Burnout-Ausfälle, Fehltage

Burnout-Ausfälle: Fehltage bei AOK-Mitgliedern steigen um 77 Prozent

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychisch bedingte Ausfälle nahmen 2025 weiter zu; Krankenkassen und Verbände setzen auf frühzeitige Prävention und bessere Arbeitsbedingungen.

Psychische Fehlzeiten steigen: Krankenkassen fordern mehr Prävention am Arbeitsplatz
Ein verlassener, moderner Büroraum in der Dämmerung mit leeren Schreibtischen und einer ruhigen, minimalistischen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Welttags beziehungsweise Internationalen Tags der seelischen Gesundheit befassen sich Berichte von Krankenkassen, Instituten und Verbänden mit der zunehmenden Belastung am Arbeitsplatz.

Institutionen wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO), der AOK-Bundesverband, der TÜV Rheinland, die SRH, der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), die Arbeiterkammer Salzburg sowie die gesetzlichen Krankenkassen thematisieren die Besorgnis von Unternehmen vor Burnout-Risiken infolge von steigendem Arbeitsdruck und unterstreichen die Notwendigkeit wirksamer Präventionsangebote.

Deutlicher Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten

Laut dem Fehlzeiten-Report 2026 des WIdO stiegen die psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) bei AOK-Mitgliedern von 284 je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 im Jahr 2025. Dies entspricht einem Zuwachs von knapp 42 Prozent.

Bei der AOK PLUS in Thüringen kletterten die entsprechenden Ausfalltage von 275 je 100 Versicherte im Jahr 2016 auf 461 im Jahr 2025, was einem Anstieg von rund 68 Prozent entspricht.

Zudem verzeichnete das WIdO bei den Burnout-Ausfalltagen je 100 AOK-Mitglieder eine Zunahme von 11 im Jahr 2016 auf 19,5 im Jahr 2025 (plus 77 Prozent). Bei der AOK PLUS nahmen die Burnout-bedingten Fehltage im selben Zeitraum um 109 Prozent zu.

Ein weiterer Bericht der AOK beziffert die Fehltage wegen psychischer Diagnosen für das Jahr 2025 auf durchschnittlich 470 je 100 AOK-versicherte Beschäftigte, verglichen mit 292 vor zehn Jahren, was einem Plus von rund 60 Prozent entspricht. Die Burnout-Ausfalltage verdoppelten sich dort von 8 auf 16 je 100 Versicherte.

Auch andere Kassen melden Zuwächse. Wie der TÜV Rheinland und die SRH unter Verweis auf DAK-Daten darlegen, führten psychische Erkrankungen im Jahr 2025 zu rund 366 AU-Tagen je 100 DAK-versicherte Beschäftigte – 6,9 Prozent mehr als im Jahr 2024.

Hohe Falldauer und finanzielle Folgen für die Kassen

Auffällig ist die überdurchschnittliche Dauer psychischer Krankschreibungen. Laut WIdO dauerten psychische Erkrankungen im Jahr 2025 im Schnitt 28,5 Tage je Fall, während Atemwegserkrankungen auf 5,7 Tage je Fall kamen. Der AOK-Bundesverband beziffert die durchschnittliche Falldauer bei psychischen Diagnosen auf fast 29 Tage.

Andere Auswertungen nennen rund 26 Tage je Fall im Vergleich zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 18, Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 16 und Atemwegsinfekten mit 6 Tagen. Nach den vom TÜV Rheinland und die SRH genannten DAK-Daten betrug die durchschnittliche Dauer 34,2 Tage je Fall.

Anzeige

Angesichts der drastisch steigenden Fehlzeiten durch psychische Belastungen wird eine frühzeitige Prävention am Arbeitsplatz immer wichtiger. Dieser kostenlose Report liefert praxiserprobte Hilfsmittel und Checklisten, um Gefährdungsbeurteilungen rechtssicher und behördenkonform zu erstellen. Bewährte Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung jetzt kostenlos herunterladen

Insgesamt lag das Arbeitsunfähigkeitsvolumen der 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten laut WIdO im Jahr 2025 bei 23,3 AU-Tagen je Mitglied, nach 24,5 im Jahr 2022 sowie je 23,9 in den Jahren 2023 und 2024. Auf psychische Erkrankungen entfielen dabei 14,1 AU-Fälle je 100 Mitglieder, auf Atemwegserkrankungen 80,3 Fälle. Das Institut betont, dass erfasste Fehlzeiten nicht automatisch die tatsächliche Erkrankungshäufigkeit abbilden.

Die Entwicklung schlägt sich in den Finanzen nieder: Laut vorläufigen WIdO-Daten beliefen sich die Krankengeldausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2025 auf 21,6 Milliarden Euro (6,1 Prozent der Gesamtausgaben), nach 11,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 (5,2 Prozent).

Von 2021 bis 2025 nahmen die psychischen Krankengeldfälle um knapp 25 Prozent zu, die entsprechenden Ausgaben stiegen um 54 Prozent, während somatische Ausgaben um 27 Prozent zulegten.

Belastungsschwerpunkte und Forderungen nach Prävention

Besonders betroffen von psychischen Fehlzeiten sind bestimmte Berufsfelder. Nach WIdO-Daten verzeichnete das Dialogmarketing im Jahr 2025 insgesamt 39 psychische AU-Fälle je 100 AOK-Mitglieder. Es folgten die Haus- und Familienpflege mit 25,6, die Altenpflege mit 24,9, die Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik mit 24,6 sowie die Kinderbetreuung und -erziehung mit 23 Fällen.

In Österreich verweist die Arbeiterkammer Salzburg auf eine Befragung, wonach vier von zehn Beschäftigten häufig unter Alltagsstress leiden und sich mehr als die Hälfte regelmäßig erschöpft fühlt.

Anzeige

Um der zunehmenden Erschöpfung im Berufsalltag entgegenzuwirken, benötigen Berufstätige effektive Strategien für eine bessere Vereinbarkeit von Job und Privatleben. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt konkret, wie beruflicher Erfolg und persönliches Glück kein Widerspruch sein müssen. Kostenloses E-Book für mehr Work-Life-Balance sichern

In Gesundheits- und Sozialberufen kennen fast zwei Drittel Kollegen mit Burnout; zudem berichten dort 39 Prozent von regelmäßigen Beschimpfungen und 16 Prozent von körperlichen Übergriffen. 53 Prozent der Beschäftigten blicken pessimistisch auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Österreichs.

Die Kammer fordert Prävention, mehr Personal und Kontrollen. Auch der ÖGB verweist auf Arbeitsdruck, Personalmangel und Arbeitsverdichtung und fordert planbare Arbeitszeiten, lebensphasenorientierte Modelle sowie betriebliche Gesundheitsförderung.

Der TÜV Rheinland empfiehlt Unternehmen, Belastungen frühzeitig durch gesundheitsorientierte Führung, Beratung und Gefährdungsbeurteilungen zu begegnen. Die SRH gibt zu bedenken, dass Yoga- oder Achtsamkeitsangebote chronische Überlastung nicht beheben könnten; stattdessen seien realistische Arbeitsmengen, ausreichend Personal, verlässliche Arbeitszeiten und Entscheidungsspielräume nötig.

Unterstützung gibt es auch von Kassenseite: Zum Start der Woche der seelischen Gesundheit verweisen die gesetzlichen Krankenkassen auf bundesweit nahezu 50.000 Präsenzkurse und rund 2.500 Onlineangebote zu Stress- und Ressourcenmanagement bei insgesamt über 120.000 zertifizierten Präventionskursen. Die AOK PLUS wiederum begleitete im vergangenen Jahr in Sachsen und Thüringen 1.216 Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70290980 |