Burnout bei Führungskräften: 20 Prozent fühlen sich ausgebrannt
07.06.2026 - 09:11:43 | boerse-global.de
In Zeiten multipler globaler Krisen untersuchen Experten, wie Menschen ihre psychologische Flexibilität bewahren können.
Emotionale Agilität als Schlüsselkompetenz
Aktuelle psychologische Ansätze setzen auf das Konzept der emotionalen Agilität. Die Psychologin Susan David betont: Es geht darum, Gefühle anzunehmen, sich aber nicht von ihnen beherrschen zu lassen. Emotional stabile Menschen zeichnen sich durch hohe Flexibilität aus. Sie personalisieren Ereignisse seltener und haben ein gefestigtes Selbstwertgefühl.
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Analysen vom Juni 2026 zeigen: Bestimmte sprachliche Muster – etwa Verständnis für andere auszudrücken – sind ein Indikator für diese Stabilität.
Die Autorin Marianne Wellershoff beschreibt in einem aktuellen Beitrag verschiedene Methoden, mit denen Menschen ihre Gefühlswelt aktiv beeinflussen können. Auch die Forschung von Kurt Hahlweg liefert Erkenntnisse zur Konfliktsteuerung in Beziehungen.
Das Paradoxon des Erfolgs
Ein oft übersehenes Problem: Viele Menschen empfinden trotz Karriere und Familie ein Gefühl des Mangels. Die Ärztin Dr. Greta Kreuzer sieht die Ursache in einem auf permanente Leistung trainierten Nervensystem. Ihr Lösungsansatz: bewusste Wahrnehmung des Vorhandenen statt ständiger Selbstoptimierung.
Dauerstress in der Führungsebene
Besonders im Management werden die Folgen von Dauerstress sichtbar. Ein Branchenindex vom Juni 2026 zeigt: Rund 20 Prozent der deutschen Führungskräfte fühlen sich häufig ausgebrannt. Gleichzeitig sank der Anteil derer, die sich stark mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen, von 18 auf 11 Prozent.
Top-Manager wie Leonhard Birnbaum (Eon), Bettina Orlopp (Commerzbank) oder Oliver Dörre (Hensoldt) setzen auf individuelle Resilienz-Strategien. Birnbaum empfiehlt, sich jeweils auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren. Neurologen wie Volker Busch bestätigen: Fokusverlust erzeugt direkt Stress.
Digitale Helfer und stille Stunden
Neben individuellen Techniken gewinnen institutionelle Angebote an Bedeutung. Seit August 2021 können gesetzliche Krankenkassen digitale Anwendungen wie die Anti-Stress-App „Pocketcoach“ bezuschussen. Die Kosten von rund 100 Euro pro Jahr werden oft vollständig übernommen. Die App hilft bei Panikattacken oder Schlafstörungen.
Vor-Ort-Seminare zur Stressbewältigung bietet etwa der Kneipp Verein in Bad Vilbel an. Die Kurse basieren auf Programmen von Prof. Dr. Gert Kaluza und finden im August und Oktober 2026 statt – ebenfalls von Krankenkassen gefördert.
Ein neuer Trend: Reizreduktion im öffentlichen Raum. Seit Juni 2026 bieten IKEA-Filialen in Deutschland wöchentlich eine „Stille Stunde“ an. Licht, Musik und Durchsagen werden reduziert. Die Initiative richtet sich an Menschen mit ADHS oder Autismus, kommt aber der allgemeinen Stressprävention zugute. Auch Edeka, Rewe und Museen machen mit.
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Schlaf, Hormone und Neurokosmetik
Die psychische Gesundheit hängt eng mit physischen Faktoren zusammen. Schlafexpertin Dr. Suzann Kirschner-Brouns weist auf den „Gender Sleep Gap“ hin: Frauen schlafen zwar länger, aber qualitativ schlechter als Männer – bedingt durch hormonelle Schwankungen. Dauerhafter Schlafmangel unter sieben Stunden erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Der Wunsch nach mentaler Ausgeglichenheit spiegelt sich auch in neuen Marktsegmenten. Die Neurokosmetik, die auf kognitive Funktion und Wohlbefinden abzielt, wächst deutlich. Lag das Marktvolumen 2025 bei 1,87 Milliarden US-Dollar, prognostizieren Experten für 2026 einen Anstieg auf 2,08 Milliarden US-Dollar. Chemiekonzerne wie BASF oder Givaudan engagieren sich zunehmend in diesem Bereich. Fachleute weisen allerdings darauf hin: Die tatsächliche Evidenz für die Wirkung solcher Produkte auf die Psyche ist noch ausbaufähig.
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