Bundesdruckerei und ZenDiS: Partnerschaft soll digitale Verwaltung absichern
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesdruckerei-Gruppe und das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) bündeln ihre Kräfte. Wie aus einem Bericht vom 29. September 2026 hervorgeht, haben beide Organisationen eine Absichtserklärung für eine strategische Zusammenarbeit unterzeichnet.
Die Kooperation konzentriert sich auf die Entwicklung souveräner IT-Infrastrukturen, den vermehrten Einsatz von Open-Source-Software sowie den Ausbau einer sicheren digitalen Verwaltung.
Sicherheitsstandards für den offenen Arbeitsplatz
Ein zentraler Bestandteil der Partnerschaft betrifft den softwarebasierten Arbeitsplatz openDesk. Auf der Messe Smart Country Convention vom 13. bis 15. Oktober 2026 präsentieren die Bundesdruckerei-Gruppe und das ZenDiS die Plattform in Kombination mit der Sicherheitslösung genusecure Suite des Tochterunternehmens genua. Diese Absicherung richtet sich nach den Vorgaben für Verschlusssachen – Nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD).
Parallel dazu läuft die behördliche Zertifizierung der Arbeitsplatzkomponenten. Die Lösung genuconnect für macOS befindet sich derzeit im Zulassungsverfahren beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll.
Für das Betriebssystem Linux wird eine entsprechende Zulassung für das Jahr 2027 angestrebt. Die Bundesdruckerei-Gruppe bringt dafür erhebliche Kapazitäten ein: Das Bundesunternehmen beschäftigte im Jahr 2025 rund 4.700 Mitarbeitende und erwirtschaftete einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro.
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Ausbau des Ökosystems und bisherige Hürden
Um den Einsatz von openDesk in der Verwaltung zu verbreiten, treibt das ZenDiS zudem den Vertrieb voran. Dazu läuft laut einem Bericht vom 28. September 2026 eine Ausschreibung für ein sogenanntes Open-House-Zulassungsverfahren unter der Referenznummer 149989756. Ziel ist die Aufnahme qualifizierter Vertriebspartner in das openDesk-Ökosystem. Ein geschätzter Auftragswert wird im Verfahren nicht beziffert, die Frist zur Abgabe von Angeboten endet am 31. Januar 2027.
Der Ausbau der Aktivitäten folgt auf eine Phase finanzieller Engpässe. Eine Recherche des IT-Fachportals Golem legte offen, dass die Finanzierung des Zentrums für Digitale Souveränität im Zeitraum von 2022 bis 2025 mangelhaft war.
Druck zur Reduzierung technologischer Abhängigkeiten
Die vertiefte Kooperation für quelloffene Verwaltungslösungen fällt in eine Phase intensiver Debatten über den Einfluss ausländischer Softwarekonzerne in europäischen Behörden.
Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Gruppen aus 30 Ländern sowie auf europäischer Ebene forderten kürzlich in einem offenen Brief, bestehende Regierungsverträge mit dem US-Anbieter Palantir zu beenden, das Unternehmen von künftigen Vergaben auszuschließen und stattdessen eigenständige Alternativen zu entwickeln. Sie begründeten dies mit Risiken für Europas digitale Souveränität und riefen zudem Investoren wie Pensionsfonds zum Verkauf entsprechender Aktien auf. In Frankreich zeichnet sich ein Kurswechsel bereits ab, da die dortigen Sicherheitsdienste zum französischen Anbieter Chapsvision wechseln sollen.
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Gleichzeitig verdeutlichen aktuelle Umfragedaten den Druck auf die Modernisierung der Behörden. Laut dem eGovernment MONITOR 2026 besitzen in Deutschland lediglich 32 Prozent der Bürger großes oder sehr großes Vertrauen in den Staat, während das Behördenvertrauen von 37 Prozent im Vorjahr auf 34 Prozent fiel.
Nur 15 Prozent der Befragten sehen ihre Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung derzeit erfüllt, und 58 Prozent erleben Behördenkontakte meist als anstrengend. Zugleich zeigen sich funktionierende Systeme als wirksam: 81 Prozent derjenigen, die ihre Anliegen digital erledigten, waren zufrieden, und 94 Prozent würden diesen Weg erneut nutzen.
