Tierverhalten, Äthiopien

Bulle Achille und Esel Patroclo zeigen 51-mal Sexualverhalten

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein italienisches Forschungsteam hat auf einer Weide in Äthiopien wiederholte sexuelle und freundschaftliche Kontakte zwischen einem Bullen und einem männlichen Esel dokumentiert. Die Beobachtung könnte Hinweise darauf geben, wie Sexualverhalten soziale Bindungen bei Tieren beeinflusst.

Beobachtungen auf der äthiopischen Weide

  • Das Forschungsteam registrierte innerhalb von 14 Tagen insgesamt 51 Interaktionen zwischen Achille und Patroclo.
  • Die Tiere lebten im März 2026 auf einem Hochplateau in Äthiopien und gehörten unterschiedlichen Besitzern.
  • Die Wissenschaftler sehen die Kontakte als Teil einer sozialen Beziehung und fordern weitere Forschung zur genauen Funktion.
Der Esel und der Bulle lebten im Beobachtungszeitraum im März 2026 auf einem Hochplateau in Äthiopien. - Bild: André B. da Cruz/Universität Pisa/dpa

Forscher beobachten ungewöhnliche Tierbeziehung

Ein Forschungsteam der Universität Pisa hat eine artübergreifende Beziehung zwischen dem Bullen Achille und dem männlichen Esel Patroclo untersucht. Die Tiere zeigten im März 2026 auf einem Hochplateau in Äthiopien wiederholt sexuelles und freundschaftliches Verhalten.

51 Interaktionen in 14 Tagen

Die Wissenschaftler wurden bei einer anderen Feldstudie auf das Paar aufmerksam. Sie beobachteten innerhalb von 14 Tagen 51 Interaktionen, bei denen der Bulle den Esel wiederholt besprang, ohne dass dieser Abwehrreaktionen zeigte.

Achille und Patroclo suchten nach Angaben des Forschungsteams wiederholt die Nähe zueinander. Neben dem Aufsteigen beobachteten die Forscher Lecken, Reiben und Anstupsen.

Partner der eigenen Art waren verfügbar

Der Bulle und der Esel gehörten unterschiedlichen Besitzern und sahen sich nur während der Zeit auf der Weide. Beide hätten nach Einschätzung der Wissenschaftler problemlos Partner der eigenen Art sowie des anderen Geschlechts wählen können, entschieden sich aber wiederholt füreinander.

Weitere Forschung soll Funktion klären

Das Forschungsteam wertet das Verhalten als Teil einer sozialen Beziehung und diskutiert mögliche Funktionen jenseits der Fortpflanzung. Die Kontakte könnten dazu beitragen, soziale Bindungen aufrechtzuerhalten oder Spannungen abzubauen.

Die genaue Funktion des Verhaltens ist nach Einschätzung der Wissenschaftler noch offen und soll durch weitere Forschung untersucht werden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht.

Gleichgeschlechtliches Sexualverhalten ist bei zahlreichen Tierarten dokumentiert. Es tritt unter anderem bei Vögeln und Säugetieren auf und wird in der Verhaltensbiologie nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung untersucht.

Der Fall aus Äthiopien ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Achille und Patroclo verschiedenen Arten angehören und wiederholt eine soziale Nähe suchten. Die Kombination aus sexuellen Interaktionen und Verhaltensweisen wie Lecken, Reiben und Anstupsen spricht nach der Einschätzung des Forschungsteams dafür, dass die Kontakte in eine beständige Beziehung eingebettet waren.

Soziale Funktion im Mittelpunkt

Die Beobachtung erweitert damit die Diskussion über Sexualverhalten im Tierreich. Sexuelle Kontakte können bei Tieren auch soziale Funktionen erfüllen, etwa Bindungen stabilisieren oder Spannungen innerhalb einer Gruppe reduzieren. Eine einzelne Beobachtung erlaubt jedoch keine allgemeine Aussage über die Motive der Tiere oder über die Verbreitung solcher Beziehungen.

Für die Forschung liegt die Bedeutung deshalb weniger in einer Übertragung menschlicher Beziehungskategorien auf die Tiere als in der Frage, welche Rolle Sexualverhalten für soziale Beziehungen spielt. Weitere Langzeitbeobachtungen könnten klären, ob die Beziehung zwischen dem Bullen und dem Esel eine vorübergehende Besonderheit war oder ein wiederkehrendes Muster unter ähnlichen Haltungs- und Weidebedingungen darstellt.

SWR: „Forschende beobachten Beziehung zwischen Stier und Esel“ (02.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die Beobachtung des artübergreifenden gleichgeschlechtlichen Sexualverhaltens und hebt zusätzlich die wiederholte Nähe zwischen den Tieren hervor. Als Schwerpunkt beschreibt er die mögliche soziale Funktion der Kontakte und ordnet den Fall als seltene Beobachtung ein.

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