Burn-out-Explosion, Krankheitstage

Burn-out-Explosion: 174,8 Krankheitstage je 1.000 Versicherte

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 06:07 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Psychisch bedingte Fehlzeiten erreichen Höchststand, während die Politik neue Sparmaßnahmen plant. Therapeuten warnen vor Versorgungskrise.

Psychische Krankheitstage: Rekordhoch und drohende Budgetkürzungen
Eine Person sitzt in einem modernen Büro, das Gesicht in den Händen vergraben, ein Gefühl von Stress und Überforderung vermittelnd., Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Mittlerweile sind psychische Probleme der dritthäufigste Grund für Arbeitsausfälle in Deutschland. Das Versorgungssystem steht unter massivem Druck – und die Politik plant drastische Einschnitte.

Rekordzahlen bei Burn-out und Co.

Die DAK verzeichnete 2024 einen historischen Höchststand an Arbeitsunfähigkeitstagen durch psychische Leiden. Besonders auffällig: Die Burn-out-Diagnosen sind explodiert. Eine AOK-Auswertung für 2023 registrierte durchschnittlich 174,8 Arbeitsunfähigkeitstage je 1.000 Mitglieder. Zum Vergleich: 2005 lag dieser Wert noch bei einem einzigen Fall.

Frauen sind mit 228,1 Tagen deutlich häufiger betroffen als Männer (131,1 Tage). Die höchsten Fehlzeiten messen Mediziner in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen. Branchenübergreifend verursachten psychische Erkrankungen 2025 im Schnitt 28,5 AU-Tage pro Fall – weit mehr als Atemwegserkrankungen.

Laut Statista Consumer Insights gaben rund 31 Prozent der Erwachsenen an, in den letzten zwölf Monaten psychische Symptome verspürt zu haben. Über 20 Prozent leiden an einer akuten psychischen Erkrankung.

Dramatische Lage bei Kindern und Jugendlichen

Auch die Jüngsten bleiben nicht verschont. Experten des Uniklinikums Jena warnen: Rund 70 Prozent aller psychischen Erkrankungen beginnen vor dem 18. Lebensjahr. Frühe Interventionen gelten als entscheidend, um chronische Verläufe und spätere Folgekosten zu vermeiden.

Doch der Zugang zu Therapieplätzen bleibt eine zentrale Hürde. Patienten warten im Schnitt 97 Tage auf den Beginn einer Behandlung. 2025 nahmen über 1,2 Millionen Menschen eine Psychotherapie in Anspruch.

Budgetierung bedroht Praxen

Die wirtschaftliche Situation der Therapeuten unterscheidet sich massiv von anderen Fachrichtungen. Während Psychotherapeuten einen durchschnittlichen Reinertrag von etwa 86.000 Euro pro Praxis erzielen, liegt dieser Wert bei anderen Arztgruppen bei 310.000 Euro.

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Jetzt plant die Bundesregierung weitere Einschnitte. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht die Streichung der sogenannten Angemessenheitsprüfung vor. Faktisch bedeutet das eine Rückkehr zur Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen.

Therapeutenverbände und die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) warnen vor einer Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz vieler Praxen. Bereits im Frühjahr 2026 gab es Versuche, die Honorare um 4,5 Prozent zu kürzen – die jedoch gerichtlich gestoppt wurden.

Politischer Streit um die Zukunft

Für Juli 2026 ist die Abstimmung im Bundestag angesetzt. Die Koalition plant laut SPD-Politiker Dirk Wiese einen Entschließungsantrag für September 2026. Dieser soll Ausnahmeregelungen für die Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Schwererkrankten vorsehen.

Kritik kommt auch von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Deren Chef Andreas Gassen bezeichnete die Sparpläne als schwerwiegendes Fehlverhalten gegenüber einer ohnehin finanziell benachteiligten Berufsgruppe.

DGPs-Präsidentin Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier warnt: Die Streichung der Angemessenheitsprüfung gefährde nicht nur die Versorgung, sondern auch die wissenschaftliche Ausbildung und die Zukunft der Psychologie in Deutschland.

Reformen in den Bundesländern

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Parallel zu den finanziellen Debatten treiben mehrere Bundesländer Reformen ihrer Psychisch-Kranken-Gesetze voran. In Hessen wurden bereits im Dezember 2025 neue Regelungen verabschiedet, die den Datenaustausch zwischen Kliniken, Sozialdiensten und der Polizei erweitern.

Ähnliche Entwürfe werden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg diskutiert. Fachleute warnen vor einer zunehmenden Stigmatisierung der Betroffenen.

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