Burn-out bei Lehrern: 52 Prozent psychisch stark beansprucht
04.06.2026 - 20:32:32 | boerse-global.de
Fachärzte wie Gernot Langs von der Schön Klinik Bad Bramstedt beschreiben den Prozess in fünf bis zehn Stufen – und das Tückische: Betroffene merken die Überlastung oft erst spät. Dabei gibt es klare Warnsignale.
Warnsignale erkennen: Wenn die Batterie nicht mehr nachlädt
Ein beginnendes Burn-out zeigt sich auf mehreren Ebenen. Psychisch äußert es sich durch dauerhafte Einschränkung der Lebensqualität, zunehmende Reizbarkeit und eine wachsende Entfremdung von der eigenen Arbeit. Experten beobachten häufig Zynismus und eine deutlich verringerte Leistungsfähigkeit.
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Dazu kommen körperliche Symptome. Fachleute der Klinik Friedenweiler nennen Schlafstörungen, Appetitverlust, Rückenschmerzen, Tinnitus und Herzrasen als typische Begleiterscheinungen. Das entscheidende Merkmal: Die tiefe Erschöpfung lässt sich auch durch Ruhephasen nicht mehr ausgleichen.
Wer besonders gefährdet ist
Die moderne Arbeitswelt fordert ihren Tribut. Eine Umfrage der Technischen Universität Dresden unter 2.808 Angestellten zeigt: Mehr als jeder dritte Beschäftigte leidet unter „Transformation Fatigue“ – einer Erschöpfung durch ständige Veränderungsprozesse im Job.
Besonders hart trifft es den Bildungssektor. Eine Untersuchung des Bildungsforschers Pierre Tulowitzki unter mehr als 1.300 Schulleitungen ergab: Rund 20 Prozent zeigen Burn-out-Symptome – obwohl die große Mehrheit grundsätzlich Freude an ihrem Beruf hat. In Österreich bestätigt eine Studie der JKU Linz und des öbv aus dem Frühjahr 2026: 52 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich psychisch stark beansprucht. Hauptbelastungsfaktoren sind administrative Aufgaben, große Klassen und heterogene Lerngruppen.
Leistungsdruck schon bei Kindern
Das Problem beginnt früh. Schulpsychologe Basil Eckert beobachtet zunehmenden Leistungsdruck bei Schülern. Warnzeichen sind wiederkehrende Kopf- und Bauchschmerzen sowie länger anhaltende Schulverweigerung. Die Reaktionen unterscheiden sich: Mädchen entwickeln häufiger Depressionen oder Essstörungen, Jungen reagieren vermehrt mit Aggression oder exzessivem Videospielkonsum.
Digitale Einflüsse: Fluch und Segen
Der AXA-IPSOS Mind Health Report zeigt: 68 Prozent der rund 19.000 Befragten in 18 Ländern leiden unter leichten Formen von Angst, Stress oder Depressionen. Gleichzeitig nutzen bereits 63 Prozent KI-Tools zur Unterstützung ihrer psychischen Gesundheit – fast die Hälfte ist mit den Ergebnissen unzufrieden.
Es gibt aber auch einen gegenläufigen Trend. Die Postbank Digitalstudie 2026 (3.050 Befragte) zeigt: Die durchschnittliche Internetnutzung sank um fünf Stunden auf 67,4 Stunden pro Woche.
Was wirklich zählt: 19 Dimensionen des Wohlbefindens
Ein internationales Forschungsteam veröffentlichte im Juni 2026 im Fachjournal Nature Mental Health eine Arbeit, die psychische Gesundheit messbarer macht. Sie definiert 19 Dimensionen des Wohlbefindens. Die sechs Kernfaktoren: Sinn und Zweck, Lebenszufriedenheit, Selbstakzeptanz, Verbundenheit, Autonomie und Glück.
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Der Weg raus aus der Spirale
Der erste Schritt zur Besserung ist das Eingestehen der Überlastung. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt – er kann krankschreiben oder in eine Psychotherapie überweisen. In schweren Fällen ist eine stationäre Auszeit nötig, um den Kreislauf aus Stress und Erschöpfung zu durchbrechen.
Für Selbstständige gibt es gezielte Angebote. Im August 2026 findet ein Experten-Talk des VGSD mit der Fachärztin Dr. med. Almut Ningel zur Früherkennung von Burn-out statt. Die Botschaft der Experten: Warnsignale frühzeitig ernst nehmen, Reize reduzieren und aktiv Unterstützung suchen – im sozialen oder professionellen Umfeld.
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