Bruxismus: Ganzheitliche Therapie statt reiner Zahnschienen
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Phänomen des Zähneknirschens und -pressens, in der Fachwelt als Bruxismus bekannt, rückt zunehmend als komplexes Krankheitsbild in den Fokus der Zahnmedizin und Rehabilitation. Experten betonen dabei die Notwendigkeit, über rein symptomatische Behandlungen hinauszugehen und interdisziplinäre Ansätze zu verfolgen, um langfristige Erfolge bei der Behandlung von Kieferbeschwerden zu erzielen.
Differenzierte Diagnostik als Grundlage
Ein zentraler Aspekt in der modernen Behandlung ist die genaue Unterscheidung zwischen Schlaf- und Wachbruxismus. Dr. Matthias Lange, Zahnarzt in Berlin, wies im Juli 2026 auf die Bedeutung spezifischer Screening-Methoden hin, um äußere Anzeichen frühzeitig zu erkennen. Hierbei spielt der Bruxismus-Screening-Index (BSI) der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) eine wesentliche Rolle. Die Fachgesellschaft stellt entsprechende Screening-Bögen kostenfrei zur Verfügung, um eine standardisierte Erfassung zu ermöglichen.
Unterstützt wird dieser Prozess durch aktuelle medizinische Leitlinien. Die S3-Leitlinie legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Selbstauskunft der betroffenen Patienten. Ergänzend dazu können digitale Hilfsmittel wie die BruxApp herangezogen werden, die eine präzisere Einschätzung des Schweregrades der Symptomatik im Alltag erlaubt.
Ganzheitliche Ursachenforschung und Therapie
Fachleute betrachten Bruxismus heute vermehrt als Symptom tieferliegender physischer und psychischer Belastungen. Prof. Dr. ?rfan Koca, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, erläuterte Ende Juli 2026, dass neben Stress auch Muskelverspannungen und Haltungsstörungen als auslösende Faktoren identifiziert wurden. Ein ganzheitlicher Therapieansatz sei daher unumgänglich. Dieser könne neben klassischen Zahnschienen auch manuelle Therapie, Akupunktur, Neuraltherapie oder den gezielten Einsatz von Botox zur Muskelentspannung umfassen.
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Diese Sichtweise wird durch Fachpublikationen gestützt. In dem im Juli 2026 erschienenen Kompakt-Ratgeber „Kiefergelenkschmerzen, CMD und Zähneknirschen“ (Mankau Verlag, ISBN 978-3-86374-801-2) beschreibt Dr. Mandy Scheunchen die Zusammenhänge zwischen Anatomie, Fehlstellungen und Lebensstil. Die Autorin, eine Fachzahnärztin für Kieferorthopädie, empfiehlt auf 159 Seiten eine Kombination aus Physiotherapie, angepasster Ernährung und Stressbewältigung, die durch ein im Buch enthaltenes Audioprogramm mit Meditationen unterstützt wird.
Spezialisierte Schienentherapie und Kostenaspekte
Für Patienten mit ausgeprägter Symptomatik kommen spezialisierte Apparaturen wie die DROS-Schiene zum Einsatz. Der Name steht für einen diagnostischen, relaxierenden, orientierenden und stabilisierenden Ansatz. Die Behandlung erfolgt in zwei Phasen: Zunächst steht die Entspannung der Kaumuskulatur im Vordergrund, bevor in der zweiten Phase die Stabilisierung der Kieferposition angestrebt wird.
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Die Kosten für eine solche Behandlung belaufen sich auf circa 3.500 EUR. Marktbeobachtungen zeigen, dass private Zahnzusatzversicherungen – darunter Anbieter wie die Gothaer, die Bayerische, Janitos oder die Württembergische – häufig eine Erstattung zwischen 50 und 80 Prozent der Kosten leisten. Für die Inanspruchnahme der DROS-Therapie sind eine ärztliche Diagnose, ein detaillierter Behandlungsplan sowie die Betreuung durch zertifizierte Therapeuten erforderlich. Patienten sollten bei spezialisierten Behandlern zudem mit Wartezeiten von bis zu sechs Monaten rechnen.
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