreicht
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf seinem Kapitalmarkttag in London hat der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk seine langfristige Entwicklungsstrategie für kardiometabolische Erkrankungen und Nierenleiden dargelegt. Das Unternehmen beabsichtigt, bis zum Jahr 2030 mehr als fünf neue Präparate mit sogenanntem Multi-Blockbuster-Potenzial auf den Markt zu bringen.
Dieses Vorhaben stützt sich auf mindestens fünf Phase-3-Programme im Bereich von Adipositas und Diabetes sowie mindestens fünf weitere späte Entwicklungsprogramme in angrenzenden Therapiebereichen.
Aus der aktuellen Pipeline erwartet Novo Nordisk bis zum Jahr 2035 einen jährlichen Umsatz von mehr als 150 Milliarden DKK, was rund 20,1 Milliarden Euro beziehungsweise rund 23 Milliarden US-Dollar entspricht.
Zudem strebt der Konzern an, bis zum Ende des Jahrzehnts weltweit mehr als 60 Millionen Patientinnen und Patienten zu versorgen. Um diesen Bedarf zu decken, soll die Fertigungskapazität für orale GLP-1-Adipositas-Therapien auf das Zehnfache ausgebaut werden.
Klinische Daten und Zeitpläne für CagriSema
Einen Schwerpunkt der klinischen Pipeline bildet das Kombinationspräparat CagriSema, bestehend aus Cagrilintid und Semaglutid. In der Phase-3-Studie REDEFINE 9 bei übergewichtigen und adipösen Patienten erzielte eine Dosierung von 1,0 mg/1,0 mg bis zur 68. Woche eine Gewichtsreduktion von 21,0 Prozent gegenüber 2,0 Prozent unter Placebo, womit der primäre Überlegenheitsendpunkt erreicht wurde. Zudem verzeichnete das Unternehmen Verbesserungen beim systolischen Blutdruck, dem Taille-zu-Größe-Verhältnis sowie dem Nüchtern-Lipidprofil.
In der Typ-2-Diabetes-Studie REIMAGINE 5 erreichte dieselbe Dosierung bei unzureichender Blutzuckerkontrolle nach 60 Wochen einen Gewichtsverlust von 12,4 Prozent im Vergleich zu 9,1 Prozent unter 5 mg Tirzepatid sowie eine Nichtunterlegenheit bei der Senkung des HbA1c-Wertes (1,71 Prozent gegenüber 1,67 Prozent). Beide Studien belegten eine gute Verträglichkeit.
Nachdem der Zulassungsantrag bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA im Dezember 2025 eingereicht wurde, rechnet Novo Nordisk mit einer Entscheidung zur Gewichtskontrolle im vierten Quartal 2026. Eine Markteinführung bei Adipositas wird für Anfang 2027 avisiert, gefolgt von Daten aus der Studie REDEFINE 11 im ersten Quartal 2027. Für die Indikation Typ-2-Diabetes soll der Zulassungsantrag im zweiten Halbjahr 2027 auf Basis der REDEFINE-3-Ergebnisse eingereicht werden, was eine Einführung im Jahr 2028 ermöglichen könnte.
Parallel nutzen laut Unternehmensangaben bereits 1,5 Millionen Menschen die Wegovy-Pille. In den USA liegt das wöchentliche Rezeptvolumen im Schnitt bei rund 285.000 Verordnungen, wovon 90 Prozent Selbstzahler sind und 80 Prozent zuvor keine GLP-1-Therapie erhalten hatten. Nach dem Start in drei internationalen Märkten bereitet der Konzern Markteinführungen in Mexiko und über 20 weiteren Ländern innerhalb von zwölf Monaten vor.
Diversifizierung und gedämpfter Margenausblick
Konzernchef Mike Doustdar, der seit 2025 an der Spitze des Unternehmens steht, treibt zugleich eine Diversifizierung in Leber-, Herz-Kreislauf- sowie Blut- und Endokrinstörungen voran. Letzteres Geschäftsfeld soll zwischen 2026 und 2030 um mehr als 50 Prozent wachsen.
Die Phase-3-Daten zu CagriSema liegen auf dem Tisch: 21,0 Prozent Gewichtsverlust in REDEFINE 9, ein Vorsprung beim Gewichtsverlust gegenüber Tirzepatid in REIMAGINE 5 — und dennoch fiel die Aktie am Kapitalmarkttag deutlich. Wer die Zahlen selbst einordnen will, statt der Tagesreaktion zu folgen, findet in der kostenlosen Analyse die Studienvergleiche, den Zulassungsfahrplan und die Umsatzprognose bis 2030. Kostenlose Pipeline-Analyse jetzt anfordern
Gestützt wird diese Sparte unter anderem durch den Wirkstoff Etavopivat, der vaso-okklusive Krisen um jährlich 27 Prozent verringerte. Neben einer Kooperation mit dem KI-Unternehmen Anthropic plant Doustdar zudem den Abbau von rund 9.000 Arbeitsplätzen.
Finanzvorstand Karsten Knudsen dämpfte die mittelfristigen Erwartungen: Für die Periode von 2026 bis 2030 prognostiziert er ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, das sich am Branchendurchschnitt orientiert, bei einer weitgehend stabilen operativen Marge. Nach einem Gesamtumsatz von 309,06 Milliarden DKK im Jahr 2025 sollen die Investitionen in diesem Jahr unter 55 Milliarden DKK verbleiben.
Wachsender Wettbewerbsdruck und Marktreaktionen
Die strategische Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund eines verschärften Wettbewerbsumfelds. Die Aktie von Novo Nordisk verzeichnete im frühen Handel Kursverluste von bis zu 7,7 Prozent und hat seit ihrem Höchststand mehr als 70 Prozent an Wert eingebüßt.
BMO-Analyst Evan Seigerman bezeichnete die neuen Studiendaten zur niedrigen Dosierung zwar als ermutigend, verwies jedoch darauf, dass Tirzepatid bei Adipositas höheren Dosen von CagriSema bereits überlegen war.
Zudem drohen Umsatzverluste durch Patentabläufe: Semaglutid-Patente laufen Anfang der 2030er Jahre aus, während der Schutz im Jahr 2026 bereits in Kanada, Indien, Brasilien und der Türkei verloren ging. Der US-Konkurrent Eli Lilly setzt den Marktführer zusätzlich unter Druck.
Novo Nordisk hat für 2026 bis 2030 nur mittleres einstelliges Umsatzwachstum und eine weitgehend stabile operative Marge in Aussicht gestellt — während Tirzepatid bei Adipositas in höheren Dosierungen bereits überlegen war und die Semaglutid-Patente Anfang der 2030er auslaufen. Diese Analyse zeigt, welche Pipeline-Programme die Lücke schließen sollen und wo die Risiken für die Bewertung liegen. Analyse zur Novo-Nordisk-Pipeline anfordern
Dessen Präparat Zepbound dürfte laut LSEG-Daten den Wegovy-Umsatz im Jahr 2026 um mehr als 7 Milliarden US-Dollar übertreffen; zudem beginnt über ein Drittel der neuen US-Patienten im GLP-1-Segment mit Eli Lillys Foundayo-Pille.
Angesichts dieser Dynamik fordern Branchenbeobachter wie Markus Manns von Union Investment den Aufbau eines dritten Standbeins, während Morningstar-Analystin Karen Andersen für eine stärkere Priorisierung des Wirkstoffs Zenagamtide plädiert.
