Burnout, Sozialberufen

Burnout in Sozialberufen: 39% höhere Fehltage als im Durchschnitt

03.06.2026 - 21:51:38 | boerse-global.de

Psychisch bedingte Fehltage im Gesundheitswesen liegen 39 Prozent über dem Durchschnitt. Experten fordern bessere Arbeitsbedingungen und weniger Bürokratie.

Burnout in Sozialberufen: 39% höhere Fehltage als im Durchschnitt - Bild: über boerse-global.de
Burnout in Sozialberufen: 39% höhere Fehltage als im Durchschnitt - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Daten von Krankenkassen zeigen: Besonders im Gesundheits- und Sozialwesen liegen die Werte weit über dem Durchschnitt. Fachleute suchen nach Lösungen – zwischen betrieblicher Prävention, Stellenwechsel und strukturellen Reformen.

Fehlzeiten im Branchenvergleich

Der AOK-Fehlzeitenreport 2024 verzeichnet für 2023 rund 344 Arbeitsunfähigkeitstage je 1.000 Mitglieder allein aufgrund von Burnout-Diagnosen in sozialen Berufen. Der DAK-Psychreport 2025 bestätigt den Trend: Die psychisch bedingten Fehltage im Gesundheitswesen lagen 2024 um 39 Prozent über dem Durchschnitt aller Branchen.

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Besonders betroffen sind die Kinderbetreuung mit 586 Fehltagen je 100 Versicherte und die Altenpflege mit 573 Fehltagen. Die entscheidende Frage: Liegen die Ursachen in den systemischen Rahmenbedingungen – oder kann ein Stellenwechsel innerhalb des Sozialwesens wirklich helfen?

Gefährdungsbeurteilung als Schlüsselinstrument

Ein zentraler Ansatz ist die gesetzlich verankerte Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Auf einer Fachdiskussion der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi) im Juni 2026 betonten Experten: Der Fokus muss auf der Gestaltung der Arbeitsbedingungen liegen – nicht auf der Bewertung einzelner Personen.

Basi-Geschäftsführer Dr. Christian Felten und Psychologin Ivon Ames unterstreichen die Notwendigkeit, psychische Gefährdungen systematisch zu erfassen. Die Herausforderung: Die theoretischen Anforderungen der Gefährdungsbeurteilung in wirksame Veränderungen des Arbeitsalltags zu übersetzen.

Fachkräftemangel verschärft die Krise

Der hohe Belastungsgrad wird durch einen chronischen Fachkräftemangel weiter angeheizt. Ein Projekt des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe (BeB) machte Anfang Juni auf die prekäre Situation in der Eingliederungshilfe und Sozialpsychiatrie aufmerksam. Viele Einrichtungen haben unbesetzte Stellen – die Arbeitslast für das verbleibende Personal steigt.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern reagiert mit einem radikalen Schritt: Ab dem 1. Juli 2026 streicht sie die Pflicht zur Kirchenmitgliedschaft für die meisten Stellenprofile. Ausgenommen bleiben nur Seelsorge und Religionsunterricht. Grund sind sinkende Mitgliederzahlen und die Schwierigkeit, Stellen im sozialen Bereich zu besetzen.

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Wohlfahrtsverbände fordern Kurswechsel

Vertreter der großen Wohlfahrtsverbände drängen auf eine Neuausrichtung der Sozialpolitik. Diakonie-Chefin Andrea Betz und Caritas-Direktor Hermann Sollfrank sprachen sich Anfang Juni gegen pauschale Kürzungen im sozialen Sektor aus. Stattdessen fordern sie einen konsequenten Abbau bürokratischer Hürden – zur Entlastung der Mitarbeitenden in den rund 650 Einrichtungen ihrer Regionalverbände.

Parallel gewinnen regionale Beratungsangebote an Bedeutung. Im Burgenland etwa wurde ein Modell mit 21 Pflege- und Sozialberater:innen etabliert. Sie führten 2025 über 12.000 Beratungen durch. Solche niederschwelligen Angebote sollen Betroffene und Angehörige unterstützen – und den Druck auf die professionellen Pflegekräfte verringern.

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