Burnout-Studie: 68 Prozent der Gründer sehen Gesundheitsrisiko
10.06.2026 - 20:34:46 | boerse-global.de
Burnout in der Chefetage, psychische Überlastung bei Gründern, steigende Krankheitstage: Die mentale Gesundheit rückt in den Fokus von Unternehmen und Wissenschaft. Experten sehen dringenden Handlungsbedarf.
Führungskräfte am Limit
Die psychische Verfassung von Managern entscheidet über die Stabilität ganzer Unternehmen. Analysen der Boston Consulting Group zeigen: Burnout in der Chefetage lähmt Organisationen.
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Der Gallup-Index belegt eine kritische Entwicklung: Nur noch 11 Prozent der deutschen Führungskräfte fühlen sich stark mit ihrem Unternehmen verbunden. Im Vorjahr waren es noch 18 Prozent. Jeder fünfte Chef gibt zudem an, sich ausgebrannt zu fühlen.
Topmanager setzen deshalb auf individuelle Resilienzstrategien. Leonhard Birnbaum (Eon) nutzt Klettern als Ausgleich. Bettina Orlopp (Commerzbank) und Oliver Dörre (Hensoldt) setzen auf Fokussierung und Pragmatismus. Auch Christina Puello (Deutsche Dienstrad) und Iris Grewe (Bearingpoint) verfolgen Ansätze, um trotz Krisen gelassen zu bleiben.
Der Neurologe Volker Busch identifiziert den Verlust des Fokus als Hauptstressfaktor. Resilienz sei trainierbar – die bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit spiele dabei die zentrale Rolle.
Gründer unter Druck: Zwischen Boom und Burnout
Besonders hart trifft die Belastung die Start-up-Szene. Die Zahl der Neugründungen stieg 2025 um 30 Prozent auf 3.568. Doch der Erfolg hat seinen Preis.
Eine Studie des Start-up-Verbands und der Techniker Krankenkasse zeigt: 68 Prozent der Gründer sehen die hohe Arbeitsdichte als erhebliches Gesundheitsrisiko. 45 Prozent betrachten Burnout als zentrales Risiko für ihre Karriere.
Die Prognosen sind düster: Zwei Drittel der Befragten erwarten, dass die psychische Überlastung in den kommenden fünf Jahren weiter zunehmen wird.
Forschung unterscheidet: guter und schlechter Stress
Die Wissenschaft differenziert zunehmend zwischen verschiedenen Stressformen. Die Biopsychologin Veronika Engert (Universität Jena) und die Psychologin Pia Wippert (Universität Potsdam) betonen den Unterschied zwischen Eustress – motivierend – und Dystress – belastend.
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Zu den modernen Hauptstressoren zählen Perfektionismus, „Mental Load“ und „Techno-Stress“ durch ständige digitale Erreichbarkeit. Forscher der Universität Bamberg entwickeln deshalb eine App, die Nutzer bei der Reduktion technischer Belastungsfaktoren unterstützen soll.
Das Verbundprojekt „Resilient@Campus“ geht einen Schritt weiter. Die Hochschule Hannover, die FH Münster und die HNE Eberswalde erhalten 2,55 Millionen Euro von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Ab Juli 2026 soll eine Toolbox entstehen, die die psychische Resilienz von Studierenden systematisch stärkt.
Was jeder im Berufsalltag tun kann
Thomas Ihde, Chefarzt für Psychiatrie bei den Spitälern fmi AG, empfiehlt konkrete Verhaltensänderungen. Die bewusste Einplanung von Zeit für Hobbys und die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, seien zentral.
Seine Ratschläge: Prioritäten klar definieren, das Gespräch mit Vorgesetzten suchen, mentale Flexibilität trainieren und lernen, Aufgaben abzulehnen. Diese individuellen Maßnahmen ergänzen die Debatte über die Transformationsfähigkeit des Standorts Deutschland – die das Institut der deutschen Wirtschaft unter dem Stichwort „digitale Resilienz“ führt.
