Burnout-Forschung: Charité testet DHEA gegen Depressionen
16.06.2026 - 10:50:05 | boerse-global.de
17,4 Prozent aller Krankmeldungen entfielen 2024 auf psychische Leiden. Besonders betroffen: Beschäftigte in sozialen Berufen.
Laut dem Psychreport 2025 der DAK-Gesundheit verursachten Depressionen allein 183 Fehltage je 100 Versicherte. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen – viele Betroffene scheuen die Diagnose aus Angst vor Stigmatisierung.
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Warum immer mehr Beschäftigte ausbrennen
Die Ursachen sind strukturell. Der DGB-Index „Gute Arbeit 2025“ zeigt: 43 Prozent der Beschäftigten arbeiten regelmäßig länger als acht Stunden. Fast die Hälfte von ihnen fühlt sich häufig ausgebrannt.
Ein Drittel der Arbeitnehmer kann nach Feierabend nicht abschalten. Die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen. Der TK-Stressreport 2025 nennt den hohen Anspruch an sich selbst als größten Stressfaktor – 61 Prozent der Befragten gaben das an.
Das Burn-out-Syndrom: Warnsignale erkennen
Burn-out ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Syndrom. Der Psychiater Gernot Langs beschreibt es als Erschöpfungsdepression, die sich über Jahre entwickelt.
Die Warnsignale: Energieverlust, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Herzrasen, Tinnitus oder Rückenschmerzen. Viele Betroffene bemerken die Erschöpfung erst im Urlaub, wenn der tägliche Stress nachlässt. Statt Erholung folgen dann Unruhe und depressive Symptome.
Die Expertin Stefanie Schnier rät Arbeitgebern zu mehr Prävention und flexiblen Arbeitszeitmodellen.
Teilkrankschreibung kommt 2027
Die Bundesregierung plant eine Reform: Ab 1. Januar 2027 sollen Ärzte eine verbliebene Arbeitsfähigkeit von 25, 50 oder 75 Prozent bescheinigen können. Voraussetzung: Der Arbeitgeber stimmt zu.
Um die psychische Gesundheit der Belegschaft langfristig zu sichern, ist ein professioneller Umgang mit Überlastungen entscheidend. Arbeitsschutz-Experten stellen hierfür kostenlose Vorlagen zur Gefährdungsbeurteilung und rechtssichere Muster für Überlastungsanzeigen bereit. Kostenlose Muster-Vorlagen für den Arbeitsschutz sichern
Das Modell greift bei Erkrankungen, die länger als vier Wochen andauern – also auch bei Burn-out-Fällen. Das Krankengeld bleibt bei maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren.
Befürworter versprechen sich eine leichtere Rückkehr in den Job. Kritiker warnen vor Druck auf Arbeitnehmer, trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu arbeiten. Parallel dazu diskutiert die Politik über die Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit – Experten wie Dr. Elke Ahlers vom WSI warnen vor negativen Folgen für Gesundheit und Produktivität.
Neue Forschung: DHEA gegen schwere Depressionen
Die Charité Berlin startete Mitte Juni 2026 eine groß angelegte Studie. Mit 2,3 Millionen Euro Förderung untersuchen Forscher, ob das Hormon DHEA als Zusatztherapie bei behandlungsresistenten Depressionen wirkt.
Auch internationale Studien liefern neue Erkenntnisse – etwa Untersuchungen der University of Bristol oder Berichte im Fachmagazin Lancet.
Vogelbeobachtung gegen Burn-out?
Niedrigschwellige Prävention rückt in den Fokus. Eine Studie zeigt: Regelmäßige Vogelbeobachtung kann das Burn-out-Risiko senken. Der Grund: Die sogenannte weiche Faszination entlastet das Gehirn ohne Leistungsdruck.
Fachleute empfehlen zudem regelmäßige Pausen alle 90 Minuten, sanfte Bewegung und eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. So lässt sich die mentale Widerstandsfähigkeit langfristig stärken.
