Burnout am Arbeitsplatz: Fehltage je 100 AOK-Mitglieder steigen um 77 Prozent
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auswertungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im Fehlzeiten-Report 2026 verdeutlichen eine anhaltende Zunahme seelischer Leiden im Arbeitsleben.
Bei den versicherten Beschäftigten der Krankenkasse stieg die Zahl der Fehltage infolge psychischer Erkrankungen innerhalb eines Jahrzehnts um 42 Prozent. Kamen im Jahr 2016 auf 100 Mitglieder noch 284 Arbeitsunfähigkeitstage durch entsprechende Diagnosen, kletterte dieser Wert im Jahr 2025 auf 403 Tage.
Drastischer Zehnjahresvergleich bei Fehltagen und Burnout
Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei Burnout-Diagnosen aus. Nach Angaben von AOK und WIdO stieg die Zahl der darauf zurückzuführenden Fehltage seit 2016 um 77 Prozent. Während 2016 noch 11,0 Ausfalltage je 100 AOK-Mitglieder erfasst wurden, lag der Wert im Jahr 2025 bei 19,5 Tagen.
Gleichzeitig sank das gesamte Arbeitsunfähigkeitsvolumen über alle Krankheitsursachen hinweg leicht: Im Jahr 2025 verzeichnete die AOK 23,3 Tage je Mitglied, nach 24,5 Tagen im Jahr 2022 sowie jeweils 23,9 Tagen in den Jahren 2023 und 2024. Obwohl psychische Leiden im Jahr 2025 mit 14,1 Fällen je 100 Mitglieder seltener auftraten als etwa Atemwegserkrankungen mit 80,3 Fällen, zeichneten sie sich durch eine erhebliche Dauer aus.
Ein psychisch bedingter Fall zog im Schnitt 28,5 Fehltage nach sich, während Erkrankungen der Atemwege durchschnittlich nach 5,7 Tagen ausgestanden waren.
Betroffene Branchen und langwierige Verläufe
Die längsten Fehlzeiten verursachten laut AOK und WIdO Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, gefolgt von depressiven Episoden und wiederkehrenden depressiven Störungen.
Wer sich mit der steigenden psychischen Belastung im Berufsalltag befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber konkrete Übungen für mehr innere Ruhe. 5 sofort umsetzbare Maßnahmen für mehr Ausgeglichenheit entdecken
Bei der Verteilung nach Berufsfeldern zeigten sich 2025 deutliche Unterschiede: Den höchsten Stand an psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfällen je 100 Mitglieder verzeichnete das Dialogmarketing mit 39,0 Fällen.
Dahinter folgten die Berufe in der Haus- und Familienpflege mit 25,6, der Altenpflege mit 24,9, der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik mit 24,6 sowie der Kinderbetreuung mit 23,0 Fällen.
Hohe finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem
Die Ausdauer der Erkrankungen schlägt sich unmittelbar in den Kassenfinanzen nieder. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für das Krankengeld beliefen sich im Jahr 2025 auf 21,6 Milliarden Euro, was einem Anteil von 6,1 Prozent an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht.
Dauerstress und Erschöpfung sind oft Anzeichen für ein überlastetes Nervensystem, das wieder in Balance gebracht werden muss. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Sie Ihre Selbstheilungskräfte in nur wenigen Minuten täglich aktivieren können. Kostenlosen Vagus-Ratgeber jetzt herunterladen
Vor zehn Jahren lagen diese Ausgaben noch bei 11,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 Prozent. Bei den Krankengeldfällen infolge psychischer Leiden ergab sich von 2021 bis 2025 ein Zuwachs um 25 Prozent, während die entsprechenden finanziellen Aufwendungen um 54 Prozent stiegen. Bei somatischen Erkrankungen wuchsen die Ausgaben im selben Zeitraum um 27 Prozent.
Zunehmende Sorgen und Erschöpfung unter den Beschäftigten
Flankierend zu den Kassendaten zeigt eine WIdO-Befragung unter rund 2.500 Beschäftigten das subjektive Belastungsempfinden. Demnach gaben 74,8 Prozent der Befragten an, sich in den zurückliegenden vier Wochen aus beruflichen Gründen geärgert zu haben.
Mehr als die Hälfte fühlte sich niedergeschlagen, drei von vier Befragten äußerten Gefühle arbeitsbedingter Erschöpfung. Nach einem Tiefpunkt im Jahr 2024 zogen diese Werte binnen Jahresfrist um fünf bis sieben Prozentpunkte an.
Zudem berichteten 33,8 Prozent, auch in der Freizeit an Probleme im Beruf zu denken, verglichen mit 25,1 Prozent im Vorjahr. Rund ein Viertel der Befragten ging mindestens einmal krank zur Arbeit.
Belastend wirken auch externe Rahmenbedingungen: 51,9 Prozent der Teilnehmenden beschäftigte die allgemeine Wirtschaftslage, 16,5 Prozent die persönliche Finanzsituation und 5,3 Prozent die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Beschäftigte mit Angst vor Arbeitslosigkeit fühlten sich zu 72,3 Prozent niedergeschlagen, während dieser Anteil bei Personen ohne solche Sorgen bei 52,8 Prozent lag.
